Alle Artikel aus der Kategorie ‘Interviews’

17. März 2010

Der photoappar.at ist wieder da

Ralf-Jürgen StilzVor längerer Zeit ging ein Raunen durch die Blogosphäre als photoappar.at von einem Tag zum anderen geschlossen wurde. Damals hat Ralf-Jürgen Stilz versprochen, dass es dort weitergehen wird. Nun ist es endlich soweit. photoappar.at hat die Pforten wieder geöffnet und freut sich über neue Besucher.

Weil ich das ganz spannend finde, habe ich mit dem Autor Ralf-Jürgen Stilz ein kurzes Interview geführt.

Ralf, was erwartet uns beim Besuch deiner Webseite?

Zuallererst einmal eine Überraschung, denn das Design von photoappar.at wurde generalüberholt und ich bin schon sehr auf das Feedback meiner Leser gespannt. Die zweite Überraschung dürfte das Fehlen jeglicher alter Artikel sein, denn ich habe mich dazu entschieden, einfach neu anzufangen. Ich werde aber viele der bereits behandelten Themen neu aufgreifen und mit aktuellem Bezug auch wieder veröffentlichen.

Also es bleibt bei einem WordPress Blog. Welche Themen wirst du denn fokussiert behandeln?

An meinen Interessen hat sich grundsätzlich nichts geändert und deswegen wird es auch nach dem Relaunch viel über Tierfotografie, Reisefotografie und Lomographie zu lesen geben. Aber ich habe auch ein paar neue Ideen im Kopf, die noch nicht alle umgesetzt sind. Ich will aber nicht nur über Fotografie schreiben, sondern sie auch erleben. Dafür habe ich eine Pause gebraucht.

Du hattest ja jetzt fast ein Jahr Auszeit. Was hat sich bei dir in der Zwischenzeit getan. Hat sich was an deiner Art zu fotografieren geändert? Hast du neue Energie fürs Bloggen gesammelt?

Ich habe in allererster Linie überhaupt mal Energie gesammelt. Meine Winterpause von acht Monaten habe ich fotografisch gesehen tatsächlich geschlafen. Krankheitsbedingt sind auch meine schon traditionelle Fotoreise im Herbst und die Fernreise im Winter ausgefallen, deswegen hatte ich viel Zeit, mich im Netz zu tummeln. Außerdem habe ich das Golfspiel erlernt und viele nette Menschen in meiner neuen Heimatstadt Düsseldorf kennen gelernt. Jetzt naht der Frühling und ich verspüre endlich wieder Lust auf Fotografieren. Ein gutes Zeichen für einen Relaunch.

A propos Kennenlernen. Bei welchen öffentlichen Veranstaltungen bist du in naher Zukunft denn persönlich vertreten?

Nächstes Wochenende steht das BarCamp Ruhr im Unperfekthaus in Essen an, wo ich mich bisher immer sehr wohl gefühlt habe. Im April werde ich traditionell wieder nach Berlin zur re:publica 2010 reisen und im September steht natürlich die Photokina in Köln auf dem Programm, erstmalig auch als Gastgeber für das erste deutsche PhotoCamp. Ich liebäugele mit einem eigenen Workshop, will mich aber noch nicht festlegen. Mit etwas Glück verbringe ich den September nämlich in British Columbia und fotografiere den Indian Summer, dann gibt’s anstelle eines Workshops ein paar kanadische Impressionen von mir.

Zur re:publica kommen ja noch mehr Blogger aus dem Bereich Fotografie. Vielleicht können wir da ja mal ein Treffen organisieren …

Ich bin dabei!

Werden die Artikel auf photoappar.at ausschließlich von dir verfasst? Suchst du noch nach weiteren Co-Autoren?

Falls Du darauf hinauswillst, ob ich Dir meinen ehemaligen Co-Autoren wieder abwerben möchte, kann ich Dich beruhigen. Besim wird aber seine eigene Kolumne auf photoappar.at erhalten. Ich plane auch weitere Fotografen in die inhaltliche Gestaltung des Blogs mit einzubeziehen und denen eine Plattform zu bieten, die nicht selbst bloggen möchten, will aber auch hier noch nicht zu viel verraten. Ich habe gerade erst wieder angefangen.

Das klingt spannend. Wir wünschen dir mit photoappar.at einen guten Neustart und hoffen auf viele tolle Artikel!

Foto: Heiko Keim

03. März 2010

Fotografieren als Herzensangelegenheit

Dass Frauen von der Venus kommen und Männer vom Mars, wissen wir schon lange. Die unterschiedlichen Blickpunkte zeigen sich auch immer wieder in der Fotografie. Steffen und ich haben uns aber gefragt, wie junge Fotografinnen und Fotografen die Welt durch ihren ganz persönlichen Sucher sehen. Was treibt sie an, wonach suchen sie und wovon träumen sie – wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, sich Gehör zu verschaffen und ihre Fotos zu zeigen. Deshalb widmen wir ihnen eine eigene Serie: Junge Fotografen im Fokus.

Den Anfang macht die 18-jährige Nadine (Flickr). Aber lest selbst…


Hallo Nadine, schön, dass Du dabei bist. Kannst Du uns kurz erzählen, wer Du bist.
In meinem Personalausweis kann man lesen: Nadine Reinwardt; geb. am 07.07.91 in Templin; grüne Augen; 166 cm groß…
Ich denke jedoch, es ist treffender zu sagen, dass ich mich noch inmitten eines Selbstfindungsprozesses befinde. Sowohl was meine Photographie und meine(n) Beruf(ung) angeht, als auch den ganzen Rest. :-)

Auf Flickr findet man Dich unter dem Namen “herzensangelegenheit” – was hat das zu bedeuten?
Nun :-) … vielleicht ist er als Kurzbeschreibung meiner Photographie zu begreifen. Vielleicht aber auch als Vorwarnung für all jene, die bei mir nach technischer Perfektion suchen. Diese Menschen muss ich enttäuschen. Es ist nicht mein Ziel und man sollte sich daher eher die Frage stellen, wie wichtig die Technik noch ist, wenn das Herz photographiert…


Vielleicht romantisiere ich die ganze Sache auch etwas zu stark, aber für mich ganz persönlich hat ein gutes Bild weniger mit der richtigen Kamera(einstellung) zu tun. Die Kamera ist nur ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck. Wer dahinter steht ist von Bedeutung und was er zeigen und ausdrücken möchte. Manche Bilder funktionieren besser mit einer Hasselblad und andere lassen sich nur mit einer Wegwerfkamera aufnehmen. Es ist also eine Herzenssache – abhängig von Gefühlen und Emotionen.
Darum der Name.

