17.06.2011 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Glanzlichter in tiefster Dunkelheit

Es ist kurz nach zehn. Die Zuschauer sind im Dämmerlicht kaum auszumachen. Dann fängt es auch noch zu regnen an. Nur der Reitplatz ist von Licht überflutet. So geschehen am vergangenen Wochenende, als ich mich das erste Mal am Springreiten der Klasse S** versuchen durfte. Vier Hundertstel entscheiden später an diesem Abend den Großen Preis. Aber das interessiert mich erst hinterher. Vorher geht es darum, Pferd, Reiter und Flutlicht so kreativ wie möglich auf ein Bild zu bannen, anstatt der Veranstaltung – so hat es die Konkurrenz gemacht – ganz fern zu bleiben und erst am nächsten Tag ein Siegerfoto zu machen.



Wie also fotografieren bei Dunkelheit, ohne Stativ mit einem Tele an der Kamera? Genau, die Ellbogen in die Seite hauen und sich an Mitziehern versuchen, Mehrfachbelichtungen machen und die Paare in Aktion festhalten. Wie die folgenden Fotos zeigen, ist mir das mal mehr und mal weniger gut gelungen. Vor allem die Mitzieher beim Sprung stellten eine große Herausforderung dar. Denn vor dem Hindernis reiten die Paare ganz normal an, kurz vor dem Absprung geht ein Ruck durch Pferd und Reiter, bis schließlich mit aller Kraft der Rücken gewölbt und in einer bogenförmigen Linie über die Wälle gesprungen wird. Da verändert sich das Tempo schlagartig. Das erfordert viel Übung, die mir noch fehlt.



Einfacher waren da die Mehrfachbelichtungen zu realisieren, auch wenn ich mich mit jeder Auslösung natürlich ein bisschen bewegt und dadurch das Gesamtbild verschoben habe. Aber es ist interessant, die Bewegungsabläufe zu dokumentieren. Einmal habe ich es mit acht Bildern in der Sekunde probiert, dann mit der Hälfte, bevor sich drei Bilder als pro Sekunde als gutes Maß herausgestellt haben, um nur Absprung, Flug und Landung aufs Foto zu bekommen.


Ganz „normale“ Fotos sind nebenbei natürlich auch herausgekommen. Wie sagte ein Mitbewerber vor kurzem, als ich mal wieder einen neuen Blickwinkel versuchen wollte: „Ich brauche aber ein normales Foto.“ Schon klar, die muss es auch geben. Bei Dunkelheit sind die natürlich schwieriger hinzubekommen als am Tag. Also die Empfindlichkeit hochdrehen – Rauschen gibt es bei den Fotos nicht, das ist der umherfliegende Sand 😉 – und sich schöne Positionen aussuchen.

Was ich mit diesem Beitrag eigentlich sagen will: Glanzlichter in tiefster Dunkelheit leuchten nur auf, wenn man immer mal wieder etwas Neues versucht, gewohnte Blickwinkel anders betrachtet und sich Gedanken über seine Motive macht. Mir ist das nicht perfekt gelungen, aber was zählt, ist der Versuch. Und wenn der dann auch noch gedruckt wird, hebt man sich wieder ein Mal von der Konkurrenz ab.

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Kategorie: Fotogeschichten

Kommentare

Matthias sagt:

Puuh, kann ich mir vorstellen, keine einfache Lichtsituation. Hast Du aber toll umgesetzt.
Bild 1 und 4 sind meine Favoriten.

Bianca sagt:

Bild 1 find ich absolut toll! Das ist so ein Knallerschuss, der einem nur alle Schaltjahre mal gelingt. Super!

Sebastian sagt:

Toller Bericht! Finde die Unschärfe hier und da auch sehr passend, wirkt lebendiger und irgendwie „echt“. Gefällt mir gut!

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