Alle Artikel aus der Kategorie ‘Fotogeschichten’

02. September 2010

Der Künstler mit dem Röntgenblick

Zeh, Hand, Finger – mir sind schon ein paar Brüche untergekommen. Erst vor einem Jahr war das Schlüsselbein dran. Anfang August las ich dann diesen Tweet (Röntgenbilder gesucht) und dachte mir: Warum nicht Dein Schlüsselbein abgeben und sehen, welche Idee ein kreativer Kopf verwirklichen will.

Keine drei Wochen später gab’s Post von Roland, der offenbarte, was er mit den Aufnahmen angestellt hat. Herausgekommen ist ein “Selbstporträt”, das mit 16 Röntgenbildern versehen wurde.

Wie mir der 28-Jährige Österreicher, der gerne fotografiert und malt und auch mal beides miteinander verbindet, erzählt, stand am Anfang die einfache Idee, eines seiner Fotos mit Röntgenbildern zu versehen. Ausgedruckt, ausgeschnitten und zuerst an der Wand angeordnet, um einen guten Überblick zu haben, ging’s kurz darauf an die Bearbeitung in Gimp. Auf circa 30 Ebenen hat Roland freigestellt und bearbeitet. Die “Federn” z.B. sind aus vielen Bildern einer Kopf-CT und der einer Wirbelsäule entstanden. Eine frickelige Arbeit, kann ich mir vorstellen.

Ich wollte mich mit dem Bild nicht als Engel, sondern allgemein damit darstellen, dass in jedem Menschen was Einzigartiges steckt, was viele nicht sehen oder sehen wollen oder man vielleicht sogar selber nicht weiß.

Das ist Roland mit dem Menschen durchleuchtenden Röntgeneffekt sehr gut gelungen, finde ich. Da passt auch der Titel des Bildes gut: Anthropogenese.

04. August 2010

Es war einmal…

Manchmal habe ich dieses Gefühl im Hinterkopf. Dann sehe ich überall Bilder. Szenen frieren ein und lassen sich aus jedem Blickwinkel betrachten. Dann kommt in mir immer die Frage auf, ob ich damals, 2008, als ich gerade mit der digitalen Fotografie begann, diese Szenen aus den gleichen Blickwinkel gesehen hätte. Ich weiß es nicht. Jedoch habe ich dieses interessante Gefühl – dieses Mal im Bauch –, wenn ich mir die alten Fotos ansehe. Dann freue ich mich einfach, dass ich, fotografisch und sicherlich auch in vielerlei anderer Hinsicht gesehen, nicht mehr der bin, der ich mal war – und mich trotzdem wieder erkenne.

Wie ist das bei euch?
Wie oft blickt ihr zurück in eure Archive oder in die alten Fotokisten?
Bringt das neben einem Anflug von Nostalgie überhaupt etwas für das Hier und Jetzt?

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30. Juli 2010

Mein App-tastischer Strandurlaub

Basic – das ist nicht nur bei der Mode angesagt, wie ich mir sagen lassen habe, ich habe es auch auf die Fotografie und meinen Urlaub an der Ostsee übertragen. Obwohl, so elementar war der Urlaub gar nicht, wenn ich bedenke, mit wie vielen Foto-Apps ich meine Bilder manipuliert habe. Eine kleine Auswahl für das iPhone möchte ich heute präsentieren, ohne mich dabei auf die Leistung der Apps zu beziehen. Bei mir laufen sie zügig. Auf einen 3G muss man allerdings etwas Geduld mitbringen. Ich erhebe auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich schildere lediglich meine kurzen Eindrücke der Apps.
Ähnliche Android-Apps wird es sicherlich auch geben. Ich muss aber gestehen, dass ich mich damit gar nicht auskenne.



You Gotta See This!
Heute vor einer Woche fand diese kleine Anwendung ihren Weg in den App Store. Seitdem finden immer mehr Fotos ihren Weg auf mein Handy. Seine Umgebung aufzunehmen, ist leicht. Die App starten, nach Lust und Laune wild herum wedeln, die Aufnahme stoppen und schon ist das Ergebnis zu sehen. Das Resultat lässt sich mit dem vergleichen, was als Panography oder Hockneyesque, nach dem Künstler David Hockney benannt, bekannt ist. Wirklich schick und schnell, auch wenn die App hier und dort komische Bilder aneinander reiht. Sich bewegende Objekte sind damit auch schwer einzufangen. Ab und zu steht sie auch einfach. Hier müssen die Entwickler weiterarbeiten. Den Spaß verdirbt es einem aber nicht.