Wenn wir schon dabei sind: Wie lange fotografierst Du eigentlich schon bzw. wie bist Du dazu gekommen?
Da ich mich gerade mal seit 5 Jahren mit der Photographie, mehr oder weniger ernsthaft, auseinandersetze, würde ich mich noch zu den Anfängern zählen. Wirklich entdeckt habe ich die Magie der Bilder erst mit 13. Mein Vater hat sich damals eine neue Kamera zugelegt, eine kleine Digitalkamera, und mir war es verboten, diese zu benutzen.
Naja, wie Kinder nun mal sind, habe ich sie dann heimlich aus dem Schrank genommen und damit herum experimentiert. Irgendwann hat mich dann jemand auf die Fotocommunity aufmerksam gemacht, wo ich die Bilder erstmals zur Diskussion gestellt habe. Ich denke gerade dieses Feedback und die guten Worte einiger lieber Menschen haben mich dazu motiviert, das Ganze fortzuführen und mein Sehen, den Blick für meine Umwelt zu verändern. Nach 2 Jahren habe ich dann die Seiten gewechselt. Von grau zu weiß. FlickR bietet mir einfach so viel mehr. So viele Menschen, darunter so viele unfassbar gute Photographen aus allen Teilen dieser Welt.


Ich war schon immer Autodidakt, auch im Bereich der Photographie. Mit Lehrbüchern und Rezepten für „gute“ Bilder konnte ich hier nie viel anfangen. Vielleicht rührt daher mein Unverständnis für technische Details und Perfektion ;)
Wirklich wichtig ist möglicherweise dennoch, sich viele, viele, viele Bilder von anderen Leuten anzuschauen. Wirklich anzuschauen und sich dann zu fragen, warum einem dieses oder jenes gefällt oder eben nicht gefällt. Irgendwer hat mal gesagt, dass die ersten 10.000 Photos, die schlechtesten seien…
Da ist vielleicht was dran :-) … Also nicht so viel nachdenken beim photographieren, einfach machen und Erfahrungen sammeln.

Passend ist auch der Satz:
„Wenn ein Moment irgendwas in mir auslöst, dann löse ich aus.“
Das möchte ich so unterschreiben und im Raum stehen lassen.


In Deinem Flickr-Profil habe ich gelesen, dass Du Fussel und Staub auf gescannten Analog-Fotos liebst. Ist die analoge Fotografie etwas, das Dir am Herzen liegt?
Wenn ich oben noch gesagt habe, dass es eigentlich unwichtig sei, welche Kamera man benutzt, so muss ich an dieser Stelle gestehen, dass mir die analoge Photographie unendlich viel mehr gibt, als die Digitale. Auch wenn ich selbst digital photographiere…
Die Diskussion ist endlos und keine Neue, ich weiß :)
Die Gründe, warum mich die Analogphotographie im Normalfall stärker fasziniert und verzaubert sind vielfältig. So vielfältig, wie die Photographie selbst. Zum einen gefällt mir der Gedanke, dass ich nachvollziehen kann, wie das Bild entsteht. Bei Alfons (meiner digitalen Spiegelreflex) kann ich Dir um ehrlich und auch genau zu sein, beim besten Willen nicht erklären, wie aus dem Licht ein Haufen Pixel wird…


Um auf die Fussel und den Staub zurückzukommen – ich mag diese technische Unperfektheit. Das macht das Ganze persönlicher, einfühlsamer, eindringlicher. Außerdem mag ich den Gedanken, dass die Photographie einen einzigen Augenblick einfriert, ein Gefühl festhält, das sofort wieder verschwunden ist. Ganz besonders bei Polaroidbildern wird dies deutlich. Das Photo kommt vorne raus und ist dann einzigartig. Digitalphotos lassen sich jederzeit nachbestellen und vervielfältigen, das geht beim Pola nicht.

Alles in allem fällt es mir unheimlich schwer, das Ganze überzeugend in Worte zu fassen. Es ist einfach so und punkt. Die Wahl bleibt natürlich jedem selbst überlassen, aber alle, die analog photographieren, haben meine größte Anerkennung und meinen größten Respekt.


Wie ist das bei Dir: Sprudelt die Inspiration nur so aus Dir heraus oder gibt es Vorbilder, die Dir durch die besagten Fotografie-Tiefs helfen?
Ich bin eher ein Mensch der Sprudelvariante :) … Mein Problem liegt woanders. Es ist die Zeit, die mir fehlt, um all die Dinge in meinem Kopf umzusetzen. Da ich gerade an meinem Abitur bastle, kann ich mich nur am Wochenende und in den Ferien der Photographie und meiner Kreativität hingeben – das macht mich regelmäßig ziemlich traurig.

Wirkliche Vorbilder hatte ich nie. Klar gibt es Photographen, deren Werk mir besonders am Herzen liegt, aber im Großen und Ganzen versuche ich, meinen eigenen Stil zu finden, zu entwickeln. (siehe Frage 1 ;) )


Ich habe gesehen, dass Du viele (Selbst-) Porträts fotografierst. Was bedeuten sie Dir?
Schwere Frage…
Also das Übermaß an Selbstporträts soll keineswegs auf eine Selbstverliebtheit verweisen. ;) In Wahrheit finde ich mich äußerst unphotogen und mir ist bis jetzt auch noch niemand begegnet, der es geschafft hat, ein vernünftiges Bild von mir zu machen… Aber diese Art der Photographie erlaubt es mir zu experimentieren, Dinge zu probieren, die mit einem anderen Menschen deutlich komplizierter wären. Als Modell und Photograph in einer Person fällt es mir deutlich einfacher, meine Vorstellungen und das Bild in meinem Kopf halbwegs zufrieden stellend umzusetzen. Ich sehe meine Selbstporträts als eine Art Übung für die Arbeit mit anderen Menschen. Nennt es naiv, aber ich bilde mir ein, dass es für später sehr hilfreich ist ;)


Wenn Du Dir fotografische Ziele stecken müsstest, welche wären das?
Da brauchen wir gar nicht im Konjunktiv zu bleiben. Ich habe mir allerhand Ziele gesteckt. Für dieses Jahr und überhaupt. Wie bereits erwähnt, hab ich meinen wirklichen Stil noch nicht gefunden. Ich bin ziemlich selbstkritisch und im Augenblick etwas unzufrieden mit meinen Bildern. Darum habe ich mir vorgenommen, mehr Emotion in meine Bilder zu stecken. Wie, das wird sich zeigen. :) Außerdem will ich endlich diese digitale Schiene etwas verlassen bzw. die Weichen verstellen und auch einmal neue Wege gehen…
Ich denke hierbei vor allem an meine alte Polaroidkamera. Sie ist bereits älter als ich und hoffentlich noch funktionstüchtig :)

Danke, Nadine. Wir drücken Dir die Daumen. Bei der Serie Alte Fotografen im Fokus sprechen wir uns in ein paar Jahrzehnten bestimmt noch mal wieder :)

21. Januar 2010

Martin Hülle im Interview

Vor ein paar Tagen ist hier auf lens-flare.de ein Gastartikel vom Fotografen Martin Hülle erschienen. Er erzählte uns, wie er zum Abenteurer geworden ist. Da ich das total spannend finde und mir noch einige Fragen im Kopf rumschwirrten, habe ich ihn gebeten mir Rede und Antwort zu stehen.


