27.05.2009 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Eine Hundertstel Sekunde

Es gibt Momente, da muss man die richtige Entscheidung treffen, sonst bereut man es das ganze Leben. Der kurze Streifen, greift diese Aussage auf sehr ergreifende Art und Weise auf.



Bitte schaut ihn in Ruhe und nicht irgendwo zwischendurch. In dem Film werden Szenen aus einem Kriegsgebiet sehr dramatisch veranschaulicht.



via Canikon_Mark & cbhagen

Update: Lest auch die Kommentare!

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Kategorie: Videos

Kommentare

Sam sagt:

Hui, der ist ja böse!

Sam sagt:

Wobei ich mich, nach etwas sacken lassen, frage:

Was wären denn ihre Entscheidungsmöglichkeiten gewesen?

a) Den bewaffneten mit der Kamera erschiessen?
b) Laut rufen, damit erst sie und dann das Mädchen erschossen wird?
c) Jemand rufen, der das Mädchen rettet (haha)?
d) kein Foto machen (was hätte das geändert)?

Die einzig mögliche Entscheidung wäre gewesen, gar nicht erst den Job als Reporter in einem Krisengebiet anzunehmen – das war vermutlich aber keine 1/100s Entscheidung, sondern einfach nur Blauäugig.

Peter Jakobs sagt:

sicher auf die Spitze getrieben, aber doch ist, gerade für Reportagefotografen, die Spannung zwischen „welches Foto kann ich bekommen“ und „kann ich eingreifen“ immer da. Der wohl bekannteste „War Photographer“, James Nachtwey erklärt in seiner TED Preis Rede, was ihn antreibt, und es ist nicht der absolute Wille, ein Killerfoto zu bekommen http://www.youtube.com/watch?v=AGKZhNK_pHw
Wir leben in einer Welt, in der wir starke Bilder brauchen um starke Reaktionen zu erzeugen, und Fotografen wie Nachtwey bringen diese Bilder zu uns, insofern ist es moralisch sicher fragwürdig, daß die Fotografin in diesem Video nicht gerettet hat (hätte sie es gekonnt?) aber: daß sie mit einem Foto die Augen der Welt auf einen (vermeintlichen) Konflikt gelenkt hat kann in einem größeren Kontext weit mehr Leben retten.
Wir sollten uns nicht gar zu schnell dem Urteil des Videos anschließen.

pj

Steffen sagt:

Geht es denn nur um das richtige Handeln in der speziellen Situation oder vielleicht auch um die Gefühlswelt der Fotografin? Mag sein, dass solche dramatischen Fotos Gutes bewirken können, aber beruhigt das das eigene Gewissen?

bee sagt:

Heftig. Bewegend.

Ob solche Fotos gemacht werden sollten: Ich glaube schon.
Ob die Frau hätte helfen können: Ich glaube nicht.

Aber diese Situation, wo hübsche lachende Gesichter solch ein Foto küren, wo das Schicksal des Mädchens auf Bildaussage und Bildaufbau reduziert wird, die finde ich schon sehr befremdlich.

Steffen sagt:

Achso, Birgit muss ich aber auch recht geben, die Preisverleihung am Schluss ist eine Situation, in der man sich nach solch einem Erlebnis nicht wiederfinden möchte.

Peter Jakobs sagt:

@Steffen

der Film ist ja recht professionell produziert, leider konnte ich auf die Schnelle nicht herausfinden, wer dahinter steht. Jedenfalls scheint mir die Intention nicht zu sein, die Gefühlswelt der Fotografin zu zeigen. Sie wird im Feld recht kalt gezeigt und schiebt in der letzten Szene vor dem Foto offenbar ihre Bedenken beiseite, um das Bild zu bekommen. Später holt Ihr Gewissen sie ein. Daher sagte ich überspitzt.
Ich denke, James Nachtwey ist ein guter, realer Zeuge für die Motivation der Menschen, die uns solche erschreckenden Fotos liefern.
Wie Sam oben schon sagte: die einzigen Alternativen wären gewesen
a) zu versuchen, das Kind zu retten und dabei auch noch das eigene Leben zu gefährden und der Öffentlichkeit kein Bild zu liefern
b) die Augen zu schließen bzw. sich zurückzuziehen, der Welt kein Bild zu liefern. (Hat der Fotograf, der am Anfang abgeht der Welt und dem Mädchen einen besseren Dienst geleistet?)
c) den Konflikt mit dem eigenen Gewissen einzugehen, in der Hoffnung, daß die Welt hinsieht?

Nebenbei: das wesentlich stärkere Bild wäre das mit den Augen des Mädchens gewesen. Auch an der Auswahl des eigentlichen „Preis“ Fotos ist die Intention des Filmes zu sehen.

also: was rät uns der Film: Augen zu und wegsehen bei Konflikten? Bloß keine Bilder vom Leiden, denn das ist unethisch?

pj

Steffen sagt:

Die Kernaussage des Films lautet natürlich: „Eingreifen statt zuschauen“. Der Meinung bin ich auch.

Es stimmt aber Peter, dass wenn man die Situation genauer betrachtet, der gewählte Fall mit der Kriegsfotografin nicht so richtig passt. Ein Eingreifen wäre nur unter Gerfährdung des eigenen Lebens möglich, das Wegschauen nach dem Mord nicht richtig. Danke für den Denkanstoß, auch an Sam.

Peter Jakobs sagt:

Steffen und Birgit,

auch zur Preisverleihung bin ich nicht ganz der gleichen Meinung. Natürlich ist es unerträglich, wenn eine vollgefressene, fröhliche Partygesellschaft bei der Präsentation dieses Fotos jubelt. Aber: dies ist ein Film, nicht die Realität. Wie es in der Realität würdig und der Sache gerecht zugehen kann zeigt eben auch das TED Video mit James Nachtwey. Da steht ein Mensch, offensichtlich nicht an das Scheinwerferlicht gewohnt, und trägt sein Anliegen vor: ich zeige Euch Bilder von Problemen, die zu lösen Ihr alle mit aufgefordert seid.

