04.12.2009 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Manuell fokussieren? Ich tu’s!

Die digitalen Kameras werden immer besser. Mehr Autofokus-Punkte und schnellere Motoren sollen das Fokussieren von Kameramodell zu Kameramodell noch einfacher machen – tun sie ja auch, aber manuell zu fokussieren hat seinen ganz eigenen Charme. Gestern Abend habe ich mich noch mit Steffen darüber unterhalten. Deswegen gibt’s heute ein kleines „Plädoyer“ ans manuelle Fokussieren.

20mm im 4x5-Format

Vollformat-Kameras wie die Nikon D700, die ich nutze, verhelfen MF-Objektiven zu altem Glanz. Täglich benutze ich ein 20mm-Objektiv aus den 1970ern, um Fotos formatfüllend für die Zeitung abzulichten. Eigentlich keine Schwierigkeit, weil die Personen oft sehr still stehen und fürs Foto glänzen wollen. Da fällt das Fokussieren dann noch einfach. Bei Tieren – wie bei dem folgenden Pferde-Foto, das ich mit einem alten 200er fotografiert habe – gestaltet sich das Ganze schon schwieriger. Die halten nicht mal eben still, wenn Du es ihnen sagst. Sie schlagen unvorhergesehen Haken, stoppen und rennen wieder wild los. So war’s es jedenfalls an dem Nachmittag, als ich an einer Pferdekoppel entlang kam. Um von der Naheinstellgrenze bis Unendlich zu fokussieren, muss ich bei diesem Objektiv zwar schieben, schieben, schieben, aber dafür produziert es knackscharfe Fotos schon bei Offenblende.

200mm/f4, 1980er Baujahr

Anders sieht es wieder bei Makros aus. Mithilfe eines M42-Adapters habe ich ein 50er verkehrt herum an meine Kamera gesetzt. So kann ich es als Makro-Objektiv nutzen. Die Schwierigkeit beim Fokussieren besteht darin, freihand den Schärfepunkt zu halten.

50mm als Makro via M42-Adapter

Interessanter wird es mit einem Lensbaby Composer. Die Schärfe kann man selbst von links nach rechts oder von oben nach unten verschieben. Gleichzeitig muss noch aufs Objekt fokussiert werden. Während des Serengeti-Festivals – einer Musikveranstaltung – stand ich ganz nah an der Bühne und versuchte, die Musiker einzufangen.

Lensbaby Composer mit Blende 2.8


Das manuelle Fokussieren hat etwas an sich, was sich schwer erklären lässt. Ich selbst bin so verwöhnt vom Autofokus, dass ich mir manchmal gar nicht genug Zeit für das Objekt, das ich fotografiere, nehme. Wenn ich dann aber Hand anlegen muss, dann ist es so, als würde mein Auge selbst fokussieren. Es steuert meine Hand – was vorab einige Übung erforderte – und verhilft mir so auch zu einer besseren Beurteilung des Fotos. Bei bewegten Objekten verhilft es einem zu einer gewissen Antizipation. Man muss Bewegungen erahnen und sich beim Fokussieren darauf einstellen. Wenn der Schärfepunkt dann nicht sitzt, weiß ich jedenfalls, über wen ich mich ärgern muss 🙂

Aber wie hältst Du das?
Fokussierst Du überhaupt noch manuell bzw. hast Du es jemals gemacht?
Ist das nicht etwas, das jeder Fotograf zu jeder Zeit beherrschen sollte – quasi ein Muss?

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Kategorie: Fotogeschichten

Kommentare

Julia sagt:

Meistens übernimmt für mich der Autofokus das fokussieren. Außer in schwierigen Situationen oder eben beim Lensbaby fokussiere ich manuell. Wenn der Autofokus aber irgendwie funktioniert, kommt meist der zum Einsatz. Vermutlich aus Faulheit, andererseits aber auch, weil ich weiß, dass das Motiv dann auch wirklich scharf ist.

yoshi sagt:

schonmal mit einem 1,8er offenblendig fotografiert? das bedeutet Härchen auf der Nasenspitze scharf, Auge unscharf… das schafft kein autofokus so wirklich korrekt und meist langsam…

Stefan sagt:

Ich nutze auch gerne meine alten manuellen Nikkore, denn die Abbildungsqualität ist oft von einem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis geprägt und außerdem bekommen die Bilder gerne einen analogen Touch mit diesen Objektiven.
Bei meinen beruflichen Einsätzen ist aber manchmal sogar der Auotfokus zu langsam…

Ich fokussiere nur noch in Ausnahmesituationen manuell. Fotografieren gelernt habe ich auf einer derart analogen Kamera, die hatte nicht mal einen eingebauten Belichtungsmesser. 🙂 Und natürlich musste da von Hand fokussiert werden.