Wieviel Zeit im Jahr verbringst Du auf Expeditionen?
Da muss ich erst einmal sagen, dass nicht jede meiner Reisen auch eine Expedition ist. Richtige “Expeditionen”, also Reisen mit einem hohen zeitlichen und logistischen Aufwand, langer Vorbereitungsphase und in äußerst abgeschiedene Regionen waren bisher nur meine beiden Überquerungen des grönländischen Inlandeises 2006 und 2008. Diese Expeditionen dauerten beide etwa um die 40 Tage. Hinzu kamen in den Jahren dann noch Trainingstouren und kleinere Reisen. Alles in allem bin ich pro Jahr maximal ca. 3 Monate unterwegs, wenn ich alle Unternehmungen zusammen rechne. Mehr war es selten, weniger kommt aber auch vor, denn wie gesagt, nicht in jedem Jahr steht auch eine große Expedition auf dem Programm. Es kommt aber sehr oft vor, dass Viele denken, ich wäre ständig unterwegs. Dabei sitze ich die meiste Zeit des Jahres am Schreibtisch und bereite die Reisen und Expeditionen vor, schreibe Berichte darüber und bearbeite meine Fotos. Wenn ich nicht gerade zum Training oder zum Fotografieren vor der eigenen Haustüre unterwegs bin.


Welche fotografische Ausrüstung begleitet Dich?
Da schon mein Vater mit Nikon fotografierte, war es für mich klar, auch in dieses Kamerasystem einzusteigen. Nach der Konfirmation kaufte ich mir 1988 dann meine erste Spiegelreflex, eine F-501. Der folgten eine Reihe weiterer Modelle (F801s, F90x), bis ich lange Zeit mit der mechanischen FM2 und der F100 gearbeitet habe. Erst 2006 bin ich im Vorfeld meiner ersten Grönland Expedition zur digitalen Fotografie gewechselt. Aktuell nutze ich eine D300 und habe eine D200 als Backup dabei. Da ich meistens sehr auf das Gewicht der Ausrüstung achten muss, sind Zoomobjektive für mich erste Wahl. Und da ist das 18-200er von Nikon mein wichtigstes und meist genutztes Objektiv. Auch wenn mich die starke Verzeichnung und die unscharfen Ecken stören – es ist einfach total praktisch. Hinzu kommt das 12-24er von Tokina. Zudem schleppe ich ein Velbon Carbon-Stativ samt Magnesit Kugelkopf von Cullmann mit mir rum und habe natürlich auch einen Bilddatenspeicher im Gepäck. Dazu der übliche Kleinkram wie Graufilter, Funkfernbedienung und diverse Sandisk Extreme Speicherkarten.

Auch wenn Du im Blog von Olaf Bathke schon ausführlich über das “Warum” geschrieben hast, kannst Du noch mal kurz erklären, wieso Du eine Kamera mit cropped Sensor bevorzugst?
Ein wichtiger Grund ist das schon erwähnte Gewicht. Um die qualitativen Vorzüge einer Vollformatkamera richtig ausnutzen zu können, müsste ich die entsprechenden Objektive mitschleppen. Aber die sind groß und schwer. Und solch ein Superzoom wie das 18-200 gibt es für das volle Format auch nicht – ich müsste also häufiger die Objektive wechseln. Ob ich da in einem Schneesturm aber Lust zu hätte? Solange ich meine fotografischen Ansprüche, und die meiner potenziellen Kunden, mit dem DX-Format abdecken kann, spricht wenig dafür unbedingt zum FX-Format aufsteigen zu müssen. Und um das auch noch von einer anderen Seite zu betrachten: Eine Verbesserung meiner Bilder findet nach wie vor wohl eher über die Bildinhalte statt, als durch einen größeren Sensor und lichtstärkere Objektive.

Hat Dich schon mal ein Body oder ein Objektiv unter den extremen Temperaturbedingungen im Stich gelassen?
Bislang ist es fast immer gut gegangen. Vor allem auf den “wichtigen” Reisen und Expeditionen, wo unbedingt gute Bilder entstehen mussten. Feuchtigkeit zwischen den Linsen im Objektiv hatte ich aber auch schon – was die Fotografie dann für einige Stunden unmöglich machte. Und bei einer Klettertour in den Alpen machte einmal die Mechanik meiner FM2 schlapp: Die Kamera ließ sich nicht mehr auslösen und der Film weiterspannen.

Wieviele Fotos entstehen während einer Expedition?
Im Gegensatz zu vielen anderen Fotografen mache ich wenige Fotos. Schon bei den Aufnahmen bin ich sehr selektiv und ich drücke nicht bei allem, was mir vor die Linse kommt, sofort auf den Auslöser. Dann landet direkt nach dem Blick auf den Monitor auch sogleich viel im Papierkorb. Das Verhältnis von Auslösungen zu tatsächlich gespeicherten Bildern auf der Karte geht oft weit auseinander. Bei der Grönland Transversale 2006 waren es am Ende aber weit jenseits der 1000 Bilder. In Anbetracht der eintönigen Landschaft ganz ordentlich. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich nachher immer nur eine sehr kleine Menge an Bildern heraus kristallisiert, die dann auch von Magazinen immer wieder gleich verwendet wird.

Gibt es neben dem Fotografieren auch andere Aufgaben während einer Expedition?
Es sind Sportexpeditionen, die keinerlei wissenschaftlichen Charakter haben. Daher haben wir auf Grönland auch keinerlei Messungen durchgeführt, die irgendetwas zur Erforschung des Klimawandels hätten beitragen können. Ich sehe das auch skeptisch, wenn manche, die eigentlich aus rein sportlichen Gründen und zur eigenen Befriedigung eine Expedition machen, versuchen dies ein wenig mit der “Forschung” und einem höheren “Nutzen” zu kaschieren. Ich bin da für eine klare Trennung: Der Wissenschaftler macht eine Forschungsexpedition, aber wer keinen wissenschaftlichen Hintergrund hat, der sollte beim Sport bleiben. Da ich mit einigen Ausrüstungsfirmen zusammen arbeite ist es aber schon so, dass ich deren Produkte teste und meine Erfahrungen damit weiter gebe. Unterwegs liegt aber der Fokus auf dem Vorankommen und der bildlichen Dokumentation. Da gehört es dann, z.B. bei den Grönland Expeditionen, auch dazu, täglich ein Online-Tagebuch direkt vom Inlandeis auf die Expeditionswebsite zu stellen.