Das hat nichts glorifizierendes, das ist ernüchternd und macht betroffen.

Der Kurzfilm hat eine klare Intention, und je mehr ich darüber nachdenke, desto fragwürdiger scheint mir diese.

pj

Steffen sagt:

Es ist erschreckend, wie sehr ein Film einen in der Wahrnehmung und dem Denken einschränken kann. Man betrachtet das gezeigte quasi als die Realität. Gut, dass du dich nochmal zu Wort gemeldet hast Peter!

Renee sagt:

es trifft – es berührt mich.

ich fragte mich beim schauen, wer hat das Foto eingereicht und vom wem wurde es gewählt?
das die fotografin rauslief, zeigt mir, dass sie völlig überfordert mit der gesamtsituation ist/war (wie auch immer) – es zeigt mir aber auch, dass andere entschieden haben.

wie Sam, denke ich auch, dass sie keine andere wahl hatte zum zeitpunkt des geschehen, es hätte aber im vorfeld bedenken können. was hat gelockt? was war ihre motivation? doch als einzelner etwas ändern können? als fotograf die unschuldigen retten?

Nicki sagt:

Die Kernaussage ist ganz klar. Meine Vorredner haben das schon gut beschrieben. Mir stellt sich die Frage: Wäre es nicht auch so passiert? Ohne Fotografin? Ein schmaler Grat den niemand beurteien kann – schlimm genug das solche Greul in der Realität tatsächlich vorkommt.

Nila sagt:

Ich bin im Moment einfach nur betroffen. Das muss erst mal sacken….

Aber hätte sie helfen können?! Eingreifen, ohne selber erschossen zu werde?!

Andreas sagt:

Harte Kost … ob es der Realität entspricht oder nicht.

Ich war am Wochenende erst bei der World Press Photo 09 Ausstellung in HH (http://www.worldpressphoto.org/). Ich habe mich dort auch gefragt, wie Fotografen mit solchen Szenen umgehen. Wie abgebrüht man sein muss oder wie viel man schon erlebt haben muss, damit das für einen „normal“ wird. Habe versucht mich da hinein zu versetzen. Unmöglich!

Andreas

Gunnar Ries sagt:

Eingreifen wäre vermutlich keine echte Alternative in dieser Situation. Es hätte nichts gebracht, wenn sich die Fotografin selber in Gefahr gebracht hätte. Wegsehen wäre sicher auch keine Alternative. Das einzige, was mich ein klitzekleines Bisschen stört, ist eigentlich die einzige Möglichkeit (neben der Aussage des Fotos), etwas zu ändern: Ein Portrait des Täters, damit er nicht nach der Tat wieder in die Anonymität abtauchen kann. Nur so hätte man zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit, ihn für seine Tat zur Rechenschaft zu ziehen.
Wirklich unerträglich fand ich aber die Szene mit der Preisverleihung. Nichts gegen einprägsame Fotos, auch von Kriegs- oder Krisengebieten. Aber wenn die Gewalt nur zur Bildkomposition dient, die Aussage also in den Hintergrund tritt, dreht sich mir der magen um. Ich kann die Reaktion der Fotografin gut verstehen.

Peter Jakobs sagt:

nur nochmal am Rande: es gab wohl kaum eine wirkungsvollere Waffe gegen den Vietnam Krieg als dieses Foto von Nik Ut: http://en.wikipedia.org/wiki/File:TrangBang.jpg

Er hat dafür den Pulitzer Preis gewonnen. Wie mag er sich gefühlt haben? Wie würden wir ihn und das Foto beurteilen? Im Licht dieses Kurzfilmes?

pj

Miracleworld sagt:

krasses Video. Es gibt sicherlich Fotografen, die alles tun würden, um an ein gutes Foto zu gelangen.

Die Frage ist wirklich, ob sie hätte helfen können und diese wird sie sich wohl auch ihr ganzes Leben lang stellen.

Obi sagt:

Habe Gänsehaut gehabt! Ein wirklich guter Kurzfilm.

Uwe Mayer sagt:

Ein beeindruckender Film. Lädt in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken ein.
Von den offensichtlichen Fragen oben (was hätte ich getan, Selbsterhalt vs. Courage, Realitätsnähe, darf man in so einer Situation fotografieren, edle Motivation vs. Medieninteresse) abgesehen – ich finde erstaunlich wie man in wenigen Minuten und ohne nennenswerte Worte so viel Emotion, Denkanstoss und betroffen-machen untergebracht hat.

Mit Bildern (ob bewegt oder Fotografien) bewegende Geschichten erzählen.
Alle Achtung, für mich ist das hohe Kunst.

Also erstmal habe ich mir auch die Frage gestellt, hätte, müsste sie in so einem Fall etwas tun? Aber schon bald war ich mir einig, es ist nicht die Aufgabe eines Reporters, Dokumentar-Fotografen, einzuschreiten. So hart das tönt und in der Realität ist, es geht darum, das geschehene zu dokumentieren, damit aufzurütteln und auf Misstände aufmerksam zu machen!

Es zeigt mir vielmehr, wie hart es ist, als Fotograf in Krisengebieten das ganze zu erleben! Ich glaube es ist unglaublich schwer, und ohne professionelle Hilfe kaum Möglich das ganze zu verarbeiten! Denn bei jedem Bild das der Fotograf wieder sieht, kommen die ganzen nackten Wahrheiten, die Geschichte die er da erlebt und gesehen hat wieder hoch.
Ich persönlich sehe ein solches Bild, z.B. im Katalog der World Press Photo 09, lese kurz den Zusammenhang, mache mir ein, zwei Gedanken und gehe zum nächsten Tagespunkt über. Aber ich glaube, dass das ein Fotograf der wirklich die ganze Geschichte rundum kennt, da nicht einfach so abschalten kann!