Aber, diese Kameras ohne Autofokus hatten einen entscheidenden Vorteil: Einen Schnittbildindikator. Hatte ich das Ding in den ersten Tagen gehasst (weil nicht verstanden, ich war damals 10 oder so), habe ich es bald geliebt.

Etwas entsetzt war ich, dass meine nächste SLR eben diesen Schnittbildindikator ab Werk nicht hatte, man verließ sich auf den Autofokus (F-501). Die erste Zeit war eine echte Umgewöhnung. Als dann die nächste SLR ins Haus kam, war Autofokus schon selbstverständlich (F90x). Und heute, mit der D700 – trotz der Fokussierhilfen, die ja auch meine alten Babys schon boten ist es einfach nicht dasselbe. In dem Punkt bin ich wohl hoffnungslos konservativ: wenn manuell fokussieren, dann bitte mit Schnittbild. 🙂

Um mit einer Antwort zu einer Deiner Schlussfragen einzusteigen: Ja natürlich habe ich es jemals gemacht – immerhin habe ich „früher“ auch lange Zeit nur mit einer mechanischen Kamera und MF-Objektiven fotografiert (Nikon FM2 – wobei ich zu der Zeit auch schon analoge AF-Kameras hatte).

An meiner Nikon D300 habe ich mal MF-Objektive ausprobiert, sah darin für mich aber keinen Nutzen, da ich in den Brennweitenbereichen auch AF-Objektive habe. Allerdings stelle ich auch bei den AF-Objektivn unter Umständen manuell scharf, falls es die Situation erfordert, z.B. der AF in seltenen Ausnahmefällen keinen Schärfepunkt findet.

Worauf ich jedoch auch bei der Nutzung des AFs achte, ist die bewusste Wahl des gewählten AF-Messfeldes. Denn schließlich ist daran die Belichtungsmessung gekoppelt und ein „falsch“ gewähltes AF-Messfeld kann die Belichtung versauen.

Anders ist es bei meiner Diana Mini – da stehen mir ohnehin nur vier fixe Scharfeinstellungen zur Verfügung …

P.S. Klasse ist Dein Pferdebild!

Steffen sagt:

Ich fokussiere immer manuell, wenn ich den Liveview-Modus nutze (meist für Makros) . Sonst (fast) immer automatisch.

Rüdi Neumann sagt:

Ich fokussiere eigentlich recht gerne manuell. Etwa 35% meiner Aufnahmen sind Makros, da wähle ich zu 90% MF. Ansonsten ist der Anteil von manuell fokussierten Bildern etwa bei 40%. Wenn Schnelligkeit gefragt ist, kommt natürlich nur der Autofocus zum Einsatz, aber das ist bei mir eher selten der Fall.

manne sagt:

autofokus! kommt selten vor, dass bilder unscharf sind wegen dem fokus…

Auf Deine Frage „Aber wie hältst Du das?“:
Nun früher habe ich nur manuell fokussiert. Dann wollten die Augen bei vielen Bildern nicht mehr so. Also wurde eine Autofokus-Objektiv gekauft. Viele Aufnahmen wurden gemacht, um festzustellen: Es gibt Sachen, die brauchen einen manuellen Fokus.
Zum Beispiel die Augenpartien bei Portraitaufnahmen, aber vor allem wenn ich Abends oder Nachts Fotos mache, da fällt der Autofokus meist aus und man muss wieder manuell die Schärfe festlegen. Ich kann also mit beidem leben, und beides hat seine Berechtigung.

Rainer sagt:

Ich habe viele alte M42er Linsen und muss da natürlich von Hand fokussieren, ein große Hilfe dabei ist die Pentax Sucherlupe (passt auch an andere Hersteller), man erkennt noch die Belichtungswerte im Sucher und das ganze wird um 1,2 vergrößert, hört sich zwar nach wenig an, ist aber wirklich super, auch mit AF Objektiven.

