16.11.2009 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Altglas mit M42

Des Öfteren habe ich bei anderen Blogkollegen, z.B. beim Zoomyboy, über die Verwendung von älteren Objektiven an handelsüblichen DSLRs gelesen. Hierfür ist eigentlich nur ein Adapter nötig, den man für unter 10 Euro zu kaufen bekommt. Allerdings muss man damit leben, die Blende selber zu wählen und auch damit manuell zu fokussieren. Ich habe schon mehrmals mit dem Gedanken gespielt, mir so ein Ding mal zu bestellen, es aber noch nie in die Tat umgesetzt. Als ich aber vor zwei Wochen mit Hannes fotografieren war, die vielen tollen Sachen gezeigt bekommen habe, die er für wenig Geld erstanden hat und nun erfolgreich einsetzt, wurde ich wieder daran erinnert.



Und so bestellte ich mir einen Adapter für das Canon EF-Bajonet auf ein M42 Gewinde. Zusätzlich ersteigert ich mir ein Beroflex 135mm f2.8 Objektiv für 12,50 Euro. Dafür bekommt man bei handelsüblichen Objektiven noch nicht mal ne Streulichtblende! Der Zustand des Beroflex wurde mit „Selten benutzt: wie neu“ beschrieben. Ich war gespannt.

Beroflex 135mm



Beim Auspacken war ich auch erst mal sehr erfreut, da das Objektiv auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck machte. Schnell folgte Ernüchterung, da das Drehen am Blendeneinstellring nichts bewirkte. Naja, wenigstens kann man die Offenblende nutzen dachte ich, aber der nächste Blick auf die Gläser erzeugte weiteren Ärger. Kleine blasse Pünktchen deuteten auf einen Pilz hin. Ich war mir zwar nicht ganz sicher, aber Google und Hannes bestätigten meinen Verdacht.

Da ich aber nicht viel zu verlieren hatte, schnappte ich mir den Schraubendreher und öffnete das Objektiv. An die Blende kam ich leider nicht ran, aber wenigstens konnte ich das hintere Glas vom Pilz befreien. An der Frontlinse sind zwar auch noch ein paar Pünktchen, aber deutlich weniger, als hinten. Man sollte sich bewußt sein, dass die Sporen des Pilzes aus dem Objektiv sich auch in die Kamera und von dort in andere Objektive übertragen können.

Da ich aber ungeduldig war das Objektiv auszuprobieren, hielt mich das nicht davon ab, das 135mm mit auf Fototour zu nehmen und mit dem Objektiv ein wenig zu fotografieren. Das manuelle Einstellen der nötigen Werte störte mich nicht so doll. Man merkt der Optik aber an, dass sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Die Aufnahmen haben einen milchigen Schleier. Kann in bestimmten Situationen sehr schön aussehen, stört mich aber bei meinen Fotos eher. Mit dem Klick aufs Bild öffnet sich eine kleine Slideshow.

Fliegenpilz

Der hohe Mindestabstand zum Objekt störte mich ebenfalls. Es kam mir vor, als wenn man 2m vom Objekt der Begierede entfernt sein musste, um scharf stellen zu können. A propos scharf stellen. Um die Schärfe des Bildes besser beurteilen zu können, müsste man auch die Mattscheibe der Kamera wechseln. Canon bietet eine Mattscheibe EF-S (ca. 30 Euro), mit der das dann besser geht, aber auch der Sucher dunkler wird.

Ich ärgere mich nicht, dass ich das Geld für den Adapter und das Objektiv ausgegeben habe. Es war ja nicht sehr viel. Aber einen wirklichen Nutzen beim Fotografieren sehe ich bisher für mich nicht. Aber vielleicht läuft mir ja noch ein anderes Objektiv über den Weg, mit dem ich mehr Freude habe …

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Kategorie: Fotografie

Kommentare

Julian sagt:

Danke, dass Du deine Erfahrung teilst – ich hatte dies auch schon immer mal wieder vor, lasse es jetzt aber erstmal bleiben 🙂 und spare das Geld für andere tolle & unnötige Sachen

Bei manuell fokussierenden Objektiven habe ich gute Erfahrungen mit dem Live-View der Kamera gemacht. Das ist sogar noch präziser als die alternative Mattscheibe.

Steffen sagt:

@Andreas: Stimmt, über das Liveview geht das super.