Was ist Dein nächstes großes Ziel?
Eigentlich wollte ich in diesem Sommer einen langgehegten Traum in Angriff nehmen und einmal von der Nord- zur Südküste quer durch Island laufen. Vor allem aus fotografischer Sicht wäre das auch sehr reizvoll. Doch gerade sieht es so aus, dass mir eine dritte Grönland Expedition “dazwischen kommen” könnte. Der NDR arbeitet an einer mehrteiligen Fernsehdokumentation zum Thema “Wildes Skandinavien”, bei der es auch einen Grönland-Teil geben wird. Und in diesem Film soll auch eine Inlandeisüberquerung eine Rolle spielen. Aktuell berate ich mit einem meiner Partner der 2006er Expedition und dem Filmteam, ob wir zwei für das Projekt rasch über das Eis laufen, damit der NDR von uns die gewünschten Expeditionsfilmaufnahmen machen kann. Es wäre dann im August, 550 Kilometer in 25 Tagen. Island müsste ich dann auf das nächste Jahr verschieben.


Würden Dich nicht andere Länder, wie z.B. Kanada, oder gar andere Klimazonen reizen?
In der Wüste war ich schon. 2007 habe ich eine Wandergruppe des Reiseunternehmens “Wüstenwandern” bei einer Tour in der Sahara begleitet. Eine Woche durch das Dünenmeer Erg Ouarane in Mauretanien. Fantastisch – die Farben und Formen der Wüste waren ein Fotografentraum. Aber ich bin ein Freund der kalten Klimazonen geblieben, wohin es mich weiterhin zieht. Nach Spitzbergen, Patagonien oder in die Antarktis.


Möchtest Du mal ein (Foto)Buch veröffentlichen?
Ja, das ist ein großes Ziel. Gut vorstellen kann ich mir ein Buch, welches meine Grönland Expeditionen zusammen fassen würde. Aber auch ein Buch über die erwähnte Island-Durchquerung wäre denkbar. Mal sehen, was die Zukunft da so bringt. Und ob ich noch mehr Bilder produziere, die auch würdig sind, in einem Buch gezeigt zu werden.


Warst Du bei einer Expedition schon mal in einer lebensgefährlichen Situation?
Zum Glück war bislang keine Situation wirklich lebensgefährlich. Auch wenn ein ausgewachsener Sturm mir im Zelt auf Grönland schon ein sehr mulmiges Gefühl “einhämmerte”. Eine Schrecksekunde erlebte ich vor zwei Jahren in Norwegen: Im White-Out – einem Wetterphänomen, bei dem man jegliche Orientierung und Sicht verliert – stürzte ich samt Pulka-Schlitten und Skiern an den Füßen über eine Kante in einen Abgrund. Ich landete einige Meter tiefer in weichem Schnee … Es ist aber auch so, dass ich nur nach optimaler Vorbereitung, bestens ausgerüstet und trainiert eine Expedition starte. Die schwierigen Touren waren Resultate langjähriger Erfahrung und eines steten Lernprozesses. Die unangenehmste Situation habe ich schon 1994 erlebt bei einer Solo-Trekkingtour in Nord-Schweden. Im Sarek Nationalpark zog ich mir einen Ermüdungsbruch eines Mittelfußknochens zu. Damit musste ich dann noch 50 km zurücklegen und die lange Heimreise bestreiten. Der Arzt, den ich dann eine Woche nach Auftreten des Malheurs aufsuchte, fragte nur, warum ich denn nicht schon früher gekommen wäre oder mich zumindest hätte tragen lassen …


Vielen Dank fürs Interview. Ich wünsche dir für deine nächsten Abenteuer alles Gute!

Über Martin Hülle

Martin Hülle ist Fotograf, Reisejournalist und leidenschaftlicher Eiswanderer. Über seine Reisen und Expeditionen erscheinen regelmäßig Bild- und Textbeiträge in namhaften nationalen und internationalen Magazinen und Zeitschriften. In seinem Blog zeigt er Fotos und berichtet über seine abenteuerlichen Ausflüge. Aktuelles ist laufend bei Twitter zu finden. Zudem ist Martin Hülle Redakteur des Online-Reisemagazins StadtLandFlucht.

14. Januar 2010

Bei LensAvenue gehts weiter …

Vor einer Weile habe ich erfahren, dass es auf der Domain LensAvenue.com, unter der es bis zum Sommer diesen Jahres Objektiv- und Kamerazubehör zu leihen gab, bald weiter gehen wird. Mittlerweilen ist das Angebot wieder online und ich habe den Geschäftsführer gebeten, mir ein paar Fragen zu beantworten.


Hallo Ralf, kannst du dich bitte kurz den Lesern vorstellen?
Ja gerne. Ich heiße Ralf Stummeyer und lebe mit meiner 4-köpfigen Familie in dem wunderschönen Süden Münchens. Bereits seit meinem 14. Lebensjahr begleitet mich die Fotografie mehr oder weniger intensiv. Inspiriert wurde ich damals unter anderem durch eine engagierte Kunstlehrerin an unserer Schule.

Von meinen Konfirmationsgeschenken und mit kleinen Jobs verdientem Geld erstand ich damals meine erste Spiegelreflex, eine Canon AE-1 mit 50 mm Objektiv. Mit der Zeit kam das eine oder andere Objektiv hinzu – ein eigenes Foto-Labor mit Durst-Vergrößerer im Keller meiner Eltern eröffnete bald neue Dimensionen.

Neben Tätigkeiten als freier Mitarbeiter für lokale Zeitungen kamen der eine oder andere Fotoauftrag dazu, wodurch ich mein Hobby finanzieren konnte. Schon recht bald erfuhr ich schmerzlich, wie kurzlebig die Fototechnik geworden war, obwohl die Innovationszyklen zu dem Zeitpunkt, verglichen mit heute, verhältnismäßig lang waren.

Nach meinem Studium der Elektrotechnik ließ mir mein späterer beruflicher Werdegang, der mit Fotografie nichts zu tun hatte, mehr oder weniger Zeit für meine fotografischen Ambitionen. Die Fotografie blieb aber immer mein Hobby (manchmal zum Leidwesen meiner Familie).

Als LensAvenue.com letztes Jahr die Vermietung eingestellt hatte, fand ich das sehr schade. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es irgendwann auf der Domain weitergeht. Wie kam es dazu?
In der Vergangenheit habe ich die Aktivitäten von LensAvenue intensiv verfolgt. Die beiden Geschäftsführer haben meiner Meinung nach einen sehr guten Job gemacht, die Online-Vermietung in Deutschland zu etablieren.

Als sie das Geschäft im September aufgaben, gab es zwischen uns Gespräche, deren Ergebnis das Wiederaufleben einer Online-Vermietung unter dem Namen LensAvenue.com ist.

Die vielen öffentlichen Diskussionen von Kunden über die Aufgabe der LensAvenue GmbH damals im September sind für uns natürlich Ansporn, unseren Kunden mindestens die gleiche Zuverlässigkeit und Professionalität zu bieten, unabhängig davon, ob es sich dabei um Amateure oder Profis handelt.

