20.01.2010 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Die Entschleunigung der Fotografie

Beim Suchbegriff „Foto“ spuckt Google ganz nebenbei, so scheint es jedenfalls, über 2 Milliarden Treffer aus. Da bekommt man den Eindruck, dass nicht nur das Wort, sondern alle Begriffe und Handlungen, die die Bereiche der Fotografie betreffen, inflationär gebraucht werden. Überall sind Fotos zu finden, die einen zum Lachen, Weinen oder Nachdenken bringen. „Manchmal reißen sie einem sogar das Herz heraus“, schreibt Johannes Siglär (Flickr). Um dieses Gefühl greifbar zu machen, hat Jo das bemerkenswerte Projekt sapralot * selected photography gestartet.



Was seine Idee und Umsetzung von Flickr und Co. unterscheidet, ist die Auswahl der präsentierten Bilder: Sie werden nicht von einem selbst präsentiert, sondern von jemandem, der MEHR als das alltägliche „Super“ oder „Wow“ zu sagen hat.



Dazu kommt, dass die Wahl eines Bildes begründet werden muss. D. h. ein Fotograf, der das Bild eines anderen Fotografen vorstellt, sollte möglichst ausführlich darlegen, warum er sich ausgerechnet für dieses Bild entschieden hat, was für ihn das Besondere an diesem Bild ausmacht.

Der Frage, der ein besonderes Augenmerk zukommen soll, ist: Was ist ein gutes Bild?

Jeder kennt die Situation: Man ist himmelhoch jauchzend, weil man gerade eine geniale Aufnahme gemacht hat – und kurze Zeit später zu Tode betrübt, weil sie bei anderen überhaupt keinen Anklang findet. Es liegt eben nicht nur Schönheit im Auge des Betrachters; deshalb weichen die Meinungen zu einem Bild nicht selten weit voneinander ab.

Damit diese abweichenden Meinungen zur Geltung kommen, geht es Jo vor allem um die Entschleunigung. Soll heißen, dass der ewigen Jagd nach immer neuen und noch besseren Fotos entgegengewirkt werden soll, um stattdessen ein Forum zu schaffen, das zum Innehalten und Nachdenken über die Fotografie anregt.

Ein Forum, in dem tollen Bildern jene Zeit geschenkt wird, die ihnen gebührt.

Inzwischen hat Jo schon selbst einige Fotos, die ihn berühren, gepostet. Auch Andreas Levers hat schon ein Foto vorgestellt. Ich werde dort auch bald ein besonderes Foto vorstellen und meine Gedanken dazu aufschreiben. Wahrscheinlich werde ich mir vorher einen grünen Tee kochen, den Fernseher ausgeschaltet lassen, um das Foto, das ich mir ausgesucht habe, dann voll und ganz auf mich wirken lassen zu können – ein schöner Nebeneffekt, den das Projekt mit sich bringt.

Ich wünsche Dir viel Erfolg damit, Jo.
Mich hast Du jedenfalls überzeugt.

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Kategorie: Fotografie

Kommentare

Christian sagt:

Das Projekt gefällt mir ziemlich gut. Schön, dass Du darüber berichtest, ich wäre wahrscheinlich nicht so schnell darüber gestolpert.

Die Bildvorstellungen gefallen mir außergewöhnlich gut, gerade weil sie gut ausgesucht wirken.

Ronny D. sagt:

Es wird wohl noch Jahre dauern bis da mal ein Bild von mir zu sehen ist. 🙁
Aber genau das finde ich auch interessant. Zum einem hat man als Amateur ein Ziel und zum anderen wird mal die Streu vom Weizen getrennt.
Find ich sehr gut!

Kalliey sagt:

Das Projekt ist echt gelungen. Eine tolle Sache, mal was anderes als „nur“ Bilder.

Jo sagt:

Vielen Dank für den tollen Bericht und das positive Feedback! 🙂

Die Sache macht unglaublich Spaß. Und bleibt auch für mich immer spannend, weil ich mit den ersten Fotos nur einen Anstoß gegeben habe, auf die weitere Entwicklung aber keinen Einfluss nehme.

Ich freu mich jedenfalls schon sehr auf die nächsten Beiträge!

Rene sagt:

Die Entschleunigung sollte man sich auch für viele andere Dinge und vor allem für den Alltag angewöhnen; Fotografie und Bildbearbeitung können dabei ganz gut helfen und deshalb nehme ich mir das zwischendurch als Auszeit. Der Vorteil daran liegt aber nicht nur im reinen Abschalten: Meine »normalen« Auftragsarbeiten als Kommunikationsdesignerin bekommen dadurch einen echten Inspirationsschub, denn ich bin frei in der Wahl meiner Themen und Mittel und probiere deshalb viel aus. Feiner Artikel und guter Appell, danke Besim!

Andreas sagt:

Hey, super Tipp. Werde mir das Projekt mal genau ansehen. Genau das Richtige für einen Samstag.

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