Nicht umsonst liest man immer wieder von Kriegsreportern, die psychisch erkrankt sind und deswegen nicht mehr arbeiten können!

manne sagt:

krasser film.
aber wer schon mal in einem drittweltland war, der kann die situation bischen besser beurteilen.
man kann einfach nicht allen helfen! das geht nicht!

trozdem bewegen mich die bilder.

Bernd sagt:

Eklig – einfach nur eklig, solches Zeug im Internet zu verbreiten wo auch Kinder und Jugendliche das ohne Zensur sehen können.

Peter Jakobs sagt:

@Bernd – das muß ein Scherz sein, bitte!

Anders ist Dein Posting nicht sinnvoll zu erklären.

pj

Sam sagt:

pj, findest du das etwa gut, das jedes Kind sich solche Videos im Netz ansehen kann? Vor allem auch Mädchen im Alter des Mädels im Film…

Ich stimme Bernd hier voll zu.

Steffen sagt:

Sam & Bernd ich gehe nicht davon aus, dass sich jedes Kind dieses Video im Netz ansehen kann. Gut ich gehe dabei z.B. von mir und meiner Tochter aus. Ich würde sie nicht alleine im Internet surfen lassen. Das gehört für mich genauso zu Aufsichtspfilcht (blödes Wort eigentlich), wie reglementieren des Fernsehprogramms oder was auch immer.

Martin Wolf sagt:

Also ich finde nicht, dass das Video eklig ist. Wenn der Vorgang des Ermordens drin wäre, sähe das schon wieder anders aus. Klar, es wird ein totes Mädchen gezeigt. Aber solche Bilder kommen ständig irgendwo vor.
Und ich muss Steffen recht geben. Wenn ein Mädchen das Video am Computer sieht und selbst in dem Alter ist, dann ist da was schiefgelaufen, bei den Eltern.

Sam sagt:

Sind wir wirklich alle schon so abgestumpft, dass wir nicht mehr erkennen, was für psychische Probleme wir bei Kindern mit solchen Filmen hervorrufen?

Die sichtbare Gewalt ist nicht das schlimmste – die Fantasie, grade bei Jugendlichen, kann sich den fehlenden Teil noch viel schrecklicher ausmalen als jedes Filmteam das zeigen würde.

Was fehlt, ist ein vernünftiges Verarbeiten. Klar, unter Aufsicht, mit jemand, mit dem man vernünftig drüber reden kann, mag das ok sein – wobei der Kopf ja erst viel später den Kram verarbeitet, den man da gesehen hat. Im ersten Moment scheint alles kein Problem, später kommen dann die fröhlichen Probleme.

Es läuft viel schief, heutzutage, weil die Eltern oft weder Zeit haben beizustehen, noch wirklich wissen wie. Trotzdem muss man das nicht gut finden.

Denn grade, dass ziemlich jeder sagt „wieso, sowas gibts doch überall“ ist echt daneben. Ich lauf doch auch nicht rum und erschiess Leute, weil „das ja überall sonst auf der Welt auch gemacht wird“.

Sam sagt:

Eine Frage fällt mir dazu noch ein:

Warum wird die Darstellung von sexueller Gewalt an Kindern verpönt und verfolgt, während die Darstellung von normaler Gewalt an Kindern scheinbar ja völlig ok ist? (in beiden Fällen unabhängig davon, ob diese Gewalt nun echt oder gespielt ist).

Was ich traurig finde, ist, dass die Allgemeinheit schon so abgestumpft ist, dass sie nicht mal mehr was schlimmes darin findet. Wie lange dauert es noch, bis ihr die zweite Form von Gewalt im Film auch ok findet? Was, wenn Kinder, die nicht so gut betreut werden, solche Gewaltszenen in der Schule mit euren Kindern „nachspielen“?

Mario sagt:

Also, ich glaube, hier hat niemand gesagt, dass die Darstellung von Gewalt ggü. Kindern okay ist. Und hier hat auch niemand vorgeschlagen, die Film als Lehrmaterial in allen vierten Klassen einzusetzen.
Die Diskussion verlässt das eigentliche Thema, hier geht’s ja jetzt mehr darum, ob so ein Film Kindern zugänglich gemacht werden sollte oder nicht. Ich bin da zwiegespalten, da ich selbst eine zehnjährige Tochter habe – deswegen war ich auch so erschüttert von diesem Film beim ersten Sehen.

Dieser Film ist ein Kurzfilm, der sicherlich nicht für Kinder gemacht ist. Er erklärt nicht lange das Drumherum, man benötigt ein gewisses Alter, um die beiden Zeitlinien auseinanderhalten zu können uund am Ende wieder zuammenzuführen. Die Frage ist also nicht, sollten Kinder diesen Film unbedingt sehen (Nein!) sondern funktioniert Jugendschutz im Internet. Und bei letzterem Punkt habe ich meine Zweifel, aber 100%igen Schutz gibt es nicht: Selbst, wenn ich zu Hause dafür sorgen kann, dass nur geeignete Inhalte konsumiert werden, kann ich bei einer Freundin nicht dafür garantieren. Und so war es schon immer. Auch in meiner Jugend.

Ich habe mir mit 12 Jahren „Bloodsport“ auf einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Videocassette angeschaut – der war auch nicht für uns gedacht, Dinge wie „Gesichter des Todes“. Alles, was verboten ist, wird für Kinder (und besonders Jugendliche) nur noch interessanter. Ich bin eher dafür, offensiv mit Themen umzugehen, als mittels Zensur künstliche Grenzen zu schaffen, die doch überwunden werden.