Ich habe die Rechte an dem Namen LensAvenue übernommen, bin aber nicht der Rechtsnachfolger der LensAvenue GmbH.

Was erwartet uns ab sofort in eurem Onlineshop?
Aktuell sind wir mit Angeboten von Canon und Nikon vertreten. Unser Portfolio wird sich weiter entwickeln, so dass in Kürze auch andere Marken und Produktthemen vertreten sein werden. Dabei lassen wir uns von den Wünschen unserer Kunden inspirieren.

Wir legen besonderen Wert auf einen umfassenden Service für unsere Kunden, welcher auch professionellen Anforderungen gerecht werden soll.

Unter www.lensavenue.com kann unser Equipment komfortabel bestellt werden. Durch eine Verfügbarkeitskontrolle in Echtzeit sehen unsere Kunden sofort, ob und wann das gewünschte Objektiv oder die Kamera zur Verfügung stehen. Es gibt keine nachträglichen Einschränkungen. Dadurch ist eine Ablehnung des Auftrags wegen Nichtverfügbarkeit sehr unwahrscheinlich.

Soll das Sortiment an Leihartikeln noch erweitert werden? Wenn ja, was kommt noch hinzu?
Wir werden unser Sortiment kontinuierlich an die Anforderungen unserer Kunden anpassen. Eine Erweiterung zur Abrundung unseres Angebotes an Zubehör ist bereits fest geplant. Dazu werden z. B. auch höherwertige Grafiktabletts gehören, welche unsere Kunden zum Ausprobieren günstig dazu buchen können.

Es wird auch immer wieder interessante Kit-Angebote geben.

Darüber hinaus prüfen wir momentan, ob wir noch andere Kamerahersteller mit aufnehmen werden.

Wenn ich etwas “offline” miete, hole ich mir es direkt im Laden ab und bringe es wieder hin. Wie funktioniert das “online”?
Die bestellten Geräte werden am Tag vor bzw. nach der Mietzeit an der Haustür angeliefert und abgeholt. Die Abholung kann bis zu zwei Stunden vorher bei unserem Lieferservice telefonisch avisiert werden. Die Anlieferung und Abholung sind im Preis bereits enthalten. Das heißt, unsere Kunden bekommen in der Regel 24 Stunden geschenkt – ohne Berechnung.

Auch die Rücksendung erhält eine neue Dimension: Einfach die Geräte in die entsprechenden Aussparungen im Alu-Koffer legen, Checkliste durchgehen, Deckel zu und abholen lassen. Alles hat seinen Platz, kein umständliches Verpacken, ein sicherer Versand der hochwertigen Geräte ist gewährleistet.

Damals wurde bei LensAvenue.com der Lieferung nützliches Zubehör mitgegeben. Macht ihr das auch?
Unsere Mietgeräte werden gebrauchsfertig und übersichtlich präsentiert in einem Alu-Koffer ausgeliefert. Wir liefern z.B. Kameragehäuse grundsätzlich mit zwei Satz geladenen Akkus und zwei 16 GB Speicherkarten UDMA 6 90 MB/s aus. Auch hilfreiches Zubehör wie z.B. der Akkugriff ist bereits im Preis enthalten und montiert. Alles weitere Zubehör ist griffbereit im Koffer untergebracht. Unsere Objektive sind, sofern möglich mit montierter Gegenlichtblende, Schutzfilter und Polfilter ausgestattet. Übliches, aber im Lieferumfang des Herstellers oft nicht enthaltenes Zubehör, wie z.B. notwendige Adapter oder auch ein Satz frische Batterien für Blitzgeräte sind bei uns ebenfalls dabei, damit es keine Überraschungen beim Einsatz unseres Fotoequipments gibt.

Nach dem Prinzip „Alu-Koffer öffnen, Kamera oder Objektiv entnehmen, Akku sowie Speicherkarte einlegen und loslegen“ wollen wir unseren Kunden eine effektive und komfortable Nutzung der angemieteten Geräte ermöglichen.

Wenn ich mir ein teures Objektiv bestelle, habe ich gleich im Hinterkopf: “Hoffentlich geht nichts schief.” Sind die Mietgeräte vor Missgeschicken abgesichert?
Ebenfalls bereits im Preis enthalten ist eine weltweit geltende Versicherung gegen Verlust und Beschädigung. Ob für das Wochenende in Berlin oder die Reise an den Südpol – unsere Kunden sind an fast allen Orten der Welt (es gibt natürlich Ausnahmen) versichert und können das wertvolle Equipment mit begrenztem Risiko mitnehmen.

Bei unserem letzten Gespräch hast du erwähnt, dass ihr die Geräte auch zum Kauf mit Anrechnung des Mietpreises anbieten wollt. Bisher sieht man davon auf der Webseite davon noch nichts. Gibt es dafür schon eine Möglichkeit?
Ja, wir bieten unseren Kunden bereits heute die Möglichkeit an, Geräte bei uns zu kaufen. Das wurde auch schon genutzt. Dabei rechnen wir einen Teil des Mietpreises einer eventuellen vorherigen Anmietung des Gerätes an. Wir erstatten 50% des Mietpreises, maximal jedoch die Mietrate für 2 Tage.

Zur Zeit machen wir unseren Kunden auf Anfrage ein Angebot. Später wird man auch in unserem Shop direkt einkaufen können.

Du bist ja auch begeisterter Fotograf. Welches der Leihstücke ist dein geheimer Liebling?
Da möchte ich gern zwei Dinge nennen: Von Canon das neue EF 100mm 1:2,8L Makro IS USM und von Nikon die D3x.

Habt ihr ein Schnupperangebot für neugierige Fotografen ;-)
Zu unserer „Eröffnung“ gibt es natürlich ein Angebot: Bei Bestellungen bis zum 28.02.2010 gewähren wir einen Rabatt von 15%. Darüber hinaus erhält jeder, der sich bei uns registriert zur Zeit einen Gutschein über 20 €, den er entweder selbst einlösen oder verschenken kann. Und – nicht zu vergessen – eine kleine Überraschung in jeder Lieferung. Bei der Bestellung kann uns jeder Kunde einen Kommentar hinterlassen, wofür er z. B. die Anmietung vornimmt. Diesen werden wir aufmerksam lesen …

Vielen Dank fürs Interview und viel Erfolg mit LensAvenue.com

28. Mai 2009

Interview mit einem Testfreak

Des Öfteren sucht man Informationen, die einem in der Entscheidung für den Einkauf einer Kamera o.ä. unterstützen sollen. Eine Stelle an der man solche Daten in gebündelter Form findet, ist die Webseite Testfreaks.de. Ich habe Daniel Eberhardt ein wenig zu diesem Portal ausgefragt.