Toby sagt:

Also mit meinem 50 mm 1.8 an meiner D60 muss ich manuell fokussieren. Finde es aber nicht wirklich schlimm. Richtig schnelle Flitzer wie meine Katze fallen dann oftmals aus der Schärfe. Das ist wirklich schwierig. Aber auch da einfach auf einen Punkt fokussieren und wenn sie durchsaust abdrücken. Klappt oftmals sehr gut.

Jens Dittmar sagt:

Meine Makrofotos sind fast ausschließlich manuell fokusiert.
In anderen Bereichen verwende ich meistens den Autofokus.

Allerdings liebäugle ich zur Zeit mit einem Manuellen Objektiv und dazu einer KatzEyes Mattscheibe für meine D300 mit Schnittbildindikator.

Uli sagt:

Als Brillenträger ist manuell fokussieren für mich nicht wirklich spannend, da ich dann halt das Motiv net scharf drauf bekomme, wenn ich es scharf fände. Und leider bietet die Kamera nicht meine Brillenschärfe am Sucher. Daher nur wenns sein muss (Dunkelheit oder wenn der Autofokus das falsche scharf stellt…).

Andreas sagt:

Ich verlasse mich auch meistens auf den Autofokus. Er ist meist einfach besser als mein krummer Blick. Nur wenn die Kamera unfähig ist meinen Wunschfokus zu wählen, helfe ich manuell nach.

bee sagt:

Derzeit fast nur noch manuell – ganz einfach, da meine D40x weder beim 50mm noch beim Makro den Fokus ansteuern kann. Meist empfinde ich das als positiv, weil man sich wirklich mit dem Motiv beschäftigt. Aber manchmal (z.B. bei einem Konzert) finde ich das nervig, da möcht ich Momente abpassen und nicht hoffen, dass die Schärfe da liegt, wo ich es möchte.

Sam sagt:

Ich fokussier viel manuell, vor allem wenn es keine Schnappschüsse sind sondern sorgfältig komponierte Einzelbilder.

Schnittbildindikatoren fand ich allerdings schon immer nervig, bei meiner Uralt-Nikon vor über 20 Jahren fand ich den schon störend, und war froh, dass endlich nicht mehr dieser Fleck im Blickfeld war.
Hatte dann probehalber nochmal einen Schnittbildindikator für meine erste DSLR (Pentax), hab den aber schnell wieder abgestossen, ich komm mit der Mattscheibe besser klar.

Renee sagt:

ich fokkusiere nur manuell.
seit ich die festbrennweiten habe (beides MF Objektive) finde ich das ein schönes gefühl, dass ich mich mit der schärfe und dem einfangen des objektes auseinander setzte.
gerade bei bewegten objekten finde ich es als anreiz, um schnelle entscheidung über blende und belichtung zu treffen, dann noch drhen, drehen, drehen und im rechten augenblick einfrieren – zack …
allerdings prüfe ich seit dem jedes bild auf dem display, ob es ok ist …

Guido sagt:

An DSLRs mit APS-C-Sensor ist es kaum möglich, im vergleichsweise kleinen Sucher mit Standardmattscheibe manuell exakt zu fokussieren. Da bleiben nur 2 Möglichkeiten:
1. Liveview mit Maximalvergrößerung
2. Mattscheibe gegen Schnittbild-/Prismenmattscheibe tauschen.
An Vollformatkameras mit ihrem größeren Sucher sieht die Sache besser aus.

Was auch noch gegen einen manuellen Fokus spricht: Moderne Objektive haben zwar auch einen Modus für den manuellen Fokus. Im Gegensatz zu vielen alten Objektiven ohne Autofokus ist aber häufig der Drehbereich kleiner (d.h. der maximale Weg von einem Anschlag zum anderen). Mit einer relativ kleinen Drehung verschiebt man den Fokus schon recht stark. Das macht die Sache schneller, aber nicht genauer.

Jan sagt:

Manuelles Fokussieren? Ich kenn es eigentlich gar nicht anders. Angefangen hab ich mit einer Praktica SR und über Jahre immer nur manuell fokussiert; geht ja nicht anders. Und nach zwei Autofokus-Canon-SRs bin ich wieder bei Praktica gelandet. Und warum auch nicht? Manuell ist schneller, als jeder Autofokus! Letzterer weiß nämlich nicht, welchen Bereich ich scharf haben möchte und bevor ich anfange mit den Sensorfeldern rumzuspielen oder den Fokus woanders aufzunehmen und zwischenzuspeichern, hab ich dreimal den Schärfering gedreht.