Und Sam, ich weiß nicht, wo Du aufgewachsen bist, aber wir haben viel nachgespielt. Und nicht nur gespielt, die GST hat uns sehr frühzeitig den Umgang mit Kleinkalibergewehren beigebracht. Und trotzdem ist nicht der ganze Osten zu Amokläufern mutiert.

Sam sagt:

@Mario, was die Zensur angeht, sind wir uns einig: das taugt nichts.

Mir geht es um den verantwortungsvollen Umgang des einzelnen. Darum, sich zu fragen, ob man solches Material wirklich weiter verbreiten will/muss. Ob das wirklich für irgendwas förderlich ist (zumal ja schon oben festgestellt wurde, dass der Film mit der Realität nur begrenzt viel zu tun hat).

Und was meine Jugend angeht, ich bin mit Gewaltfilmen, Waffen, Horrorfilmen, Ballerspielen aufgewachsen (1st Person Shooter hab ich später nachgeholt), und bin auch nicht Amok gelaufen.
Trotzdem, oder grade deswegen, bin ich zu meiner Meinung gekommen.

Klar holen sich Kinder das trotzdem, und ich finde es auch quatsch, diese Kanäle dicht zu machen, ich bin allerdings inzwischen sehr dagegen die Verbreitung von Gewalt so gedankenlos und selbstverständlich zu fördern, wie es mit solchen Filmen oder auch nur unseren Nachrichten so gerne gemacht wird.

Das Kinder sowas nachspielen finde ich dagegen sogar eher gut, denn das ist eine Form der Verarbeitung. Ich würde tausend mal eher den Film oben als Theaterstück mit Kindern befürworten, wo sie selber mitspielen, die Rollen kennenlernen, als die gedankenlose Verbreitung des Filmschnipsels.

Sam sagt:

Völlig vergessen: was das nachspielen angeht, als Gruppe, die zusammen spielt finde ich das gut.

Was ich in dem Kommentar davor mit „nachspielen“ meinte, war die Ausübung solcher Gewaltszenen auf jemand, ohne das die/derjenige eigentlich mit den Kindern spielen wollte. Also ein Nachmachen, kein echtes Spielen mehr.

Mario sagt:

Ich denke, wir sind gar nicht so weit weg voneinander. 😉

Peter Jakobs sagt:

puh, Sam, das ist jetzt ganz starker Tobak.

Wo fange ich an?

Vielleicht bei dem Gewaltbild, das unsere Gesellschaft hat.

Wir werden tagtäglich von Gewalt überhäuft. Gewalt in der Realität und, noch viel mehr, Gewalt zur Unterhaltung. Das fängt bei archaischen Sportarten wie dem Boxen an und endet für den Normalverbraucher mit Actionfilmen und Computerspielen. Über diese ganze Palette hinweg wird Gewalt glorifiziert, wer tötet (bzw. k.o. haut) gewinnt. Gerade die Spiele und Actionfilme haben in den vergangenen 10 Jahren eine massive Entwicklung weg vom Inhalt hin zu mehr und mehr Special Effects genommen, wodurch wir heute manchmal schon lesen können „der Inhalt des Filmes ist flach, aber die Special Effects machen einen Kinobesuch allemal zum Erlebnis“. Gut, zugegeben, da fließt nur selten echtes Filmblut, häufiger wird explodiert und niedergebrannt, aber der Inhalt bleibt der gleiche: Gewalt führt zum Erfolg.
Gerade junge Menschen lieben solche Filme, denn sie sind einfach zu verstehen: es gibt Gute und Böse, und nach einer Prügelei oder Schlacht ist sehr klar, wer gewonnen hat. Keine Psychospielchen, die für Kinder schwer zu durchschauen sind.

Werden alle Heranwachsenden deshalb zu Gewalttätern? Offenbar nicht, sonst gäbe es keine Liebe mehr und wir wären vermutlich schon ausgestorben. Aber: für die Borderline Cases scheint Gewalt in manchen Fällen ein probates Mittel zu sein, und so kommt es dann wohl, daß der ein oder andere seinen Lieblingsfilm oder sein Lieblingsspiel in die Realität trägt, von der er sich schlecht behandelt fühlt.

Da ist aber in der Regel die medial erlernte Gewalt nicht Ursache oder Anlass sondern lediglich Vorbild für die Handlung. Ursachen liegen weit früher, in mangelnder sozialer Kompetenz des Täters und vermutlich auch seines direkten Umfeldes (denn ersteres hat häufig seinen Grund in letzterem).

Was hat dieser Kurzfilm damit zu tun? In meinen Augen nichts. Ich bin mit seinen Motiven nicht 100% einverstanden, denn er kommt m.E.n. zu einem falschen moralischen Schluß, aber eines tut er ganz sicher nicht: er glorifiziert nicht Gewalt. Ganz im Gegenteil!

Ich würde diesen Film sogar als durchaus geeignete Diskussionsgrundlage mit einem Heranwachsenden sehen. Die Frage die aufgeworfen wird muß sich jeder Mensch früher oder später stellen: greife ich ein und gefährde mich oder sehe ich zu? In abgemilderter Form nennt man das später Zivilcourage.

Daß die Bilder erschreckend sind ist wahr, aber: es gibt nunmal viele Ecken in unsrer Welt, die weniger schön sind als ein gut gepflegter Vorgarten hinter’m Jägerzaun und davor die Augen zu schließen wäre weder fair noch sicher noch intelligent.

Würde ich ein Kind diesen Film unbegleitet ansehen lassen? Natürlich nicht! Die Frage, die er aufwirft dürfte in den allermeisten Fällen weit außerhalb der Wahrnehmungswelt eines/einer unter 14-jährigen liegen, hier sind Erwachsene gefragt, die Handlung zu erläutern und die Optionen darzulegen um auf das Dilemma hinzuweisen (und wenn Du die Diskussion oben verfolgst sind sich selbst die Erwachsenen in der Beurteilung der Situation völlig uneins!). Die Beschäftigung mit dieser Situation, die in unsrer Welt *täglich* vorkommt ist für jeden von uns wichtig.

