11.02.2009 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Interview mit Thomas Kneubühler

Fotokunst ist ein Bereich der Fotografie, auf dem ich selbst komplett unbeleckt bin. Über lens-flare.de habe ich Thomas Kneubühler, Künstler aus Kanada,  kennengelernt. Um mehr über sein Fachgebiet zu erfahren, habe ich ihm ein paar Fragen gestellt. Am Ende des Interviews verlosen Thomas und ich zwei seiner Fotobände.

Thomas KneubühlerHallo Thomas, kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, lebe aber seit 8 Jahren in Montreal, Kanada. Nach Montreal kam ich, um ein Master Programm zu absolvieren, ein MFA an der Concordia University mit Schwerpunkt Fotokunst. Nach einem Studium haben sich hier viele Möglichkeiten aufgetan, deshalb bin ich geblieben.

Fotokunst studieren in Kanada? Das klingt aufregend! Wie sieht so ein Studium aus?

Das Studium besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der theoretische Teil besteht aus Seminarkursen, wo man unter anderem die eigene Arbeit  im Kontext der zeitgenössischen Kunst  zu positionieren versucht. Man schaut sich Arbeiten von anderen Fotografen und Künstlern an, und denkt über Gemeinsamkeiten und Unterschiede nach. Der praktische Teil sind Atelierkurse. Dort arbeiteten wir konkret an einem Projekt zu einem selbst gewählten Thema. Einmal pro Woche trafen wir uns mit unserem Professor, um die Arbeiten zu diskutieren. Manchmal besuchten wir auch Ausstellungen und oft kamen auch auswärtige Gäste zu Besuch, zum Beispiel Galeristen oder Kuratoren, die neue Talente entdecken wollten.
Dadurch kam ich auch zu meiner ersten Ausstellung in Montreal, bei L’Espace Vox. Ein Masters Programm hilft deshalb auch neue Beziehung aufzubauen, die dann später für die Karriere nützlich sein können. Das war in der Tat eine aufregende Zeit für mich.

Hast du dich während des Studiums spezialisiert? Was hat dir am meisten Spaß gemacht?

Meine Arbeit hatte sich während dem Studium auf den verschiedensten Ebenen verändert. Weil Fotokunst für die Wände einer Galerie oder eines Museums produziert wird, sind meine Bilder im Format grösser geworden. Meine einzelnen Bilder haben jetzt oft ein Format von 100 x 125 cm oder grösser. Thematisch hatte ich mich für die Lebensweise in Nordamerika zu interessieren begonnen. Und welche Auswirkungen technische Errungenschaften auf die Gesellschaft haben.

Am meisten hat mir Spaß gemacht, in einer so multikulturellen Stadt wie Montreal zu sein. Eine neue Umgebung schärft den Blick, in der Fotografie ganz zentral.

Wie ging es nach dem Studium weiter?

Von der Kunst alleine zu leben ist schwierig, weshalb ich begann an verschiedenen Orten zu unterrichten. Unter anderem an der University of Ottawa, aber auch an der Concordia University.
Daneben habe ich weiter an meinen eigenen Projekten gearbeitet. Die Resultate waren dann in vielen verschiedenen Ausstellungen zu sehen, sowohl in Nordamerika, wie auch in Europa.

Was war dein bisher spannendstes Projekt?

Aufwändig und spektakulär war sicher mein Projekt «Office 2000». Bei diesem Projekt habe ich nachts Bürotürme fotografiert. Weil in Nordamerika viele Wolkenkratzer nachts die Lichter brennen lassen, ist es möglich, dass man ins Innere der Gebäude sieht. Der beste Blick ergibt sich von einem erhöhten Standpunkt, zum Beispiel vom Dach eines gegenüberliegenden Gebäudes. Deshalb verbrachte ich viel Zeit mit meiner Kamera auf Dächern. Das ganze habe ich mit einer Fachkamera fotografiert, damit die Details wirklich sichtbar wurden. Die fertigen Abzüge sind entsprechend groß, die meisten sind ca. 120 x 150 cm.

Office 2000 - copyright Thomas Kneubühler

Bei dieser Arbeit ging es mir darum, einen ungewöhnlichen Blick auf die Nordamerikanische Arbeitswelt zu werfen. Man sieht verlassene Arbeitsplätze, ohne Menschen. Ich gebe so dem Betrachter die Möglichkeit, seine Fantasie zu gebrauchen und sich selber vorzustellen, was tagsüber in diesen Räumlichkeiten passiert. Jedes Fenster wird zu einem eigentlichen Bild im Bild.

Office 2000 - copyright Thomas Kneubühler

Oh Mann! Da brennt die ganz Nacht das Licht? *kopfschüttel*

Nordamerika ist Weltmeister, wenn es um Energieverschwendung geht. Diesbezüglich ist Europa weit voraus.

Gehst du auch manchmal mit deiner Kamera raus in die kanadische Natur und fotografierst z.B. den Indian Summer?

Im  Moment arbeite ich gerade an einem Projekt das im weitesten Sinne mit Landschaft zu tun hat. Ich fotografiere Skigebiete in der Nacht. Die Berge sind hier wiederum nachts hell erleuchtet, damit man auch zu später Stunde Skifahren kann. Das gibt zum Teil sehr surreale Landschaftsbilder.
Die Berge sind allerdings nicht so hoch wie in den europäischen Alpen, es sind eigentlich eher Hügel, mit einem Höhenunterschied von etwa 300 m.

Thomas Kneubühler

Die kanadische Natur genieße ich sehr, allerdings mehr in der Freizeit, zum Beispiel auf Wanderungen. Die schwere Fotoausrüstung lasse ich da meistens zu Hause. Aber manchmal bringe ich eine kleine Kompaktkamera, für ein paar
Erinnerungsbilder.

Hast du von den Skigebieten auch eine Aufnahme, die du schon zeigen kannst?

Noch nicht, die endgültige Bildauswahl werde ich erst im April treffen. Im Mai zeige ich das Projekt zum ersten Mal in einer Ausstellung hier in Montreal.

Vielen Dank für das Interview und den Einblick in deine Arbeit!

private_propertyThomas stellt momentan seine Werke in Liestal, in der Nähe von Basel aus. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, kannst du dir diesen Bericht auf art-tv.ch anschauen.

Nun aber zur Verlosung. Es gibt eine Ausgabe des Buches „Private Property“ von Thomas Kneubühler zu gewinnen. Melde dich bis zum 25.Februar 2009 mit einem Kommentar unter diesem Beitrag. Unter allen Kommentatoren werden zwei Exemplare des Fotobandes verlost. Wir wünschen euch viel Glück!


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Kategorie: Interviews
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