Voraussetzungen: Kompatibel mit iPhone 4. Erfordert iOS 4.0 oder neuer.

28. Juli 2010

Too many people

Dies ist ein Gastartikel von Jasmin Herz (nein, das ist kein Künstlername). Sie ist Designerin und eine der beiden Macherinnen des fantastischen Prinz Apfel Taschenkalenders. Vor kurzem hat Jasmin in Shanghai besucht und möchte heute von ihren Eindrücken berichten.

Als Europäerin mit blonden Haaren stehe ich oft in Konkurrenz zu den Sehenswürdigkeiten hier in der Stadt. Meiner Freundin, mit dunklen Haaren, geht es ähnlich. Oft wird uns mit Fotoapparaten zu gewunken und es ist zu erahnen, was wohl damit bezweckt wird. Für unsere verspätete Model-Karriere gilt es allerdings einige Regeln zu beachten: Körperspannung, leicht in die Hocke gehen, ein Bein anwinkeln, Fuß strecken, Hüfte auf die Seite schwingen, die Arme auf einem imaginären Gegenstand abstützen und zuletzt: lächeln – so glänzen wir nun auf unzähligen Portrait-Aufnahmen zahlreicher Familien-Alben.

Wenn wir nicht gerade posieren, erkunden wir die Stadt: zu Fuß, mit der U-Bahn oder mit dem Mini-Rad. Elektro-Roller zählen hier allerdings zu den wohl beliebtesten Fortbewegungsmitteln – zu fahren ohne Licht und ohne Helm. Insofern wir unser Ziel kennen, und es auch aussprechen können, nehmen wir gern ein Taxi. Diese zählen zu weiteren sehr günstigen Transportmitteln. Um auf die Expo zu gelangen müssen wir die Flussseite von Puxi nach Pudong wechseln. In einer Metropole mit 20 Millionen Einwohnern kann so eine Fahrt schon einmal eine Stunde dauern. Smog und Lärm inklusive. 38 Grad schwüle Hitze wechseln sich dabei gern mit starken Regengüssen ab. Der Transrapid „Maglew“ fährt vom International Airport Pudong in die „Innenstadt“ in acht Minuten – mit einer Höchstgeschwindigkeit von 450 km/h. Unsere Erlebnisse in social networks zu posten funktioniert leider nicht – und liegt diesmal wohl nicht an den „too many people“. Die Post benötigt übrigens 14 Tage, Mutti.
Liebe Grüße aus Shanghai

22. Juli 2010

Es gibt nur eine Festival-Linse

Wie sich der, die, das (?) Lensbaby Composer bei Porträts macht, habe ich im vergangenen Jahr schon mal kurz beschrieben. Was das Ding kann, wisst ihr auch. Jetzt konnte ich das Objektiv wieder beim Serengeti Festival zum Einsatz bringen. Dabei habe ich wieder gemerkt, wie gut sich die Kombination aus Festival und Lensbaby macht. Deshalb möchte ich euch heute eine Hand voll Fotos zeigen. Den Auftakt macht aber eine Doppelbelichtung, die es als Aufmacher in die Zeitung geschafft hat.

15. Juni 2010

Von der DSLR zur Leica M9

11. Juni 2010

Mittendrin im Schützenverein

Vor einiger Zeit hat Birgit Fischer (Facebook) davon berichtet, dass sie einen Schützenverein für ein Jahr fotografisch begleitet hat. Wir finden diese Idee so spannend, dass wir Birgit gebeten haben, einen kleinen Erfahrungsbericht über dieses Projekt zu schreiben. Zudem hat sie ein Buch mit ihren Fotos veröffentlicht. Der Einblick in die traditionellen Strukturen, die so einen Verein ausmachen, finde ich sehr interessant. Birgits Fotos haben einen schönen Dokumentationscharakter.