Rainer sagt:

Hallo,
schöner Bericht, muss aber auch sagen das die 2.8/135er von der Naheinstellgrenze alle nicht der Renner sind, richtig Spaß bringen da erst die 50mm z.B. von Pentaflex, Pentor oder Pentacon.
Die Blendenverstellung funktioniert erst wenn der Blendenstößel am Gewinde des Objektiv gedrückt ist, feste (verharzte) Blendenlammellen werden manchmal wieder gängig, wenn man das Objektiv für 2-3 Stunden in den Backofen bei 50° C legt 😉 .

Grüße,
Rainer

Steffen sagt:

@Rainer: Das mit dem Stift hatte ich probiert. Wenn der Adapter aufgeschraubt wird, ist das ja eh der Fall. Der Tipp mit dem Backofen ist gut. Danke 🙂 Werde ich mal machen und dann berichten.

Jan sagt:

Bei einem Preis von 13 EUR darf man nicht mehr erwarten. Ich bin ja als Analogfotografierer auf eBay angewiesen (besitze überwiegend Beroflex und Prakticar), kaufe aber ausschließlich bei Händlern meine Technik ein. Das ist etwas teurer als 13 EUR, aber immernoch um ein Vielfaches günstiger als Objektive für aktuelle SR oder DSR-Kameras.

Steffen sagt:

@Jan: Auch wenn der Preis sehr niedrig ist, erwarte ich doch wenigstens, dass sich das Objektiv in beschriebenen Zustand befindet. Der Verkäufer hat aber nicht arglistig sondern unwissend gehandelt und mir mittlerweile eine Rückgabe angeboten.

DANKE für den Bericht, Steffen. Frage mich da schon länger, wie/was das mit den M42 Dingern kann und soweit ich weiß, ist auch der Herr Jordan einwenig Fan davon. Glaube, dass es hier wirklich sehr drauf ankommt, welches Glas man hat… Trotzdem cool, von Dir zu hören, wie es Dir damit ging.

Steffen sagt:

@Martin: Ja ich hatte ganz schön Pech. Der Zoomyboy hat ja auch eher positive Erfahrungen mit alten Linsen gesammelt und ein paar sehr schöne vorzeigbare Ergebnisse erzielt.

Lutz sagt:

Sehr schöner Bericht. Schade, dass es nicht besser gelaufen ist 🙁

Also wenn jemand ein altes Objektiv (100mm oder 135mm) erfolgreich an einer Canon SLR benutzt, würde ich mich über eine kurze Nachricht freuen. Suche schon lange nach einer Alternative zu den etwas teuren Canon-Festbrennweiten in dieser Kategorie… das 135mm f/2 ist im Moment nicht drin…

Dino sagt:

Nachdem mein Blogkollege Björn schon vor geraumer Zeit mal seine Erfahrungen mit älteren Objektiven an aktuellen Kameras gemacht hatte, war das Thema für mich erst mal erledigt. Ich weiss leider nicht mehr welche(s) Objektiv er damals getestet hatte, aber die Ergebnisse ließen wohl zu wünschen übrig und vor allem das Scharfstellen hatte sich als äußerst aufwendig herausgestellt.
Auch wenn Dein Beitrag das bisherige Bild nicht unbedingt ins Positive wandelt, so werde ich es wohl auch mal auf einen Test ankommen lassen – gerade die bereits erwähnten Ergebnisse von Zoomyboy hatten schon was für sich und die Preise können sich allemal sehen lassen.
Letztlich wird wohl viel von dem Glück abhängen, welches man beim Kauf des Objektives hat. Sofern dieses qualitativ i.O. ist und man mit ein wenig manuellen herumspielen keine Probleme hat, müßte sich da schon was machen lassen 😉

ps: Das zweite Foto Deiner Slideshow finde ich, zumindest in dieser Größe, gar nicht mal so übel 😉

pps: Dennoch würde ich das Objektiv entsorgen – die Gefahr der Verbreitung des Schimmels wäre mir deutlich zu hoch!

Steffen sagt:

@Dino: Das Objektiv wird wohl nicht mehr so viel Verwendung finden. Aber den Tipp von Rainer bzgl. der Blend probiere ich auf jeden Fall noch.

Carsten sagt:

Netter Bericht.
Leider stellt er die Verwendung von „Altglas“ an einer DSLR zu negativ dar.
Altglas ist nicht gleich Altglas. Und von den Ergebnissen mit einem billigen Noname-135er auf die grundsätzliche Eignung zu schlussfolgern, greift bei weitem nicht weit genug!
Es gibt manuelle Objektive, die so gut sind, dass sich alle modernen AF-Linsen ganz warm anziehen müssen.
Da man ja nicht nur M42er an eine EOS adaptieren kann, sondern auch Zuikos (Olympus), alte Nikkore oder – Achtung! – Leica Objektive, stößt man damit in Bereiche, die man mit einem „Consumer“-AF-Objektiv nie erreichen kann. Ein Leica-R-Objektiv lässt so manches „L“ sehr alt aussehen.
Also: nicht aufgeben, sonder umfassend erkundigen, auch mal €50,- oder €100,- in die Hand nehmen und staunen!