Horst Böcher sagt:

Hey Leute – ich habe mal ne Frage bezüglich Auto – und mauell Fokus insbesondere bei Nacht: Ich bin auch einer derjenigen, der oft mit dem autofokus auf die Nase gefallen ist, weil es bei meiner Cam (Olympus E510) ziemlich lange dauert oder gar nicht funktionert, auch wenn ich zum Beispiel auf Gesichter den Fokuspunkt lege.

Ich würde gerne mit manuellem Fokus arbeiten – aber wie mach ich das bitte, wenn ich gar nicht durch den Sucher sehe, ob mein Bild scharf ist?

Kann sein dass dies eine dumme Anfängerfrage ist – aber mich beschäftigt sie zumindest 😉

Habt ihr n tipp für mich?

lg Horst

Steffen sagt:

@Horst: Bei meiner Kamera kann man in das Livebild auf dem Display „hineinzoomen“. So erkennt man besser, ob das Bild scharf ist.

Sam sagt:

Im Endeffekt gibt es aber nur einen echten Weg:
üben!

Die verschiedenen Kameras haben teilweise sehr unterschiedliche Sucher, von der Qualität her: bei manchen ist es ein besserer Tunnel, bei anderen ist er heller und größer, und im Vollformat ist er nochmal größer.

Dazu gibt es Mattscheiben, mit denen es sich einfacher fokussieren lässt. Manche schwören auf Schnittbildscheiben oder Mikroprismen, ich mag sie nicht, ich mag lieber etwas gröberes und dunkleres Glas, das finde ich hilfreicher.

Was mir noch zum Thema einfällt: Einige Objektive sind in meinen Augen recht „manuell unfreundlich“. Nämlich dann, wenn eine Drehung am Fokusring zu direkt übertragen wird. Dann ist feines Justieren manchmal etwas nervig.

Besim sagt:

Ja, es gibt noch viele Dinge beim manuellen Fokussieren zu beachten. Super, dass ihr eure Erfahrungen mit einbringt. Das sollte man vielleicht für eine Ergänzung oder Weiterführung des Artikels nutzen. Ich mache mir da mal Gedanken.

Stephan sagt:

Natürlich benutze ich mit den DSLRs meistens den Autofocus, besonders, wenn es schnell gehen muss, aber ich habe meine Dynax 7D schon häufig via Adapter mit Pentacon-Objektiven (M42) bestückt, besonders, wenn ich bei Offenblende sehr viel Bokeh haben will.

Darüber hinaus benutze ich auch einige analoge Kameras, wie eine Kiev 88 oder eine Zenit ET und dort gibt es keinen AF, die manuelle Scharfstellung ist also eine Selbstverständlichkeit.

MF gehört aber auch für eingefleischte AF-Nutzer unbedingt zum Handwerkszeug, denn irgendwann am Abend ist es zu dunkel für den Autofocus und man MUSS manuell arbeiten – dann sollte man es beherrschen.

Markus sagt:

Ich fotografiere wohl zu 90% mit manuellem Fokus.
Zum einen werden es immer mehr manuelle Objektive die ich kaufe, und zum anderen mache ich gerne auch Infrarotaufnahmen, da geht bei meiner umgebauten Kamera der AF nicht mehr.
Mit Autofokus-Objektiven manuell zu fokussieren empfinde ich als Strafe:
Oft einen unergonomischen Einstellring, und dann noch das insgesamt schlechtere Feeling bei den AF Objektiven.

Florian sagt:

MF ist sicher in manchen Situationen angebracht, beherrschen sollte man es schon, nur ist es bei mir eher umgekehrt wie bei Markus, 90% Autofokus, auch ich habe wohl nicht den „optimalen Blick“…

Kheldour sagt:

Wenn’s quick and dirty sein muss, dann nehm ich meine AF-Scherben mit. Aber wenn ich Zeit habe und das Fotografieren geniessen will, dann kommen nur meine alten manuellen Gläser mit.

Ich fotografiere schon seit 40 Jahren und „damals“ gab’s noch keinen Autofokus. Und nur Film. Da war Fotografieren noch Handarbeit. Heute ist viel mehr Trial&Error dabei. wenn’s nix geworden isr, wird’s eben wieder gelöscht.

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