01.11.2007 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Das Foto und das Meer

Dies ist ein Gastbeitrag von Jan Kockrow, Segler und Betreiber des Gelegenheitsblogs nylle.de. Er fotografiert vorzugsweise mit analogen Kameras, was ich sehr bewundernswert finde.



Jan Kockrow

Segeln – die teuerste Art, unbequem zu reisen. Das zumindest besagt eine Redensart aus jenen Zeiten, als der Segelsport noch den Reichen und Mächtigen vorbehalten war. Im Zeitalter der Serienfertigung von Kunststoffyachten und einer florierenden Charterbranche, trifft man auf See inzwischen alle sozialen Schichten an, mitunter auch zum Ärgernis jener mit beigen Pullovern umhängten Polohemdenträgern, die gerade mal Pause vom vielen Golfspielen machen wollen. Somit ist Segeln nun nicht mehr die teuerste, aber sicher noch eine der unbequemsten Arten zu reisen, auf jeden Fall aber die schönste und aufregendste.



Ich segle bevorzugt im September, in erster Linie, weil es dann zur Nebensaisaon erheblich günstiger ist. Zum anderen hat man aber auch interessanteres Wetter, mehr Wind, vielleicht auch mal Regen und trotzdem noch eine gute Chance auf gelegentlichen Sonnenschein und milde Temperaturen, aussuchen kann man es sich freilich nicht.

Auf keinem Törn darf die Kamera fehlen, denn gerade wenn der Sommer langsam ausklingt, kann man schon die ersten vorherbstlichen Stimmungen einfangen und diese süße Traurigkeit, die die schwindende Jahreszeit mit sich bringt. Wasser und Wolken, romantische Häfen und die interessantesten und bizarrsten Lichtspiele, Sonnenauf- und Untergänge auf See und manchmal auch merkwürdige tierische Begegnungen, z.B. wenn sich fernab von Land, mitten auf der Ostsee ein spatzgroßer, komisch bunter Vogel auf dem Deck niederläßt und einen doof anschaut.

Schwierig sind natürlich alle Aufnahmen bei schlechtem Licht, kann man doch kein Stativ verwenden. Nun steht es natürlich jedem frei, selbst auszuprobieren, ob man jenes sperrige, bockige Dreibein auf dem schwankenden Deck balanciert bekommt, nur um dann enttäuscht festzustellen, daß doch alles verwackelt ist, da dummerweise das Boot zu stur ist, auch nur mal für einen Augenblick stillzuhalten. Wiederholt man die Prozedur auf dem Steg, ist man vermutlich nicht weniger frustriert, denn auch Schwimmstege haben die Eigenschaft, sich zu bewegen. Hat man dann endlich festen Boden unter den Füßen, wird man als nächstes feststellen, daß fast alle Motive am Meer in Bewegung sind, ganz besonders das Meer selbst, aber auch alles, was sich darauf befindet.

Nun ist das aber kein Grund, die Kamera in die Ecke und das Stativ über Bord zu werfen. Wobei, wenn ich es mir recht überlege: Das Stativ kann man getrost an der tiefsten Stelle der Ostsee versenken, mit der Kamera lassen sich jedoch herrliche Farbspiele erzeugen. Ich habe auf See schon die schönsten Sonnenuntergänge und orangerot brennende Horizonte eingefangen, mit bis zum Anschlag geöffneten Blenden und stabilen Positionen in der Reling hockend. Besonders spannend ist es, wenn man nach dem Entwickeln erstaunt feststellt, wie völlig anders die Farben wirken können und wie verfälscht und doch magisch viele Aufnahmen sind.

Zu empfehlen sind generell 200er Filme, es sei denn man hat zufällig zwei Kameras zur Hand, die man je nach Lichtverhältnissen mit dem entsprechend eingelegten Film einsetzen kann. Wenn man es richtig anstellt, kann man beim richtigen Licht auf dem Meer auch mit einem Farbfilm überraschend hohe Kontraste und fast schwarz-weiße Photos erzeugen.

Ich bevorzuge Kombiobjektive für einen möglichst großen Brennweitenbereich, da sich Objektivwechsel auf einem wackeligen Boot als eher ungünstig heraustellen werden. Man muß ständig aufpassen, daß Feuchtigkeit und Salz nicht in die Nähe der Kamera gelangen und weiß ein wechselfreies Photographieren dann besonders zu schätzen.

Die See sieht immer anders aus, bietet die unterschiedlichsten Facetten an Farben, Oberflächen, Formen und Kontrasten und das alles in den vielfältigsten Kombinationen. Für mich das schönste Fotorevier. Danke Meer!

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Kategorie: Allgemein

Kommentare

Steffen sagt:

Danke für den tollen Artikel!

rajue sagt:

Wenn mir auf Booten nur nicht immer so schlecht werden würde…..

PS: Von wegen, ich bin immer zuerst da!

Steffen sagt:

🙂 Ich bin mal von Dover nach Calais mit der Fähre gefahren. Das Schiff schaukelte so stark, dass man nicht ordentlich laufen konnte. Mann, war ich froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben…

Nylle sagt:

Ich will ja nicht angeben, aber mir macht sowas alles überhaupt nichts aus. Gut, am ersten Sturmtag hab ich auch nich den besten Appetit, wenn ich unter Deck am Kartentisch, eingeklemmt zwischen Achterkabine und Funkgerät, hocke und den Kurs in die Karte eintrage, aber wenn ich mich nach paar Stunden dran gewöhnt habe, macht mir das den Rest der Reise gar nichts mehr aus.

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