Daniel von den Testfreaks

Hallo Daniel, kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Hallo Steffen, beruflich arbeite ich für die Webseite www.testfreaks.de und kümmere mich vornehmlich um Inhalte, Optimierung der Internetpräsenz und Promotion der Seite.

Privat bin ich Musikfan, lese gerne, spiele Videospiele und Schach und lass es mir mit meiner Freundin gut gehen.

Kannst du uns erklären, worum es bei www.testfreaks.de geht?

Die Macher hinter Testfreaks haben vor längerer Zeit pricerunner gegründet, dann das Portal verkauft und das Geld in Testfreaks investiert. Die Idee dahinter war, ein Test- und Vergleichsportal zu entwickeln, das sich sowohl vom Inhalt als auch vom Design her ein bisschen von den bestehenden Formaten abhebt.

Neben der Auflistung aller erdenklicher Informationen zu einem Produkt (also neben Tests auch Anleitungen, Videos, Herstellerangaben, Preisvergleich, Usereindrücke) sollen auch Nutzer der Seite aktiv mit eingebunden werden. So ist es etwa möglich, selbst Bewertungen zu verfassen oder Fragen zu Produkten zu stellen.

Weiterhin ist ein Forum und ein Blog angedacht, bei letzterem sollen besondere Gadgets ausführlicher getestet werden.

Worin besteht der Anreiz für den Besucher von Testfreaks selber einen Artikel zu verfassen? Gibt es Vorteile für registrierte Benutzer?

Konkrete Anreize von unserer Seite gibt es im Moment noch nicht. Wir hoffen im Moment auf die Schreibfreudigkeit der Seitennutzer. Allerdings sind später regelmäßige Wettbewerbe und Preisausschreiben geplant, wie das jetzt auch schon bei der .com Version der Fall ist.

Welche Kategorien bei den Testfreaks sind deiner Meinung nach für Fotografen besonders interessant?

Wir haben verschiedene Kamera-Kategorien in einer eigenen Sparte zusammengefasst. Dort versammeln wir nicht nur Tests zu Kompakt-, Digital- und Spiegelreflexkameras, sondern auch zu Zubehör wie etwa Objektiven und Blitzen. Wir haben auch Kooperationen mit größeren Foren und Kameraseiten laufen, so dass oftmals auch die Eindrücke der dortigen Mitglieder zu finden sind.

Mit welchen Foren und Kameraseiten arbeiten die Testfreaks zusammen?

Tests haben wir zum Beispiel von Photographie.de, Colorfoto.de, Kameranet.de, Kamerabericht.de oder Fototools.de, zudem persönliche Eindrücke und Bewertungen von Mitgliedern der Foren von Canikon.de und Xonio.de. Dazu noch Reviews von grossen Technikseiten wie Cnet.de oder PCWelt.de.

Wann denkt ihr den Beta-Status zu verlassen?

Wenn nichts Größeres dazwischen kommt, launchen wir im Herbst die offizielle Version von Testfreaks.de.

Schönen Dank fürs Interview und alles Gute mit Testfreaks.de!

Testfreaks

06. März 2009

Über den Alltag eines Fotoproduzenten

Robert Kneschke ist Stockfotograf und Blogger. Diese Woche wurde auf Bildwerk3 ein ausführliches Interview mit ihm veröffentlicht. Für mich sehr interessant, da man zum einen Einblick in den Alltag eines Fotoproduzenten erhält und zum anderen Robert besser kennenlernt. Abgerundet wird das Ganze mit einem Kurzfilm, bei dem ihr Robert quasi über die Schulter schauen könnt.

11. Februar 2009

Interview mit Thomas Kneubühler

Fotokunst ist ein Bereich der Fotografie, auf dem ich selbst komplett unbeleckt bin. Über lens-flare.de habe ich Thomas Kneubühler, Künstler aus Kanada,  kennengelernt. Um mehr über sein Fachgebiet zu erfahren, habe ich ihm ein paar Fragen gestellt. Am Ende des Interviews verlosen Thomas und ich zwei seiner Fotobände.

Thomas KneubühlerHallo Thomas, kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, lebe aber seit 8 Jahren in Montreal, Kanada. Nach Montreal kam ich, um ein Master Programm zu absolvieren, ein MFA an der Concordia University mit Schwerpunkt Fotokunst. Nach einem Studium haben sich hier viele Möglichkeiten aufgetan, deshalb bin ich geblieben.

Fotokunst studieren in Kanada? Das klingt aufregend! Wie sieht so ein Studium aus?

Das Studium besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der theoretische Teil besteht aus Seminarkursen, wo man unter anderem die eigene Arbeit  im Kontext der zeitgenössischen Kunst  zu positionieren versucht. Man schaut sich Arbeiten von anderen Fotografen und Künstlern an, und denkt über Gemeinsamkeiten und Unterschiede nach. Der praktische Teil sind Atelierkurse. Dort arbeiteten wir konkret an einem Projekt zu einem selbst gewählten Thema. Einmal pro Woche trafen wir uns mit unserem Professor, um die Arbeiten zu diskutieren. Manchmal besuchten wir auch Ausstellungen und oft kamen auch auswärtige Gäste zu Besuch, zum Beispiel Galeristen oder Kuratoren, die neue Talente entdecken wollten.
Dadurch kam ich auch zu meiner ersten Ausstellung in Montreal, bei L’Espace Vox. Ein Masters Programm hilft deshalb auch neue Beziehung aufzubauen, die dann später für die Karriere nützlich sein können. Das war in der Tat eine aufregende Zeit für mich.

Hast du dich während des Studiums spezialisiert? Was hat dir am meisten Spaß gemacht?

Meine Arbeit hatte sich während dem Studium auf den verschiedensten Ebenen verändert. Weil Fotokunst für die Wände einer Galerie oder eines Museums produziert wird, sind meine Bilder im Format grösser geworden. Meine einzelnen Bilder haben jetzt oft ein Format von 100 x 125 cm oder grösser. Thematisch hatte ich mich für die Lebensweise in Nordamerika zu interessieren begonnen. Und welche Auswirkungen technische Errungenschaften auf die Gesellschaft haben.

Am meisten hat mir Spaß gemacht, in einer so multikulturellen Stadt wie Montreal zu sein. Eine neue Umgebung schärft den Blick, in der Fotografie ganz zentral.

Wie ging es nach dem Studium weiter?

Von der Kunst alleine zu leben ist schwierig, weshalb ich begann an verschiedenen Orten zu unterrichten. Unter anderem an der University of Ottawa, aber auch an der Concordia University.
Daneben habe ich weiter an meinen eigenen Projekten gearbeitet. Die Resultate waren dann in vielen verschiedenen Ausstellungen zu sehen, sowohl in Nordamerika, wie auch in Europa.

Was war dein bisher spannendstes Projekt?

