19.04.2011 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Aus 300mm Brennweite mach 600mm



Bei der fotografischen Jagd auf Tiere in freier Natur, zählt jeder Millimeter Brennweite. Allerdings sind Objektive jenseits der 500mm Grenze nicht gerade billig. Alternativ besteht die Möglichkeit die Brennweite eines bereits vorhandenen Objektivs mit Hilfe eines Telekonverters zu erhöhen.

Wie gut sich so ein Telekonverter im praktischen Einsatz in der Wildbahn macht, wollte ich gerne einmal selber ausprobieren. Deswegen habe ich mich gefreut, dass Foto Walser so nett war, und mir den 2-fach Telekonverter 4LMC DG aus ihrem Programm zur Verfügung gestellt hat.



Wie der Name schon vermuten lässt, erhöht sich bei diesem Konverter die Brenweite um das Doppelte. Sprich aus meinem 300mm Tamron Tele wird ein 600mm Bolide. Und das für einen Aufpreis von 130 Euro. Klingt nicht schlecht, aber wie schon zu vermuten, gibt es auch Nachteile.

Mit dem Einsatz des Konverters muss man einen Verlust bei der Lichtstärke in Kauf nehmen. In unserem konkreten Fall sind es zwei Blenden. Die Kontakte, welche zur Informationsübertragung zwischen Kamera und Objektiv dienen, werden zwar vom Konverter durchgeschliffen, allerdings funktioniert der Autofokus beim Tarmon-Tele und 300mm nicht mehr richtig. Außerdem wird der Kamera weiterhin vorgegaukelt, dass die Brennweite 300mm beträgt. So kann man später nicht anhand der Exif-Daten unterscheiden, ob ein Telekonverter verwendet wurde. Hinzu kommt, dass die Logik in der Kamera für die Berechnung der Belichtungszeit mit der zu kurzen Brennweite, zum Teil falsche Zeiten ermittelt. Für optimale Ergebnisse sollte man also Fokus und Belichtung manuell einstellen.

Der Konverter wird zwischen Kamera und Objektiv angebracht. Das sieht in der Praxis dann so aus:

Um nun ein Gefühl für das neue Gespann zu bekommen, habe ich es mit auf eine Fototour genommen. Ich hatte Glück, denn mir liefen gleich am Anfang des Ausfluges ein paar Rehe über den Weg. Das manuelle Handling ist schon gewöhnungsbedürftig. Vor allem das Fokussieren über den Sucher ist bei solchen Entfernung nicht gerade einfach. Am Stativ mit Liveview geht es schon deutlich besser. Allerdings wird es schwer, spontane Situationen einzufangen.

Hier ein Vergleich von Aufnahmen mit und ohne Brennweitenverlängerer:


Die Aufnahme mit Telekonverter wirkt etwas unschärfer und verwaschener. Es zeigen sich Farbsäume. Allerdings war die ISO beim zweiten Bild auch etwas höher. Nach den Rehen musst nun ein fest eingeplantes Motiv herhalten: Eine Kirche in ca. 2km Entfernung:


Auch hier das selbe Bild. Mit der erhöhten Brennweite verliert man neben dem Bedienkomfort leider auch an Kontrast und Schärfe.

Beim letzten Vergleich seht ihr denn Mond bei 300mm und 600mm im direkten Vergleich. So bekommt man ein ganz gutes Gefühl für die Auswirkung der hinzugewonnenen Brennweite. Weiterhin erkennt man beim mit Konverter aufgenommenen Mond deutlich Farbsäume, die bei dem 300mm Foto kaum auszumachen sind.

Fazit
Wer sich nicht scheut, die Belichtung und den Fokus an der Kamera manuell einzustellen, sowie Abstriche bei der Bildqualität in Kauf nehmen kann, für den lohnt sich ein Telekonverter. Das Schöne ist, dass er an allen Objektiven funktioniert und somit recht flexibel ist. Für die Tierfotografie kann ich ihn nur bedingt empfehlen, da die manuelle Bedienung die Reaktionszeit stark verlangsamt.

Wie sind eure Erfahrungen mit Telekonvertern?

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Kategorie: Produkte

Kommentare

Patrick sagt:

Ich habe den 2x Konverter von Nikon und der ist von der Qualität her spitze. Es hängt auch von dem eingesetzten Objektiv ab. An meinem 70-200 macht sich der Konverter gut. Auch Autofokus und Belichtungsmessung funktionieren einwandfrei. Dafür zahlt man natürlich für den Nikon auch über 500 €. Dennoch günstiger als ein 400mm Objektiv.

Steffen sagt:

Ich glaube sowas sucht man bei Canon vergebens 🙁

Stefan sagt:

Davon abgesehen, dass Du den TC-20III auch unter 500€ bekommst, kannst Du auch den alten TC-20II gebraucht kaufen. Mit meinem 200/2 bringt der absolut vergleichbare Ergebnisse, solange sich nichts bewegt. Hier ein Beispiel an der D7000 http://on.fb.me/enL4FL
Ich weiß allerdings nicht, ob der IIer mit dem 70-200 funktioniert.

So oder so: die Ergebnisse mit dem Nikon Konverter sind um Klassen besser als das, was uns Steffen hier zeigen musste.

