03.02.2011 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Eigenartige Methoden der Bildmaterialbeschaffung

Marko vom Bildwerk3 berichtete vor kurzem über die sehr zweifelhafte Art des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an Bildmaterial zu kommen.



Ich hatte in den letzen Tagen auch eine sehr dubiose Anfrage bezüglich eines Fotos, von der ich heute kurz berichten möchte. Des öfteren bekomme ich E-Mails zu den in der Wallpaper-Gallerie ausgestellten Aufnahmen. So auch am 28.Januar. Es trudelte folgende Nachricht von einem web.de Postfach bei mir ein:

Hallo!
Eure Fotos sind sehr schön. Darf man diese verwenden? Leider finde ich hierzu keine Angaben.
Besten Dank und viele Grüße!



Ich antwortete darauf hin, dass die Fotos unter CC-Lizenz stehen und privat kostenlos genutzt werden können, bei einer kommerziellen Nutzung allerdings Lizenzgebühren anfallen. Für mich hatte sich die Sache schon erledigt, da ich einen privaten Hintergrund vermutete. Es kam aber folgende Antwort:

Danke für die schnelle Antwort. Bitte machen Sie mir ein Angebot für gewerbliche Nutzung.

Wieder von einer anscheinend privaten Adresse, allerdings diesmal von live.de. Natürlich konnte ich kein Angebot pauschales Angebot für alle Fotos erstellen, deswegen hakte ich nach:

Können Sie mir bitte hierfür nennen, welche Foto(s) Sie wofür und in welcher Auflösung verwenden möchten?

Es folgte eine längere E-Mail Ping-Pong Serie, da mein gegenüber anscheinend absichtlich mit den entsprechenden Informationen geizte. Ich bekam heraus, dass ein von mir fotografiertes Windrad von Stadtwerken(mehr wurde mir nicht verraten), für einen Flyer in der Auflage von 3.000 bis 5.000 Stück auf der Rückseite in der Größe DIN A6 verwendet werden sollte. Aber auch eine spätere Nutzung auf deren Webseite wurde nicht ausgeschlossen. Und um dieses Foto handelt es sich:

Alternative Energie

Ich machte mich hier schlau und erfuhr, dass 288 Euro für den Druck verlangt werden können. Also bot ich dem Unternehmen an, dass sie das Bild für den Flyer für 200 Euro bekommen können und eine uneingeschränkte Nutzung für 350 Euro möglich wäre. Die Antwort sah dann so aus:

Uuups…mit soviel hatten wir nicht gerechnet. Ich habe vorab im Internet recherchiert und solche Preise erwartet: http://www.shutterstock.com/subscribe.mhtml
Hier gibt es sogar noch günstigere: http://de.dreamstime.com/stockfotografie-rad-image128542#
Vielleicht kann man sich da finden?

Daraufhin bat ich mein unsichtbares Gegenüber, mir einen Preis vorzuschlagen und erklärte auch noch, warum die Fotos bei Microstockagenturen deutlich günstiger zu haben sind. Allerdings rechnete ich nicht mehr mit einer Antwort. Doch sie kam:

Soeben habe ich von der entsprechenden Abteilung im Haus erfahren, dass unser eigenes Windrad demnächst professionell fotografiert wird. Somit hat sich unsere Anfrage bei Ihnen erledigt, trotzdem besten Dank für Ihre Mühe.

Ob nun Ausrede oder Tatsache, kann man nur mutmaßen. Aber mich würde es nicht wundern, wenn in kürze von denselben Stadtwerken ein Fotowettbewerb zum Thema Windrad ausgerufen werden würde. 😉 Aber selbst wenn mein Foto jetzt ungefragt verwendet wird, werde ich davon nichts merken.

Ich weiß ja noch nicht mal, um welche Firma es sich handelt. Es gab in diesen E-Mails kein Impressum und keinen Hinweis auf das Unternehmen. Ich denke schon allein das ist nicht Rechtens und lässt mich die letzte von mir gemutmaßte Möglichkeit nicht unwahrscheinlich erscheinen.

Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen nur noch Angebote zu erstellen, wenn mir die anfragende Firma genannt wurde. War ich vielleicht auch ein wenig zu blauäugig?

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Kategorie: Allgemein, Fotografie

Kommentare

Daniel sagt:

Geiz…nana na nana… Geiz ist GEIL!…nana na nana…

Patrick sagt:

Ich finde das gar nicht eigenartig, sondern eher normal. Leider muss man sagen.