Kinder im Grundschulalter sind solchen Situationen ausgesetzt. In jeder Klasse gibt es „das Opfer“, und „die Täter“. Die Frage für die Anderen ist: wegsehen und das Opfer seinem Schicksal überlassen oder eintreten, und damit auch selbst etwas zu riskieren. Wozu möchtest Du Deine Kinder erziehen? Mein Tip: Menschen, die wegsehen gibt es beileibe genug auf der Welt!

Der zweite Punkt, der mir dazu einfällt ist die Frage, was denn bei Kinder seelisches Leiden erzeugt.

Ich will dazu zwei Dinge aus meiner Kindheit darlegen:

1. war ich, an der Grundschule, eine Zeitlang „das Opfer“. Jeden aber auch wirklich jeden Tag musste ich mich mit einer kleinen Clicque „Klassenkameraden“ auf dem Schulhof prügeln. Die meisten meiner anderen Mitschüler wussten das, sie haben weggesehen. Ich hatte oft Blessuren, ich hatte manchmal Angst, von der Schule nach Hause zu gehen, aber ich musste irgendwie durch, und so habe ich damals halt lernen müssen, mich, im wahrsten Sinne des Wortes, alleine durchzuschlagen. Ich bin dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, ein Mensch geworden, der Gewalt sogar als letztes Mittel verachtet.

2. erinnere ich mich überdeutlich an zwei Filme, die mich damals weit mehr verletzt haben als die tägliche Prügelei: Cap und Capper sowie Yellow. Beide aus dem Zentrum der Kinderunterhaltung: Disney. Ausgewiesene Kinderfilme, und doch, für Kinder, grausamer als alles, was der Alltag damals zu bieten hatte.
Warum? Der Tod ist für Kinder häufig ein abstraktes Konzept, sie können ihn nicht begreifen (können wir Erwachsenen das? Wie oft müssen wir uns denken „er/sie kommt nicht wieder“ bis wir endlich realisieren, was geschehen ist).
Diese beiden Filme sind mir besonders bitter in Erinnerung geblieben, weil etwas endgültig verloren ging, was für Kinder das mit Abstand Wichtigste ist: Liebe, eine Liebevolle Beziehung, Halt. DAS begreift schon ein vierjähriges Kind! DARUNTER leiden Kinder. Natürlich, auch der Umgang mit diesem Gefühl muß erlernt und vermutlich auch trainiert werden, denn früher oder später trifft auch das uns alle, aber: Wenn Du Kinder vor seelischem Leid schützen willst, dann schütze sie nicht vor mehr oder weniger abstrakten Darstellung physischer Grausamkeit, sondern vor solcher emotionaler Grausamkeit!

Zuletzt zum Thema Zensur, das gerade ja sehr aktuell ist.

Du fragst, warum solch ein Film nicht zensiert ist.

Die Antwort ist einfach: wir leben in einer Gesellschaft, die großen Wert auf persönliche Freiheit legt. Persönliche Freiheit kommt aber niemals ohne persönliche Verantwortung.
Möchtest Du die Verantwortung für die Erziehung Deiner Kinder wirklich in fremde Hände legen? Möchtest Du, daß „irgendjemand“ entscheidet, was Deine Kinder sehen dürfen, und was nicht? Warum entscheidest Du das nicht selbst? Hast Du keine Zeit dazu?
Anhand welcher Kriterien soll denn dieser „irgendjemand“ entscheiden, was Deinen Kindern zuzumuten ist?
Es gibt einen relativ großen gesellschaftlichen Konsens der sich z.B. in den Regeln des Jugendschutzes ausdrückt.
Es gibt aber eine Menge Menschen, die völlig andere bzw. weit darüber hinausgehende Schutzbedürfnisse sehen. Ich weiß nicht, wie Deine weltanschauliche Orientierung ist, aber kannst Du Dir vorstellen, daß es Gruppen gibt, deren Zensurwünsche weit jenseits dessen liegen, was Du für angemessen erachtest? Mir geht es im Moment z.B. mit Deinem Wunsch so. Ich möchte nicht, daß mir oder wem auch sonst der Zugriff auf einen Film wie diesen verwehrt wird, denn ich halte ihn, wie schon gesagt, für einen wichtigen Diskussionspunkt, auch wenn ich offenbar zu einem anderen Schluß komme, als die Autoren.
Ich muß aber dafür die Verantwortung übernehmen, daß ich Kinder mit dem gesehenen nicht alleine lassen, und dazu bin ich gerne bereit, mehr noch: ich würde, im richtigen Alter, die Möglichkeit begrüßen, diese Fragestellung mit Kindern zu diskutieren.
Wer nach Zensur ruft sagt damit in meinen Augen immer, daß er mit der Situation überfordert ist. Ob das nun die Mediensituation ist (ich kenne mich im Internet / mit den technischen Mitteln nicht hinreichend aus) oder die soziale Situation (ich weiß nicht, wie ich mit meinen Kindern darüber reden soll) kann ich nicht entscheiden. Ich weiß lediglich, daß beide Probleme nicht durch Zensur gelöst werden können und daß es für beide Probleme kompetente Ansprechpartner gibt.

Ich bin in den 70er Jahren zur Grundschule gegangen. Oswald Kolle revolutionierte damals die Republik mit seinen noch sehr schamhaften Versuchen, die Sexualität aus der dunklen Ecke zu holen. Ein offenes Gespräch mit den Eltern? Undenkbar! Sexualität war für uns damals ein großes Tabu. Ja glaubst Du, wir hätten nichts davon gewusst? Glaubst Du wirklich, man kann Lernmaschinen (und nichts anderes sind Kinder, neugierig im Extrem) irgendetwas vorenthalten? Glaubst Du nicht, daß Stellwände eher die Neugierde anheizen und ein Thema interessant machen?