Nils sagt:

@Steffen:
Es gibt doch auch von Canon gute 2x Konverter, z.B. den EF 2x II für ca. 300€ (soll sogar besser sein als der 2x III für 500€)
Der zeigt in den Exifs dann auch Korrekte Brennweite + Blende!
Beispielbilder z.B. hier: http://www.dslr-forum.de/showthread.php?p=8000137&highlight=konverter#post8000137
Du musst also nicht zu Nikon wechseln! 🙂
Aber neben dem Extender kommts natürlich auch auf die Qualität des Objektivs drauf an!

Steffen sagt:

Schon mal nicht schlecht. Weißt du, ob da der Autofokus funktioniert?

Nils sagt:

Bei dem original Canon-Konverter geh ich davon aus, dass alles gut funktioniert.
Zur aktuellen III-er Version steht auf deren Homepage auch „Der integrierte Mikroprozessor sorgt für eine präzise Datenübertragung der Motivparameter zwischenObjektiv und Kamera. Das gewährleistet eine präzise automatische Scharfstellung.“
Nun müsste man mal schauen, ob es wirklich der III-er sein muss, oder ob’s der II-er genauso gut tut.

Steffen sagt:

Habe bei Amazon in den Rezensionen gelesen, dass AF nicht geht. Ansonsten wäre das echt ein feines Gerät!

Matthias sagt:

Ist das mit dem AF nicht eher ein Problem der Optik?
Also bei meinem Kenko funktioniert der AF z.B. an meinem 70-200/2.8 oder 24-105/4.0 noch, aber um so weniger Licht aber durchkommt, desto schwieriger wird das natürlich.

Steffen sagt:

Weiß auch nicht genau, wo das Problem liegt. Der Fokusmotor wird ja bewegt und kommt dann auch zur Ruhe. Allerdings immer so, dass das Motiv unscharf ist.

Matthias sagt:

Mit dem Tamron dürftest Du wohl in Kombination mit dem Konverter auf jeden Fall mehr als Blende 5.6 haben …

Zitat: „Ist die effektive Lichtstärke der Kombination Objektiv/Konverter schlechter als Blende 5,6, ist der AF-Betrieb nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich!“
http://www.wissen.nikonpoint.de/?p=126

Steffen sagt:

Ja das stimmt schon. Aber bei 300mm ging im Zusammenhang mit dem Tamron gar nix.

Nils sagt:

Bei Canon funktioniert der AF doch nur bis Blende 6.3 oder so…
Da das Tamron mit dem Konverter auf eine höhere Blende kommt, streikt die Kamera.

Steffen sagt:

Ja genau, daran liegts.

Matthias sagt:

Hm, hatte ich versucht zu sagen, aber kam wohl anders an ^^ Naja Gute Nacht …

Steffen sagt:

Ja sorry, hatte ich falsch verstanden. 🙂

Josef sagt:

Interessanter Bericht, der die Grenzen für den Einsatz eines Telekonverters deutlich macht. Vor allem ist das dann der Fall, wenn Telezooms eingesetzt werden, die an sich schon ein Kompromiss sind.
Wenn schon sollte man lieber eine gute Festbrennweite (z.B. das Canon EF 300/4.0 L IS USM) dafür nutzen. Da sind die Verluste an Schärfe nicht so krass. Der Verlust an Lichtstärke ist aber leider genauso hoch.
Eine Alternative könnte die Spektivfotografie sein. Dabei wird die DSLR an ein handelsübliches Spektiv (Fernrohr) geschraubt. Das Handling ist aber nicht ohne. Wen es interessiert, der kann hier mal schauen:
http://www.naturfotografie-digital.de/info/dslr-adapter-spektiv.php
LG Josef

Steffen sagt:

Danke für den Hinweis!

Steffen sagt:

Vielleicht sollte ich doch zu Nikon wechseln?

Josef sagt:

Tu’s nicht!!!! 😉

Besim sagt:

Wir kriegen Dich noch 🙂

Steffen sagt:

Du kannst mir ja mal deine D700 mit dem 85mm 1.4 schicken 😉

Besim sagt:

Schicken?
Du kannst vorbeikommen und hier bei Kaffee und Kuchen switchen 🙂

Ronny D. sagt:

@Steffen: Nee nicht wechseln!! Das gibt auch von Canon
http://www.probis.de/web/index.php?id=1169

Matthias sagt:

Hehe, den Vollmond hab ich gestern auch gerade mit meinem (Kenko-)verdoppeltem 400er fotografiert. Damit kriegt man dann den Cropsensor wenigstens mal halbwegs gefüllt. Blende 11 war da ja zum Glück dabei egal.
Klar Stativ ist bei der Brennweite wohl dann eh Pflicht und sich bewegende Objekte sicherlich eh auch schwer festzuhalten.
Insgesamt hab ich den Telekonverter aber aufgrund der doch erheblichen Qualitätseinbußen recht selten drauf.

Steffen sagt:

Habe den Mond am Sonntag fotografiert. War aber leider zu spät dran. Kurz überm Horizont war er riesig und ganz rot 🙁

Marco sagt:

Hallo Steffen

schau Dir auch mal den Telekonverter-Vergleich auf Traumflieger an.

http://www.traumflieger.de/objektivtest/telekonverter/telekonverter_check.php

Ciao,

MArco!!

Steffen sagt:

Oh, sehr interessant. Danke für den Link!

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