Stefan sagt:

Ich denke auch, dass die Anfrage auf diese Art schon nicht „zulässig“ ist.
Die Email muss im Footer eigentlich Name, Adresse + mögliche weitere Angaben enthalten – je nachdem, wer schreibt.
Aber was hilft das schon, wenn es so sein müsste 😉

Das ist der „Fluch“ des Netzes , anonym bleiben und alles geschenkt bekommen. Mal sehen wann dieser Anfragende durch einen 30 € Microchip ersetzt werden und die Anfrage dann mit wechselnder IP Adresse erneut kommen – hilft da doch nur der E Postbrief 🙂 oder ?

Matthias sagt:

Tja, an sich gehört es sich schon, dass man sich als Vertreter einer Firma entsprechend kennzeichnet. Auch E-Mail-Adressen ala xxx@web.de, xxx@yahoo.de oder was auch immer gehören sich nicht für geschäftliche Kommunikation von Unternehmen. Ich gehe mal davon aus, dass die Stadtwerke eine eigene Domain und somit auch E-Mail-Adressen haben.

Aber klar, vermutlich hätte ich an Deiner Stelle da jetzt auch erstmal drüber hinweggesehen und versucht mir die lukrativ klingende Anfrage nicht entgehen zu lassen.

Uwe sagt:

Wer es genau wissen möchte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Email-Signatur#Rechtslage_in_Deutschland

Ansonsten macht das der professionelle Fotograf sicher unter 200 Euro….

Ratze sagt:

Hi,
warum hast Du nicht gleich von Anfgang an nach dem Namen der Firma/Auftraggeber gefragt? Die würde ich dann nähmlich sichheitshalber immer mal wieder im „Auge behalten“ …
Diese Art der Anfrage finde ich schon merkwürdig um nicht zu sagen unseriös.
Grüße

Steffen sagt:

@Ratze: Werde ich demnächst auch immer machen. Hatte schon des öfteren solche Anfragen bekommen, aber bin mir dann immer mit den Absendern einig geworden.

foto graf sagt:

Hi, also ich kann mir ja kaum vorstellen, dass so eine Anfrage mit Freehost-Adressen wirklich von Stadtwerken o.ä, kommen. Höchst eigenartig.
Hast du denn aber erfahren, um welche Stadtwerke es sich handeln soll? Dann kannst du ja zumindest nachvollziehen ob sie dein Foto nicht doch einfach benutzen…

Steffen sagt:

@fotograf: Habe mittlerweile über die IP Adresse in der E-Mail das Unternehmen herausgefunden. Es ist aus einem kleinen Ort nahe Mannheim. Ich hätte mir auch nicht vorstellen könne, das bei örtlichen Stadtwerken so vorgegangen wird.

der echte Jan sagt:

Also ich finde die Anfrage jetzt nicht besonders dubios. Es ist nicht ungewöhnlich, daß mittlere Unternehmen (zu denen ich kleinere Stadtwerke zählen würde) bei den Agenturen sparen und freischaffende Leute einsetzen. Diese müssen nicht zwangsweise Profis sein. Ich hab zu Schulzeiten auch komerzielle Webseiten für mittelständische Unternehmen gebaut und hatte weder Ahnung, noch war ich professionell. Heute würde ich mich für diese Webseiten schämen, aber die Firmen waren zufrieden, weil ich es sehr billig gemacht habe. Ich hätte vermutlich eine ähnliche Anfrage an Dich geschickt und die Firma auch nicht sofort genannt – aber nicht aufgrund Hintergedanken, sondern weil ich es einfach nicht besser gewußt hätte. Ich kenne auch heute Leute, die freischaffend kreativ sind und an die Sache völlig unprofessionell rangehen.
Ich würde da nicht zu viel hineininterpretieren – vermutlich war das ein Abiturient, der in den Ferien für die Firma seines Onkels als Web- und Prospektdesigner jobbt und einfach nicht mit dem professionellen Umgang vertraut ist. Eigentlich finde ich es schon positiv, daß er überhaupt nachfragt; viele hätten die Fotos einfach verwendet, weil sie sich über Lizenzen keine Gedanken machen – nicht aus böser Absicht, sondern aus Blauäugigkeit.

Ich würde nicht sagen, daß Du naiv herangegangen bist. In Zukunft ist es sicher ratsam, die Firma zu Beginn erfragen, aber was hätte es Dir in diesem Fall genutzt?

