10.06.2009 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Donnerwetter – Stephan Sachs

Stephan SachsDies ist ein Gastartikel von Stephan Sachs, wohl besser bekannt als „Fisch im Glas“ oder Saxi. Er fotografiert in seiner Freizeit und veröffentlicht seine Aufnahmen unter fischimglas.de. Vor ein paar Wochen hatte ich mit ihm gechattet, als vor seinem Fenster ein Gewitter aufzog. So entstanden die Idee und die Fotos zu diesem Artikel.

Gewitter 1
© Stephan Sachs

Dreckswetter! Dreckswetter? Im Gegenteil! Schon viele Jahre zieht es mich bei Gewittern nach draußen, um zu sehen, was die Natur für farbenprächtige Bilder an den Himmel malen kann. Im Laufe der Zeit, die ich mit meiner Kamera verbringe ist mir bisher allerdings noch nicht großartig in den Sinn gekommen, zu versuchen, ein Gewitter auch tatsächlich zu fotografieren – wird ja eh nichts – denkste. Erfahrung mit halb-kontrolliertem Licht habe ich mit ein paar Feuerwerkfotos gemacht (Blende, Belichtungszeit, Ausrichtung des Stativs, Fernauslöser) – keine einfache Sache, aber dennoch relativ kontrollierbar was den Ort des Geschehens angeht und … es ist immer dunkel.

Ein Gewitter überrascht tagsüber, nachts, wenn man schläft, in der Arbeit sitzt oder gerade ein paar Kilometer zu weit weg ist und z. B. die Kamera und/oder das Stativ gerade nicht dabei hat. In der Situation war ich oft genug und das ist wirklich gemein – gut, da ist nichts zu machen. Das eine oder andere Mal bin ich nach Hause gehetzt, hab die Kameratasche gegriffen, das Stativ eingepackt, wieder losgehetzt, dem Gewitter hinterher, aber so schnell wie es aufzog, war es auch schon wieder verschwunden.

Ich habe mir mehrfach auf dem Weg zu einer Örtlichkeit, von der aus ich ein Gewitter fotografieren wollte, überlegt, wie gefährlich das wohl sein kann, sich möglichst weit oben, ohne viele störende Objekte, auf freiem Feld aufzubauen und dem Toben am Himmel ins Auge zu sehen. Bisher ist das so auch noch nichts geworden – zum Glück. Ich persönlich halte das für sehr gefährlich – gut, natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob und wie er ein Gewitter einfängt, welche Risiken damit verbunden sind und ob man bereit ist diese einzugehen.

Letztens war es dann plötzlich soweit: Es war Nacht, seit dem Abend zogen mehrere Gewitter ihre Runden, doch als es dann letztendlich richtig dunkel wurde und sich der Himmel ein weiteres Mal mit richtig schwarzen Wolken füllte, war eines klar: Kamera aufbauen! Es roch nach Regen. Wind kam auf. Mein Vorhang begann, sich vor der offenen Balkontür aufzublähen. Der Regen setzte ein. Sturm. Das war es! Ich musste raus.

Dieses Mal musste es einfach klappen! Der klare Vorteil in meinem Fall ist, dass ich im 16. Stock eines freistehenden Hochhauses mit überdachtem Balkon und freiem Blick auf die Stadt wohne – das Gewitter zog gegenüber auf. Besser konnte es nicht kommen, da abzusehen war, wo die Blitze auftauchen „könnten“ – man weiß ja nie. Komfortabel in der Hinsicht, dass ich nichts einpacken, losfahren und mir Sorgen um mein Leben machen musste. Also Stativ aufgebaut, Kamera ausgerichtet, 17 mm, damit ordentlich was drauf ist, ein wenig mit Blende und Belichtungszeit gespielt und belichtet. Alle 30 Sekunden für 30 Sekunden (AF aus, Blende 11 – vielleicht geht auch mehr?) – gewartet, abgewogen, Donner gehört, weiterbelichtet. Ein Fernauslöser wäre der Wahnsinn gewesen, allerdings passt der von der EOS 400D nicht an den Anschluss der 50D .

Zwischenzeitlich habe ich wunderschöne Blitze einfach nur deshalb verpasst, weil ich zwischendurch zu lange aufs Display geguckt habe, ob überhaupt etwas drauf ist. Kleiner Fehler wie ich meine, da man das auch nach dem Gewitter in aller Ruhe prüfen kann. Schnell die Kamera nachjustieren ist immer nützlich, schliesslich ist der gesamte Himmel in Bewegung – für mehr ist meiner Meinung nach nicht viel Zeit. Trotz des Balkons und der paar hundert Meter war mir ganz gut mulmig in meiner Haut, auf dem größten Blitzableiter weit und breit. Freies Feld oder Berg werde ich wohl für spätere Male nicht in Betracht ziehen – das ist mir einfach zu heiß.

Nach einer aufregenden halben Stunde Dauerfeuer von oben und vom Balkon aus, hatte sich das Gewitter so schnell es aufgezogen war auch schon wieder verzogen und stärkerer Regen setzte ein, bei dem man selbst auf dem Balkon nass werden würde. Ab dafür. Endlich konnte ich einen Blick auf die Beute werfen und diesmal hat es auch funktioniert.

Aufs Bild klicken, um die Slideshow zu starten. © Stephan Sachs
Gewitter 8
Aufs Bild klicken, um die Slideshow zu starten. © Stephan Sachs

Es hat mich sehr gefreut, als Gast auf lens-flare.de ein wenig was über mein Tun schreiben zu dürfen. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gesammelt? Hilfreiche Tipps und Anregungen, ein Gewitter zu fotografieren? Na dann ab, den Kommentar.

Stephan Sachs
fischimglas.de

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Kategorie: Fotografie
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