Zensur ist immer schlechter als offener Umgang mit einem Thema, denn: wenn etwas zensiert ist, dann ahnen wir, daß es einen Grund dafür geben muß, daß es uns vorenthalten wird, und zumindest den wollen wir herausfinden.

So, das war jetzt mein längstes Forenposting seit sehr sehr langer Zeit, aber das musste raus.

Danke für die Aufmerksamkeit

pj

Bernd sagt:

Ich meinte mit meinem kurzem Statement eigentlich nicht nur Kinder, sondern jedes menschliche Wesen jeden Alters. Das Filmchen. kurz oder lang, ist allerübelster Sensationsjournalismus. Solches hat noch nicht mal „Bild“ in seiner bluttriefensten Ausgabe fertig gebracht. Jeder der solches verbreitet sollte sich schämen und nicht irgendwelche Argumente für das ZEIGEN hervorkramen.

Peter Jakobs sagt:

Sorry, Bernd, hast Du den Film überhaupt gesehen?
Der Film hat mit Journalismus nichts zu tun, er setzt sich lediglich mit der moralischen Fragestellung im Krisenjournalismus auseinander.

pj

Sam sagt:

@PJ,

Ich glaube du verstehst mich in ein paar Punkten falsch.

Das meiste sehe ich genauso wie Du: Seelisch/Emotionale Grausamkeit ist viel nachhaltiger als Blut und Splatter, und da findet man auch bei Disney mehr als genug.
Das gehört aber zum Leben dazu, davor will ich auch niemand ‚beschützen‘, mein Wunsch wäre ein sinnvollerer Umgang damit: nämlich Kinder mit passendem Material und Begleitung an diese Themen heran zuführen.
Statdessen werden diese Themen wie Gewalt gemieden, nicht drüber geredet, zensiert, als gäbe es sie nicht, was zur Folge hat, dass die Kinder und Jugendlichen dann völlig unvorbereitet und üblicherweise ohne Begleitung eben über solche Filme (oder auch Disney) mit diesen Themen konfrontiert werden, und alleine damit klarkommen müssen, weil sich für diese Themen ja nie ein Ansprechpartner gezeigt hat.

Dazu bin ich ein absoluter Gegner der Zensur. Ich finde solche Filme höchst überflüssig (außer um vielleicht werdende Krisenreporter auf ihren Job vorzubereiten), aber die gibt es halt, Zensur wäre der falsche Weg.
Mir geht es darum, das solche Filme einem einzelnen mit passender Begleitung gezeigt werden sollten, wenn überhaupt, damit es einen Umgang damit gibt.
Und daher frage ich mich, was für einen Sinn es haben soll, das Rajue es hier ohne weitere Info weiter verbreitet. Wozu bitte soll das gut sein? Wem soll das irgendwas bringen?
Außer, wie Bernd es schon sagt, Sensationsmache der übelsten Sorte: „hey, hier gibts splatter, kommt alle gucken“.

Ich rufe definitiv nicht nach Zensur, ich halte deine Idee, solche Filme mit Kindern zu diskutieren für gut und Lobenswert und würde das sofort unterstützen. Und genau darum würde ich den Film nicht verlinken, sondern wenn dann mit jemand zusammen ansehen, um dann darüber zu sprechen. Dieses blinde verlinken nach dem Motto „es wird schon niemand falsches (zu junges) auf meinen Seiten gucken“, das finde ich verkehrt.

Und PJ, das der Film mit Krisenjournalismus nicht so viel zu tun hat, das haben wir doch oben schon festgestellt. Er ist wirklich eher Sensationsmache.

Steffen sagt:

Sam, welche Infos fehlen dir denn in dem Text zum Film und welche Sätze empfindest du als Sensationsmache?

Bernd sagt:

Was für Leute schickt man in Krisengebiete zum berichten: Bäcker, Schuster oder Journalisten? Gesehen habe ich ihn auch, sonst könnte ich mich nicht so sehr darüber aufspulen.

Mario sagt:

Keine Frage, der Film ist nicht FSK6, das hatten wir schon durch. Aber …

Ich kann diese Splattervorwürfe und auch den Jounalismusvorwurf nicht nachvollziehen:
Dieser Film ist kein Dokumentarfilm. Er handelt von Journalismus, ist aber kein Journalismus. Es ist und bleibt ein Film – und kein dokumentarischer (hoffe ich mal). Oder ist Terminator 3 jetzt eine verfilmte Doktorarbeit zum Thema „Androidenerkennung“?

Und Splatter – wo war in diesem Film Splatter zu sehen? Das ist kein Splatter, nicht mal mit viel gutem Willen!

Ihr regt euch hier über einen Film auf, der ein vermutlich fiktives Szeanario beschreibt. Leider ist er damit aber sehr viel dichter am Geschehen als den meisten von uns lieb ist. Oder wie, denkt ihr, enstehen solche Bilder?
http://www.flaremag.de/texte/2008/04/myanmar-foto-gewinnt-pulitzer-preis/

Der Mann, der dort auf dem Boden liegt, war kurze Zeit später tot. Ist das jetzt Sensationsjournalismus? Oder vielleicht doch die unangenehme Verdeutlichung schlimmster Zustände?
Der Mensch ist nun einmal abgestumpft. Gegenüber einigen anderen Regionen auf dieser Welt leben wir förmlich im Paradies! Und gerade dann sind manchmal klare Worte, oder in diesem Fall eben klare Bilder notwendig um aufzurütteln. Das muss nicht jedem gefallen. Mir auch nicht immer.