Stephan sagt:

In der Tat hatte ich ähnliches via flickr zu einem Herrenhaus für ein Buchprojekt in überschaubarer Auflage. Weil mir das Bild nicht so besonders gefiel, hatte ich mich auf einen Taschengeldpreis plus Belegbuch eingelassen, musste dann aber Monate hinterherfragen, was denn nun sei – man hätte einen Fotografen beauftragt …

Steffen sagt:

@Jan: Ich gebe dir grundsätzlich Recht. Vielleicht sehe ich das zu verbissen. Allerdings scheint die Dame dort fest angestellt zu sein und da weckt es doch meinen Argwohn, wenn sie mit einer Adresse, die nicht zum Unternehmen gehört, antwortet.
@Stephan: Scheint eine Masche zu sein…

Renate sagt:

Ja, das kenne ich auch. Letztes Jahr kam eine Anfrage von einer sehr bekannten deutschen Firma, die hatte ein Kirschen-Foto von mir entdeckt. Sie wollten es für ein Messeplakat verwenden. 2 x 2 Meter. 40 Euro haben sie angeboten. Ich wollte 120. Das mussten sie sich noch überlegen, und dann, als sie es sich positiv überlegt hatten, wurde noch gefragt, ob mit oder ohne MwSt. „Mit Mehrwertsteuer natürlich“, habe ich gesagt. Das Foto habe ich dann freigegeben – mit ausdrücklichem Hinsweis auf einmalige Nutzung.

Vor wenigen Wochen rief mich der Inhaber eines Hotels am Ammersee an. Ein Seefoto würde ihnen gefallen. Ob sie es für ihre Imagebroschüre verwenden dürften. Ja, habe ich gesagt, gegen Honorar. 100 Euro wollte ich dafür. Das war zuviel.

Heute habe ich einen Wettbewerb im Internet entdeckt. Bei „http://www.gartenwelt.de“. Jeder, der ein Foto einschickt, gibt automatisch (durch die Teilnahmebedingungen) sein Einverständnis für uneingeschränkte Nutzung. Es gibt einen einzigen Gewinn. Einen Gartengrill mit einer extrem hässlichen Schürze. Leider gibt es genügend Deppen, die an sowas teilnehmen. Die Fotos sind zwar zum großen Teil miserabel, aber ein paar brauchbare sind dabei. Honorar: keines!

So sieht’s aus in Deutschland – was Honorar für Fotos betrifft. In anderen Bereichen geht es aber genauso übel zu. Schuld daran sind einerseits Kollegen, die für lau arbeiten und die vielen Hobby-Fotografen, -Designer, -Webdesigner und Konsorten.

Steffen sagt:

@Renate: Die Schuld würde ich jetzt nicht so pauschal den Hobbyisten geben. Sich als Privatperson auszugeben, in der Absicht das Foto möglichst günstig abzustauben, ist auch nicht die feine englische Art.

Ich finde es gut, dass Du über den Preis nicht weiter verhandelt hast. Entweder die wollen das Bild zu Deinen Konditionen oder eben nicht. Ich hatte vor einiger Zeit ein ähnliche Anfrage, nur von einer Privatperson. Die gute Frau suchte für eine private Bilderkollage (gedruckte Version) noch Aufnahmen aus Hamburg. Sie fragte mich ob sie ein Bild von mir verwenden kann. Ich sagte ja, gegen eine kleine Gebühr schicke ich einen Druck. Den wollte sie nicht, da sie das Maß noch nicht genau wüßte. Stattdessen wollte Sie von mir die Original Datei für den Druck haben… Naja, den Rest kann man sich denken – So Nicht!

Steffen sagt:

@Ronny: Kann gut nachvollziehen, dass du die Original-Datei nicht rausrücken wolltest. Habe auch schon öfter an Fremde für private Zwecke zum Selbstkostenpreis als Druck weitergegeben. Bisher hatte da noch keiner ein Problem, dass ich den Druck bestellt habe.

Ehrlich gesagt hatte ich ja gar keine Chance zu handeln. Vermute aber, dass alles über 10 Euro eh nicht akzeptiert worden wäre.

Anwin sagt:

Unabhängig von der Aktion der Stadtwerke bzw. deren Angestellten / Beauftragten, würde mich die Art der CC-Lizenz interessieren, die Du für das Bild verwendest.

Wäre mir neu, dass zwischen privater und kommerzieller Nutzung hinsichtlich Gebühren unterschieden wird. Die NC schließt doch eiogentlich die grundsätzliche kommerzielle Nutzung aus (also auch für dich selber, oder?)
Vielleicht habe ich das CC-System aber auch einfach immer noch nicht verstanden…

Steffen sagt:

@Anwin: Die kommerzielle Nutzung durch den Urheber ist mit der CC-Lizenz nicht ausgeschlossen.

Sabine sagt:

Ich denk die „Firma“ wollte ihren Namen nicht nennen weil sie selbst wissen, dass sie unseriös sind 😉

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