Steffen sagt:

@Carsten: Ja mein Artikel ist etwas negativ. Auch auf Grund meiner Enttäuschung gleich beim ersten Objektiv in jeder Hinsicht eine Niete bekommen zu haben. Dass sollte aber nicht heißen, dass alle alten Objektive Mist sind. Wahrscheinlich bekommt man die aber eher vom Experten als bei Auktionshäusern.

Spielkind sagt:

ich habe mir vor Tagen auch bei eBay einen Adapter bestellt und gestern abend ein nettes Objektiv gefunden. Aber was Du da so schreibst, lässt mich nicht gerade aufatmen.

Aber wie Du geschrieben hast, ich billig Geld.
da ich ein Spielkind bin hoffe ich sehr, das ich doch ein paar Aufnahmen machen kann und ich erhoffe mir ein wenig neue Erkenntnisse für die „AutoFocus“Objektive 😉

Steffen sagt:

@Spielkind: Wünsche dir, dass du ein besseres Objektiv bekommts. Meld dich mal, wenns da ist!

Spielkind sagt:

mach ich.
Drücke mal die Daumen, da die Auktion noch 50Minuten läuft 😉

Steffen sagt:

@Spielkind: 🙂 viel Glück!

zoomyboy sagt:

Hallo Freunde, da ich mich sehr Intensiv mit diesem Thema beschäftigt habe und auch meine Erfahrungen mit alten Objektive an DSLR Kameras gemacht habe, und ich auch schon den einen oder anderen einen Tipp geben konnte.
Biete ich euch meine Hilfe an, sollte es diesbezüglich Fragen geben. Gerne gebe ich mein Wissen, das auch ich mit Lehrgeld bezahlt habe, an euch weiter.

Steffen sagt:

@Zoomyboy: Sach mal wegen dem 58mm Objektiv … Ich hätte da Interesse 🙂

Teatime sagt:

Ich habe vor einiger Zeit auch ein wenig mit einer „alten Scherbe“ experimentiert. Bei mir war es ein altes Novoflex 5,6/400 Schnellschussobjektiv. Das habe ich früher (boah – was klingt das alt!) an der Minolta XM motor und meinen Nikons (F3, F4) benutzt.

Leider fehlte mir nach dem Umstieg auf Canon der Adapter für EOS – ich habe mich auch eigentlich nicht drum gekümmert – bis mir das Objektiv in der Hand fiel und mich wieder mal die Experimentierlust packte. Zugegeben, mit ungefähr 70,- EUR war der Adapter nicht billig (direkt von Novoflex) aber es hat sich gelohnt. Es mach voll Spass mit dem Teil an der EOS und die Qualität ist auch gar nicht mal so schlecht.

Lediglich die Unendlich-Einstellung funktionierte nicht, aber da ich auch noch einen Macro-Balgen für das Teil habe, habe ich den ausprobiert und siehe da: der bringt die Optik den kleinen Tick näher an das Gehäuse, dass das Objektiv jetzt auch bei Unendlich funktioniert.

Hier kannst Du meinen Bericht lesen: http://www.amuthon.de/?p=316

Frau Doktor sagt:

Also ich habe Null-Ahnung, das vorweg. Habe aber noch ein alte Practica hier liegen mit einer Festbrennweite vermute ich, Domiplan 2,8/50 steht da drauf.
Nutze jetzt ein Nikon D70. Gibt es da noch irgendeine Nutzungsmöglichkeit?
Adapter?
Hmm wäre ja interessant zu wissen, hatte das eigentlich abgeschrieben.

DanielS-Photonenatelier sagt:

Ich benutze zur Astrofotografie gerne das 5,6/500mm Rubinar Makro Spiegeltele (aka „Russentonne“). Dieses hat-da es ein Maksutov-Cassegrain Design ist- zwar eine feste Blende, was mich aber bei der Astrofotografie auch nicht weiter stört. Die doch recht speziellen „Doughnut-Bokehs“ sind aufgund des Designs schon eingebaut. Die Adaption erfolgt dabei mittels M42-Adapter und 15mm Zwischenring, zudem habe ich den Unendlich Anschlag der Fokussierung entfernt. Der Kontrast kann zwar mit teuren Linsendesigns nicht mithalten, aber für den Preis gegenüber diesen kann man dann auch nicht wirklich meckern.