Aufwändig und spektakulär war sicher mein Projekt «Office 2000». Bei diesem Projekt habe ich nachts Bürotürme fotografiert. Weil in Nordamerika viele Wolkenkratzer nachts die Lichter brennen lassen, ist es möglich, dass man ins Innere der Gebäude sieht. Der beste Blick ergibt sich von einem erhöhten Standpunkt, zum Beispiel vom Dach eines gegenüberliegenden Gebäudes. Deshalb verbrachte ich viel Zeit mit meiner Kamera auf Dächern. Das ganze habe ich mit einer Fachkamera fotografiert, damit die Details wirklich sichtbar wurden. Die fertigen Abzüge sind entsprechend groß, die meisten sind ca. 120 x 150 cm.

Office 2000 - copyright Thomas Kneubühler

Bei dieser Arbeit ging es mir darum, einen ungewöhnlichen Blick auf die Nordamerikanische Arbeitswelt zu werfen. Man sieht verlassene Arbeitsplätze, ohne Menschen. Ich gebe so dem Betrachter die Möglichkeit, seine Fantasie zu gebrauchen und sich selber vorzustellen, was tagsüber in diesen Räumlichkeiten passiert. Jedes Fenster wird zu einem eigentlichen Bild im Bild.

Office 2000 - copyright Thomas Kneubühler

Oh Mann! Da brennt die ganz Nacht das Licht? *kopfschüttel*

Nordamerika ist Weltmeister, wenn es um Energieverschwendung geht. Diesbezüglich ist Europa weit voraus.

Gehst du auch manchmal mit deiner Kamera raus in die kanadische Natur und fotografierst z.B. den Indian Summer?

Im  Moment arbeite ich gerade an einem Projekt das im weitesten Sinne mit Landschaft zu tun hat. Ich fotografiere Skigebiete in der Nacht. Die Berge sind hier wiederum nachts hell erleuchtet, damit man auch zu später Stunde Skifahren kann. Das gibt zum Teil sehr surreale Landschaftsbilder.
Die Berge sind allerdings nicht so hoch wie in den europäischen Alpen, es sind eigentlich eher Hügel, mit einem Höhenunterschied von etwa 300 m.

Thomas Kneubühler

Die kanadische Natur genieße ich sehr, allerdings mehr in der Freizeit, zum Beispiel auf Wanderungen. Die schwere Fotoausrüstung lasse ich da meistens zu Hause. Aber manchmal bringe ich eine kleine Kompaktkamera, für ein paar
Erinnerungsbilder.

Hast du von den Skigebieten auch eine Aufnahme, die du schon zeigen kannst?

Noch nicht, die endgültige Bildauswahl werde ich erst im April treffen. Im Mai zeige ich das Projekt zum ersten Mal in einer Ausstellung hier in Montreal.

Vielen Dank für das Interview und den Einblick in deine Arbeit!

private_propertyThomas stellt momentan seine Werke in Liestal, in der Nähe von Basel aus. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, kannst du dir diesen Bericht auf art-tv.ch anschauen.

Nun aber zur Verlosung. Es gibt eine Ausgabe des Buches “Private Property” von Thomas Kneubühler zu gewinnen. Melde dich bis zum 25.Februar 2009 mit einem Kommentar unter diesem Beitrag. Unter allen Kommentatoren werden zwei Exemplare des Fotobandes verlost. Wir wünschen euch viel Glück!


03. Februar 2009

Interview mit Robert Basic

Robert Basic

Meinen Interviewpartner heute brauche ich sicher nicht vorstellen. Denn jeder der sich für Web interessiert wird Robert Basic kennen. Vor kurzem hat er enormes Aufsehen mit dem Verkauf seines Blogs erregt. So manch einer hat gewettet, es wäre nur eine Ente (Hast du schon gespendet, Kai? ;-) ).
Doch nun hat Roberts Blog über eine Versteigerung bei ebay den Besitzer gewechselt.

Robert, du hast 46.902 Euro für basicthinking.de erhalten. Ich hätte ja drauf getippt und dir auch gegönnt, dass es viel mehr wird. Warst du mit dem Erlös zufrieden?
Zufrieden? Ja, Minimum wurde locker überschritten, Traumgrenze 100k nicht gerissen, habe also die goldene Mitte erwischt. Vom Medienwert will ich nicht sprechen, der ist auf eine Einzelperson bezogen vakant.

Eine Frage, die wohl viele bewegt: Was machst du mit dem Geld?
Ein Teil zur Seite wegen Einkommenssteuern. Märchensteuer gleich abführen. Tja, vom Rest knabber ich mir den Lebensunterhalt für 2009 ab.

Wie viel bleibt denn nach Abzug aller Kosten davon übrig?
Ich bin ja kein Steuerexperte, aber je nachdem, wie hoch Deine Betriebsausgaben sind, bestimmt sich Dein zu versteuerndes Einkommen als Selbständiger. Und angesichts progressiver Besteuerung bleibt ein unbestimmter Satz X über. Wenn man jedoch die Einnahmen in betriebliche Investitionen steckt, verändert sich erneut Dein Steuerbild. Sprich: Frag mich nicht:)

Du hast ja sehr viel Arbeit in deinen Blog investiert, hast du jetzt mehr Freizeit?
Im Gegenteil, es wird weniger Freizeit in Zukunft geben, da mein Ex-Blog immer nur nebenher lief und nie ernsthaft als Profiblog betrieben wurde. Und mein neues Blog (nicht mein jetziges Privatblog) mehr Energien verschlingen wird.

Wurde dir in den letzten Wochen angeboten, an anderen Webseiten, Blogs oder Projekten mitzuarbeiten?
Da ich nur die Hälfte von der Hälfte vor lauter Presseanfragen mitbekam und nach dem Verkauf für eine Woche in den USA weg war, kann ich das verneinen, was aber eh sinnlos ist, da ich mich weiterhin damit stark zurückhalte, für Dritte zu arbeiten.

Wie geht es jetzt bei dir weiter? Wo kann man wieder Artikel von dir lesen?
Wie schon angedeutet auf meinem Privatblog und auch auf Twitter, beim Letzteren aber nur hin und wieder je nach Laune, mit anderen unmittelbar zu reden. Die Vorbereitungen für Buzzriders genießen die höchste, berufliche Priorität.

Ich kann mich erinnern, dass auf basicthinking.de auch ein Blog mit fotografischen Themen (Ansichtssache) gestartet ist. Was ist daraus geworden?
Das hatte sich verlaufen. Der Interessent (Name vergessen) war zu dem Zeitpunkt, wo es jungheiß war, just mit Wohnungsumzug beschäftigt und irgendwie scheinen wir uns danach verpasst zu haben.

Was ist deiner Meinung nach die beste Möglichkeit, den eigenen Blog bekannt zu machen?
Indem man sich darauf mental einlässt, dadurch mit der Zeit in einen Flow kommt und der Rest geht dann wie von selbst.