Ich denke, das war meine letzte Meinungsäußerung zu dem Thema hier. Der Film entzweit die Gemüter. Das macht ihn mir nicht unsympathisch.

Sam sagt:

Dieser Kommentar ist betont heftig, da es ja scheinbar sonst keiner versteht:

Steffen, Ich würde eher zurück fragen, findest du „guckt ihn euch in einer ruhigen Minute an“ wirklich ausreichend als Vorbereitung bzw. Begleitung zu dem Video?

Wie gesagt bin ich der Meinung, das so ein Film eh nicht einfach ohne Begleitung gezeigt werden sollte, und ich würde ihn auch nicht verlinken.
Was meinst du, wie viele Schüler googeln heutzutage ihre Mitschüler oder deren Eltern? Hältst du Fragen von (zukünftigen) Mitschülern wie „Hey, dein Papa zeigte einen Film wo ein Mädchen erschossen wird und eine Frau zusieht und ihm nicht hilft“ wirklich für gut?

Und auch anders: ich hab in meinem Umfeld einige Kids die sich fürs fotografieren begeistern – kann ich denen wirklich noch guten Gewissens Webseiten empfehlen, wenn ich damit rechnen muss, dass sie dort solche Filme vorgesetzt bekommen, mit dem einzigen Satz dazu „guck das mal in einer ruhigen Minute“?

Und dazu: wofür? Bist du wirklich der Meinung, dass man aus diesem Stück Film irgend etwas sinnvolles, nützliches lernen könnte?

Ne, sorry, je mehr ich drüber nachdenke, desto sinnloser finde ich das Teil und das zugehörige Werbetheater (Twitter „hey Leute, guckt auf mein Blog, hier wird gestritten“). Und genau das hat es mit Sensationsjournalismus gemeinsam: Es geht um Aufmerksamkeit.

Mehr und mehr frage ich mich, warum Du diesen Film veröffentlicht hast. Um was es dir geht. Aufmerksamkeit? Je mehr Leute sich in meinem Blog aufregen, desto beliebter bin ich?

Und da es bei den meisten ja noch nicht angekommen scheint: ich rege mich nicht (nur) über den Film auf, sondern über Dich. Darüber, dass Du diesen Film toll und zeigenswert findest, und dir null Gedanken darüber machst, wen Du ihm damit ohne Vorwarnung zeigst. Weißt du denn wirklich so genau, wer dein Blog liest? Ob da nicht Kinder oder andere bei sind, für die das Video nicht geeignet ist?
Und diese Gedankenlosigkeit, dieses „alle anderen zeigens doch auch“, das finde ich daneben.

Und das was ich hier mache, dass ist im übrigen genau das, was einige hier von der Fotografin gefordert haben: Zivilcourage. Sagen, dass ich das scheiße finde, statt wegzusehen, weil ich ja eh nichts ändern kann, weil es ja alle machen, und weil mein Kommentar eh nichts ändert.
Aber hier ist diese Zivilcourage natürlich fehl am Platze. Denn hier wird ja niemand erschossen. Nur vielleicht jemand ein Traumata verpasst. Aber hey, der war dann ja eh schon labil. Oder hätte sich das woanders geholt.

Und genau darum hat auch keiner mehr Zivilcourage: weil niemand das will. Keiner mag es, wenn sich jemand einmischt. Egal ob da jemand auf dem Schulhof gemobbt wird, oder jemand beim erschiessen im Krieg stört, oder ob jemand unliebsam seine Meinung zu etwas sagt. Für dich ist das zeigen von sowas hier genauso wenig schlimm wie für den Soldat, jemand zu erschiessen. Für dich ein riesen Unterschied. Für mich nicht. Beides verletzt Menschen, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen.

Wie vorgewarnt, der Kommentar ist übertrieben – mir liegt dieses Thema der Verantwortungslosigkeit für die Folgen seines Handelns wohl etwas zu sehr am Herzen. Wird wohl daran liegen, dass ich in meinem Umfeld sehr viele Therapeuten habe, und daher immer wieder mitbekomme, wie sehr solche „Kleinigkeiten“ manche Menschen aus der Bahn werfen können.

Steffen sagt:

Sam: Komisch ich finde diesen Kommentar nicht so heftig, im Vergleich zu den anderen. Und, wahrscheinlich auch weil er so ausführlich ist, komme ich ein wenig dahinter, wieso du bei dem Thema so extrem empfindlich reagierst. Es tut mirl leid, wenn du dich durch mein Verhalten verletzt gefühlt hast. Ich schätze dich als Person und Fotografen und denke dass du sicher mehr Lebenserfahrungen hast als ich und man von dir noch ne Menge Sachen lernen kann.

Hier auf lens-flare.de blogge ich über meine Erfahrungen mit dem Thema Fotografie. Da ich mich selber noch nicht lange mit dem Thema beschäftige, schätze ich den Erfahrungsaustausch mit anderen Fotografen, welche hier mitlesen sehr. Auch durch das Hinweisen auf dieses Video, egal ob dies nun gut oder schlecht ist, habe ich eine Menge hinzugelernt. Und genau aus diesem Grund möchte ich mich auch nur ungern in den Themen einschränken. Dies würde für mich auch eine Art von Zensur bedeuten. Versteh mich jetzt nicht falsch, aber wenn ich diesen Film nicht zeige, weil die Gefahr besteht, dass er jemanden traumatisiert, dann dürfte vielleicht auch keine Wodkaflasche fotografieren, da ein Alkoholiker wieder zu trinken anfangen könnte. Es scheint mir quasi unmöglich auf alle Rücksicht zu nehmen. Dafür kenne ich die Besucher meiner Webseite halt auch viel zu wenig, wie du selber festgestellt hast. Ich würde aber sagen, dass ich hier inhaltlich nicht aus dem Rahmen falle.