Mein Schlüsselerlebnis hatte ich, als ich per Zufall über einen Schützenumzug stolperte, beeindruckt vor der Beharrlichkeit, die diese ausstrahlten, während sie durch absolut widriges Wetter (Regen, Kälte und Wind ) marschierten. Ich erinnerte mich, dass der Schützenverein in meiner Kindheit und Jugend in unserem Dorf stets eine große soziale Rolle gespielt hatte.
Davon inspiriert wollte ich mich an die Reportage-Fotografie machen, bisher hatte ich keinen Schimmer, wie ich vor gehen würde, da mich diese nie besonders gereizt hat. Sie war mir immer zu subjektiv.

Kurzerhand nahm ich Kontakt auf zu einer Bruderschaft in unserer Nähe, ich wurde herzlichst empfangen, auch wenn man sich bestimmt insgeheim über meinen Wunsch wunderte, die Bruderschaft ein ganzes Jahr lang zu begleiten. Mit so viel Freundlichkeit und so wenig Scheu hatte ich gar nicht gerechnet !
Ich begleitete die Schiesswettkämpfe, das Training der verschiedenen Altersklassen, lernte Jung und Alt und deren Beweggründe kennen.
Mir ging es dabei nicht vordergründig um „Glaube, Sitte und Heimat“, sondern vielmehr um die Umsetzung meiner Vorstellungen, wie ich mittels der Fotografie den Sinn des Schützenwesens in die „Außenwelt“ transportieren kann.

Das Erlebte und Gesehene hat mich beeindruckt und hinterlässt bei mir eine große Genugtuung bezüglich meiner Arbeit, die ich sehr gerne gemacht habe.
Dies hat meine künstlerische Sicht nicht beeinflusst und ich glaube, meine Vorstellung und Ideen mit den mir damals (2009) zur Verfügung stehenden Mitteln gut umgesetzt zu haben.

Am Ende des Jahres Stand ein großes Schützenfest, das bildete den optimalen Schlusspunkt für meine Arbeit. Ich plante ein Buch zu erstellen, doch sah ich mich einer unmöglich großen Menge Fotos gegenüber und hatte auch plötzlich keine Lust mehr. Ich ließ es also ruhen.
1 Jahre später, rechtzeitig zum nächsten Schützenfest stellte ich mich der Arbeit, wählte aus, bearbeitete, wählte wieder aus usw.

Das Fotobuch habe ich mit der Software von Saal Digital erstellt, da ich dort auch meine Fotos ausbelichten lasse und diese als einzige mein Wunschformat und echtes Fotopapier anbieten, zu einem annehmbaren Preis (21×21, hardcover, 56 Seiten -39,90 Euro)
Die Quallität ist wirklich ausgesprochen gut, ich habe schon einige Fotobücher machen lassen, aber dieses hier ist mit Abstand das Beste.
Ich bestellte an einem Mittwochabend vor einem Feiertag und samstags hatte ich die Bücher bereits in der Hand. Die Schützen haben direkt mal 10 bestellt, ohne das Buch vorher gesehen zu haben!

Es sollte eine Überraschung werden, doch brauchte ich den Brudermeister, um zu die Namen zu redigieren.
Beim Schützenfest selber (welches ich besuchen MUSSTE) wurde ich von allen Seiten angesprochen und bekam einen riesen Blumenstraus und einen tollen Restaurantgutschein für zwei.
Es war mir unangenehm, so im Mittelpunkt zu stehen und ich denke gern an die Zeit zurück, in der ich hinter Stativ und Kamera unsichtbar für die Schützen wurde.
Ich kann jeden nur ermutigen solch ein Langzeitprojekt einmal anzugehen, es schult ungemein die eigene Disziplin und man bekommt tolle Einblicke, die einem als Außenstehenden sonst verborgen bleiben.