Vielen Dank fürs Interview! Ich wünsche dir viel Erfolg und einen guten Start fürs neue Projekt!

22. Januar 2009

Wer gewinnt den Bildband?

Authentic Nature

Der 20.Januar ist verstrichen und nun möchte ich die Gewinner des Bildbandes von André Wagner bekannt geben. Es gab eine sehr rege Beteiligung. André und ich freuen uns über 51 Teilnehmer. Vielen Dank für euer Interesse!

Aber ich möchte euch nicht länger auf die Folter spannen. Die Gewinner lauten:

06. Januar 2009

André Wagner – Authentic Nature

André WagnerHeute könnt ihr in einem Interview den Landschaftsfotografen André Wagner kennenlernen. Am Schluss dieses Beitrages gibt es die Möglichkeit seinen Bildband Authentic Nature zu gewinnen.

Hallo André, kannst du dich bitte kurz vorstellen?
Lieber Steffen, erstmal ein Dankeschön, dass ich mich hier vorstellen darf. Mein Name ist André Wagner, ich lebe seit 5 Jahren in Berlin und arbeite international für meine Kunden und Fotoprojekte.

Na klar, gerne doch! Du hast dich als Fotograf erfolgreich selbständig gemacht. Mit welchen Fotos verdienst du dein Geld?
Während ich meine Ausbildung zum Fotografen im Zeitraum von 1999-2001 gemacht habe, bin ich glücklicherweise mit Nina Rautenberg aus Berlin zusammen gekommen. Sie leitet selbstständig eine Agentur die ihren Namen trägt. Durch sie konnte ich gleich zu Beginn meiner fotografischen Laufbahn für Zeitschriften, wie z.B. den Uni-Spiegel oder Stern arbeiten.
Später sind noch viele andere Referenzen dazugekommen, vor allem hauptsächlich für Editorial. Nach meiner 4-monatigen Reise in Neuseeland 2006 gab es eine sichtbare Veränderung meiner künstlerischen Ausrichtung. Seit dieser Zeit verdiene ich ca. 80 % durch Fotokunst. Ich biete meine Fotografien oft in großen Formaten an und alle sind auf eine sehr kleine Edition von max. sieben begrenzt.

Fotografierst du analog oder digital?
Für meine Aufträge benutze ich zu 99 % digitales Equipment.
Für meine freien Projekte, benutze ich ausschließlich analog, um meine Arbeiten in bester Qualität, Farb- bzw. auch Detailwiedergabe vergrößern zu können.

Was fotografierst du am Liebsten?
Ich stehe richtig auf pure Natur, Formen die mich an alltägliche Situationen erinnern, Bäume die gegen den Wind kämpfen, einzigartige Naturschauplätze mit extremen Lichtbedingungen und Mischlichtsituationen. Momente die man im Alltag nicht zu Gesicht bekommt. Und das am liebsten alles in der Nacht mit langen Belichtungszeiten.

Du warst schon oft im Ausland mit der Kamera unterwegs. Finnland, Neuseeland und Indien hast du bereist. Gibt es weitere Länder in denen du gerne fotografieren möchtest?
Mein Wunsch ist es auf jeden Fall, in naher Zukunft Schottland, England, Irland und Island zu bereisen.

Indien wirkt dagegen ganz anders auf mich. Dort arbeite ich an einem Langzeitprojekt, welches sich unter anderem mit der ursprünglichen, vedisch – indischen Kultur beschäftigt. Ich bin besonders von den Menschen, deren Kultur und der gelebten Spiritualität beeindruckt.

Die Veden sind für mich immer noch ein Mysterium und ich bin in Indien wie auf einer Entdeckungsreise. Und je weiter ich vordringe, desto mehr ahne ich, wie viel mehr es noch zu erkunden gibt. Mit den Bildern, auf denen ich meine Eindrücke festhalte, versuche ich selbst diese einzigartige Kultur zu verstehen und auch nach Europa mitzubringen.

Du hast bereits einen Bildband veröffentlicht. Sind weitere geplant?
Ja, ich arbeite bereits an einem weiteren Bildband über Indien.

Ist dir schon mal eine Aufnahme durch die Lappen gegangen, die du gern im Kasten gehabt hättest.
Ja manchmal kommt das schon vor. Ich erzähle dir eine Geschichte, wo das fast der Fall war.
2003 es war im Winter, ca. 1.00 Uhr nachts, bei –10 Grad war ich auf dem Heimweg von einen Freund und bin mit dem Auto an einem Baum vorbeigefahren, den ich schon hunderte Male gesehen habe. Irgendetwas war in dieser Nacht anders… der Himmel, die Atmosphäre!? Als ich zu Hause angekommen war und meine dicke Winterkleidung ausgezogen hatte, ist mir dieses Bild, was ich nur einen Bruchteil von einer Sekunde durch die beschlagene Autoscheibe gesehen hatte, nicht aus dem Kopf gegangen… 30min später stand ich tief im Schnee mit meinen Stativ und meiner Mamiya vor dem Motiv und belichtete es ca. 1 Stunde.
Drei Monate später habe ich mit dem Motiv „Sound“ eine Goldmedaille beim 13. Hasselblad Austrian Super Circuit gewonnen. Da war es gut nochmals zurückzufahren. Solche Momente sind außergewöhnlich.

Das kenne ich gut! Schön, dass diese Aufnahme dann etwas ganz besonderes geworden ist.
Welche Künstler inspirieren dich?

Mich inspirieren viel mehr die persönlichen Aussagen der Künstler. Das was z.B. ihr Antrieb für ihr Leben ist, finde ich oftmals wichtiger, als deren Werke selbst. Wenn ich sehe, dass ein Künstler sich mehr als ein Medium sieht, für das schöne dieser Welt, dann hat er mein Interesse geweckt. Wenn Kunst trotz Inszenierung einen die Wirklichkeit fühlen lässt, dann muss sich eine interessante Person hinter der Kunst verbergen. Die Arbeiten von Hiroshi Sugimoto, Steve McCurry, Gregory Crewdson, David Lachapelle, Gottfried Helnwein, Caspar David Friedrich und Hieronymus Bosch beeindrucken mich, um nur einige Künstler zu nennen.

Sind Arbeiten von dir im Internet zu finden?
Fotos von mir finden sich auf folgenden Seiten:

Fotokunst André Wagner

Fotoagentur Nina Rautenberg

Galerie Österreich

Galerie Schweiz

seen.by international fine art

Vielen Dank für das Interview André!

Und nun zur Verlosung. Wenn du eine Ausgabe des Bildbandes Authentic Nature gewinnen möchtest, melde dich bis zum 20.Januar 2009 mit einem Kommentar im Anschluss an diesem Beitrag.

Authentic Nature

Unter allen Interessenten werden zwei Exemplar des Fotobandes verlost. André und ich wünschen euch viel Glück!