21.05.2010 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Über die Begegnung mit einem knallroten Insekt

Seit dem ich mein 105mm Makro-Objektiv habe, habe ich immer ein Auge unbewusst auf die Insektenwelt. Meinen gestrigen Fund hätte ich allerdings nur schwer übersehen können. Auf einem kräftig grünen Grasbüschel saß ein feuerroter Käfer. Er war nicht „nur“ rot. Nein er glänzte auch noch wie frisch lackiert. Ein herrlicher Anblick. Wenn seine Art noch keinen Namen hätte, würde Ferrari Käfer perfekt passem. Aber das nur am Rande.



Natürlich war mein erster Gedanke: Ich muss meine Kamera holen. Schnell flitzte ich in mein Hobbystudio und schnappte die DSLR samt Makro, Kabelfernauslöser und Stativ. Als ich wieder in den Garten ging, fürchtete ich, dass mein Model mittlerweile abgehauen sein könnte. Meist hat man ja so ein Glück. Aber nein. Er war noch da. Ich wusste schon genau wie das Foto aussehen sollte. Der Käfer sitzt am Ende eines langen und durch sein Gewicht gebogenen Grashalms. Das Gras dahinter wird vom Bokeh verschluckt. Der Fokus liegt auf dem Kopf des Käfers. Das Bild wird vom frischem Grün dominiert, das Insekt zieht durch das Rot die Aufmerksamkeit auf sich. Ich versuche die Sonne noch etwas mit einzubeziehen. Bin vom Glück verfolgt, denn durch einen glücklichen Umstand entstehen noch ein paar wunderschöne Lens Flares über dem unscharfen Teil des Fotos, wie das Display verrät. Ein letztes Mal die Schärfe kontrolliert, den Daumen gekrümmt und … Klick. Wahnsinn!

Und jetzt wollt ihr ein Foto sehen nicht wahr? Mmmhhh. Hab aber nix zum zeigen. Warum? Ich habe mich gegen das Foto entschieden. Wieso? Ich hätte schon gern die Kamera geholt. Aber ich war grad beim Rasen mähen und wollte fertig werden. Es war schon nicht mehr richtig hell und ich war mir sicher, dass die Aufnahme nie so geworden wäre, wie ich sie mir im letzten Absatz mit viel Fantasie ausgemalt hatte. Es wäre doch zu schade gewesen diese Illusion mit einem mittelmäßigen Bild zu zerstören.  So bin  ich mit dem Rasen fertig geworden und habe noch das tolle Foto im Kopf. Irgendwann kommt der Zeitpunkt diese Aufnahme zu machen. Und dann zeige ich sie euch. Versprochen!

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Kategorie: Fotografie

Kommentare

Julian sagt:

ich musste sehr lachen, gegen Ende dieses Artikels

Und finde Du hast alles richtig gemacht (zumindest hätte ich wohl das gleiche gemacht), wobei neugierig wie es ausgesehen hätte bin ich ja schon 🙂

Thomas sagt:

Boaahh, das is ja gemein, da wird man langsam aber sicher zu nem Foto hingeführt und dann zack, nein es gibt noch keins 😉 Du hast es aber so gut beschrieben, das ich es auch schon vor mir gesehen habe !

Josef sagt:

🙂
Geniale Idee. Ein Making-Of ohne Ergebnis, weil es nur in deiner Fantasie existiert. Aber die Theorie scheint ja schon ganz gut zu funktionieren. Jetzt musst du das ganze aber noch in die Praxis umsetzen, nachdem du uns den Mund so wässrig gemacht hast.
Zumindest bist du mit dem Rasenmähen fertig geworden. In diesen Tagen muss man jeden trocknen Moment nutzen.
LG Josef

jens sagt:

hehe sauber. gefällt mir. ich habe jetzt auch das foto im kopf. gute arbeit. 😉

Och mennooooo, ich hätte das Bild jetzt auch gern gesehen… 😛
Aber wirklich toll beschrieben, kann’s mir auch gut vorstellen.

…trotzdem gemein… 😀

LG

Herr Olsen sagt:

Full ack.
Mit der Erfahrung kommt auch das Gefühl dafür, wann man den Auslöser gar nicht erst zu drücken braucht.
In diesem Fall sagen deine Worte wohl mehr als das Bild – ganz entgegen der entsprechenden Binsenweisheit.

Ratze sagt:

hahahah … ja, so ähnlich erging es mir schon mehrmals, wenn auch nicht unbedingt mit Käfern. Ich fahre morgens immer mit dem Fahrrad zum Bahnhof und komme nun schon seit Jahren an einer Stelle vorbei, die ich schon seit mindestens 2 Jahren fotografieren will. Und auch ich habe meine Fotos schon seit einiger Zeit … ganz deutlich und klar …im Kopf … 🙂
Aber ich bin mir sicher, auch in Deinem Falle, irgendwann haben wir es auch auf dem Sensor!

Andreas sagt:

😀 😀 😀 bei so einer detaillierten Beschreibung braucht man kein Bild mehr. 😉 Hier passt der Spruch „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ nicht, es ist genau der umgekehrte Fall. Schön umschrieben, das Bild habe ich immer noch vor dem geistigen Auge.

Gruß
Andreas

Josef sagt:

Ich glaube ich verkaufe meine Ausrüstung. Die Fantasie ist viel besser!!! 🙂

Dario sagt:

Du lieferst uns einen Film und ein Bild ohne etwas zu zeigen, cool 🙂

Deine Reaktion, nicht auf den Fotoimpuls zu reagieren schützt Dich davor, vor lauter Fotos das „wahre Leben“ zu verpassen. Manchmal gelingt mir dies in schönen Momenten und manchmal bleibt am Schluss ein mittelmässiges Foto übrig anstatt dass ich den Moment geniesse…

Marcel sagt:

Haha! Sehr genialer Bericht! Ich musste gerade gut lachen. Jedenfalls hast du den Rasen fertig bekommen 😉

Jan sagt:

Hahahaha großartig!

Aaron sagt:

Hihi, ganz großes Kopfkino! (:

Steffen sagt:

Freut mich, dass ich mein Fantasiefoto in eure Köpfe projezieren konnte. Vielleicht sollten wir das öfter machen 🙂

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