Ich habe überlegt den Text vor dem Video zu erweitern, um darauf ausmerksam zu machen was in dem Video gezeigt wird. Ist aber damit gefährdeten Personen, es müssen ja nicht immer Kinder sein, gedient? Du hattest ja auf meine letzte Frage auch keine richtige Antwort parat …

Doch was ist denn nun die richtige Lösung, wenn eine Zensur nichts bringt? Ich bin da immer noch der selben Meinung. Die Eltern sind in der Pflicht, ihr Kind zu beaufsichtigen, ihre Gehversuche im Internet zu begleiten und vor allem mit ihnen über die erlebten Sachen, egal ob Internet, Fernsehen, Radio, Video, Magazin oder was auch immer zu reden und als Freund und Berater zur Seite zu stehen. So sollten Krankheitssymptome der Kindern auch nicht erst dem Therapeuten auffallen. Darin sehe ich meine Verantwortung viel mehr, als dass ich den Inhalt meines Blogs aufs Strengste reglementiere.

Ich habe Verständnis dafür, wenn du meinen Blog an fotografierende Jugendliche nicht weiterempfiehlst. Aber sei dir bewusst, dass du ihnen auch nicht dazu raten solltest die Suche von Google zu benutzen. Und youtube ebensowenig. Nee mal ganz ehrlich, es geht hier nicht darum, dass ich das machen kann, wenn das auch andere machen. Wenn du deine Forderung konsequent weiterdenkst, müsstest du Kindern das Internet verbieten, da dort noch viel größere Gefahren für sie erreichbar sind, als lens-flare.de.

Sam sagt:

Ich scheine mich vorher wirklich nicht sehr klar ausgedrückt zu haben, und war dann etwas genervt, weil keiner meine Sichtweise verstand, das tut mir leid – ist (m)ein typisches Problem, wenn ich in einem Thema so sehr drin stecke, dass für mich die Zusammenhänge mehr als sonnenklar sind. Anderen gehts halt nicht so, das fällt mir dann schwer die Anknüpfungspunkte dazu zu finden.

Was die Empfehlung für Jugendliche (und andere labile Personen (muss man das jetzt echt jedes Mal dazu schreiben? Wir wissen doch, was für Leute gemeint sind)) angeht: ich halte es für einen Unterschied, ob man etwas findet, weil man danach sucht, oder ob man unvorbereitet über etwas stolpert.
Klar haben wir früher Horrorfilme geguckt, aber nie alleine, sondern immer als Gruppe. Und man wusste vorher, was man da gucken wollte, stellte sich, zumindest unbewusst, anders darauf ein, als wenn man etwas guckt, ohne vorher zu wissen, was auf einen zukommt.
Und das sehe ich mit dem Internet ähnlich: klar findet man gruseliges Zeugs, aber es ist ein Unterschied, ob man danach sucht, oder zumindest eine Ahnung hat, was auf einen zukommt, oder ob man in einem harmlosen Zusammenhang davon überrascht wird.

Ich würde vor so einem Film zumindest anmerken, dass er heftig ist und Gewalt enthält, damit man sich ein wenig darauf einstellen, oder sich entscheiden kann, ihn nicht zu sehen (ich hätte ihn dann vermutlich gar nicht erst geguckt, weil ich in Gewalt(darstellung) keinen Sinn mehr sehe).

Die Verantwortung für das, was wir in die Welt tragen, einfach abzuschieben an andere „da sind deren Eltern für verantwortlich“, ist etwas, was mich an dieser Welt stört. Jeder einzelne tut so, als wäre nicht er verantwortlich für das, was er in die Welt trägt, sondern andere sind dafür Verantwortlich, was sie sich antun (oder ihre Eltern sich ihnen antun lassen).

Dieses Abschieben der Verantwortung für das eigene tun auf alle anderen finde ich unschön.

Was mich interessieren würde: was hast Du aus dem Film und der Diskussion sinnvolles über die Fotografie dazugelernt?

Steffen sagt:

Ok, ich habe einen entsprechenden Hinweis eingefügt.

Peter Jakobs sagt:

Sam,

ich bin da jetzt mal ganz frei:

wer aus dieser Diskussion nichts Sinnvolles mitnimmt, der will ganz einfach nicht.

pj

wenn ich solche bilder sehe,
wenn ich mir die situationen vergegenwärtige,
wenn ich anfange darüber nachzudenken warum,
wenn ich sehe und erlebe das es noch heute an vielen stellen in dieser
UNSERER welt so abgeht,

dann weis ich,
das ich gar nicht so viel fressen kann, wie ich kotzen möchte
über diesen irrsinn
über die vielen kleinen und grossen „führer“ und hetzer und und und…

Ein sehr kluger, ein sehr einprägsamer film!!!

Danke

Sam sagt:

PJ, aus der Diskussion kann man sinnvolles mitnehmen, da stimme ich dir zu.

Aber was kann man aus dem Film selber sinnvolles mitnehmen? Außer, dass er zu einer Diskussion anregt?

Nebenher, wer den Film gut findet, für den ist vielleicht auch der Film „Die Stadt Gottes“/“City of god“ sehenswert – es ist die Biographie eines Fotografen, der in den Slums aufgewachsen ist, und dank des Kontaktes zu den lokalen Banden Fotos von diesen machen konnte, mit denen er dann irgendwann Arbeit als Fotograf bekam.

Es handelt sich dabei um eine Wahre Geschichte, die dadurch und durch die Länge um einiges heftiger ist als der Kurzfilm – ich hab lange gebraucht um die Bilder und die Story zu verarbeiten, aber er ist verdammt gut gemacht und geht ziemlich unter die Haut – wer sich also noch mehr Gewalt reinziehen will, sollte sich den anschauen.

Steffen sagt:

Ich denke das hier keiner nach Filmen explitzit sucht, die Gewalt als Inhalt haben.

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