09. Juni 2010

Mein Rennstrecken-Sommer

12 Uhr, 29 Grad, keine Wolke am Himmel – was sich hier wie der Wetterbericht liest, ist das Arbeitsklima meiner letzten Aufträge gewesen. Vor einiger Zeit hat mich eine Agentur für einen Auftrag engagiert. Deshalb husche ich seit ein paar Monaten über Rennstrecken wie den Hockenheim- oder den Lausitzring, um die neuen R-Modelle von Volkswagen zu fotografieren. Während sich die Rennfahrer in ihre engen Fahrerkabinen zwängen und eine Runde nach der anderen drehen, stehe ich am Stand von VW und fotografiere die neuen Autos samt rennbegeisterten Besuchern. Diese Bilder kann ich hier nicht zeigen, allerdings gehört zu meinem Auftrag auch, die Stimmung um den Autostand herum einzufangen. Ein paar dieser Bilder will ich euch heute zeigen.

10. Februar 2010

Das “Kleine Schwarze” für meine Fotos

Vor kurzem haben wir gefragt, ob ihr analog fotografiert. Die Auswertung hat gezeigt, dass die meisten Leser, ausschließlich digital fotografieren. Immerhin fotografieren knapp ein Drittel von euch auch analog. Ich selbst gehöre auch (wieder) dazu. Ich habe mir vor circa zwei Wochen eine SX-70 Land Camera gekauft. Hinzu kamen gleich ein paar Fade-To-Black-Filme – ein fast philosophischer Film, den die Polaroid-Firma kurz vor Einstellung der Produktion in Enschede produzierte.

new toy

Sobald der Film aus der Polaroid-Kamera schießt, wird er von Stunde zu Stunde dunkler. Gerade in den ersten Stunden sieht man die Veränderungen sehr schön. Der Kontrast nimmt zu, alles hüllt sich in einen blau-grünen Schleier, während sich nach und nach rot-braune Schlieren in das Foto ziehen.



Was den einen oder die andere zuerst abschrecken könnte, macht den individuellen Charakter der Polaroid-Filme aus: Unvorhersagbare Ergebnisse, jedes Foto hat ein einzigartiges Aussehen und natürlich die nostalgische Komponente, die einen unvergleichlichen Charme hat.



Um diesen Prozess zu stoppen, bevor sich aus dem aufgenommen Foto ein schwarzes Nichts entwickelt, gibt es zwei Möglichkeiten: Das Foto öffnen und an der Luft trocknen lassen oder es öffnen und mit Wasser behandeln.



Ist das Foto dann aber doch ganz schwarz geworden, ist das Motiv noch lange nicht verloren. Das Foto kann in die Sonne gelegt werden, hellt dann auf und bekommt ein ganz anderes Aussehen.



Kamera und Film geben nach einigen Fotos, die ich jetzt damit gemacht habe, ein wirklich gutes Team ab. Auf der einen Seite habe ich etwas in der Hand, das mehr Jahre als ich auf dem Buckel hat und trotzdem besser funktioniert als ich, zum anderen macht einem der Film die Vergänglichkeit der Situation wieder deutlicher – das ist ein schöner Ausgleich zur digitalen Fotografie.



Dieses Video zeigt zum Abschluss schön, wie sich der Film innerhalb der ersten 24 Stunden verhält.


23. Dezember 2009

Dein Verein

Viele Sachen wie Lesen oder Fernsehen gucken kann man alleine machen. Aber eine 30 Kilogramm schwere Taucherausrüstung anlegen oder ein Pferd im Zaum halten – dazu braucht man Gleichgesinnte. In Deutschland – so hört man immer wieder – werde die Vereinsmeierei groß geschrieben. In einem Verein zu sein hat seinen eigenen Reiz. Diesen stelle ich momentan für die Zeitung dar und präsentiere heute die ersten zwei Fotos aus dieser Serie.

Ziel ist es, die Vereine auf originelle Art und Weise darzustellen. So habe ich den örtlichen Tauchverein gleich mal ins leere Schwimmbecken des Hallenbads, in dem sie sonst trainieren, gestellt. Auch der Reitverein war sofort von der Idee begeistert, sich auf Schaukelpferden zu präsentieren.

Leider habe ich momentan nur die Möglichkeit, mit dem Licht, das vor Ort ist, zu arbeiten. Deshalb fehlen besondere Akzente, die ich hätte setzen können. Aber vielleicht bekomme ich diese Möglichkeit noch, wenn ich bald den Lesekreis, den Modell-Truck-Verein oder die Feuerwehr fotografiere.