Carsten sagt:

@Frau Doktor:

Ich würde damit nicht anfangen. Zum einen ist das Domiplan nicht wirklich gut und zum anderen lassen sich M42er nicht ohne weiteres an eine Nikon adaptieren.
Das sogen. Auflagemaß ist nicht groß genug, d.h. man kann nicht auf unendlich fokussieren, sondern nur im Nahbereich.
Es gibt Adapter, die das durch eine Linse optisch ausgleichen, doch das nimmt nochmals etwas an Qualität. Bei einem sehr guten Objektiv lohnt sich das, beim Domiplan wird’s nicht besser. 😉

Ich bin so frei und verlinke mal: http://lucispictor.weebly.com/adapters-with-lenses.html

Wenn manuelle Linsen (und das macht unerhört Spaß!!) dann aber bitte sehr gute oder welche mit sehr individuellem Charakter. Damit kann man Bilder machen, die mir modernen AF-Objektiven nicht, oder kaum, möglich sind.

Soll ich mal eine kleine Einführung in das sinnvolle Nutzen von manuellen Objektiven an einer DSLR schreiben?
Habe da eine mehrjährige Erfahrung… 😉

Steffen sagt:

@Carsten: Klar, gerne! Vielleicht im Rahmen eines Gastartikels? Fände ich Klasse 🙂

Carsten sagt:

Hi, Steffen.

Zunächst mal ein Deep-Link auf meine Seite:
http://lucispictor.weebly.com/manual-lenses-in-german.html

Wenn ich mal etwas Zeit finde, setze ich daraus mal einen Gastartikel zusammen, OK?

Steffen sagt:

Alles klar. Danke schonmal 🙂

Frau Doktor sagt:

Danke, Carsten, da ich mehr Anfänger bin, werde ich mich lieber mal auf ein neues 50mm stürzen, nach dem was es dazu so zu lesen gibt. 🙂

Carsten sagt:

@Frau Doktor:

Die D70 kann leider nicht mit manuellen Gläsern messen, d.h. du musst im „M“-Modus fotografieren, doch das kann auch sehr großen Spaß machen und ist sozusagen „Fotografie pur“.

Ich würde dir empfehlen, nach einem Nikkor AI 2.0/50 Ausschau zu halten. Die sind noch bezahlbar und trotzdem unglaublich gut. Achte aber bitte darauf, „AI“-Objektive zu kaufen, denn die D70 kann eventuell Schaden nehmen, wenn du die ganz alten „Prä-AI“-Linsen nutzt.

Sabine sagt:

Heidernei … ihr wißt gar nicht, was ihr verpaßt. 😉 Es macht unglaublich Spaß, mit den alten Optiken zu fotografieren. Mittlerweile mache ich das fast ausschließlich. Da hat fast jede irgendwie ihren eigenen Charakter. Und einige müssen sich vor neuen Linsen keineswegs verstecken, im Gegenteil. Ich hätte ja nie geglaubt, mal eine Sammelleidenschaft für etwas zu entwickeln … aber die Dinger können echt süchtig machen.

Steffen sagt:

Du wirst lachen. Ich habe mir vor ein paar Tagen wieder ein M42 Objektiv bestellt. Der Artikel ist ja schon ein bissel älter … 🙂

Werner sagt:

Schade, dass Du erst „Negativerfahrung“ machen musstest und verstehe Deine Enttäuschung vollkommen.

Aber ich darf Dir versichern….. dass das nicht die Regel ist. Viele Gläser werden von „Unwissenden“ ausgegraben und als gut angeboten und ich unterstelle nicht einmal „Vorsatz“.

In meinem Fuhrpark sind fast ausschließlich alte Festbrennweiten und diese möchte ich in keinem Fall mit neuen Linsen tauschen. OK da sind auch Linsen dabei die halt deutlich mehr kosten….. aber auch Linsen die man für kleines Geld erstehen kann und kein Fehlkauf waren! Lese Dich weiter ein und folge den Empfehlungen, dann findest Du gar manches überraschendes Kleinod das sich nicht vor modernen Linsen verstecken muss.

Der Altglassammler Werner 🙂

Moritz sagt:

Ich habe vor ein paar Jahren viel mit alten Objektiven ausprobiert, meiner Meinung nach gibt es einige, die sich wirklich lohnen (nicht nur M42, sondern zB auch Minolta 58mm f/1.2) und viele, welche die Mühe einfach nicht wert sind.

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