11.06.2010 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Mittendrin im Schützenverein

Vor einiger Zeit hat Birgit Fischer (Facebook) davon berichtet, dass sie einen Schützenverein für ein Jahr fotografisch begleitet hat. Wir finden diese Idee so spannend, dass wir Birgit gebeten haben, einen kleinen Erfahrungsbericht über dieses Projekt zu schreiben. Zudem hat sie ein Buch mit ihren Fotos veröffentlicht. Der Einblick in die traditionellen Strukturen, die so einen Verein ausmachen, finde ich sehr interessant. Birgits Fotos haben einen schönen Dokumentationscharakter.


Mein Schlüsselerlebnis hatte ich, als ich per Zufall über einen Schützenumzug stolperte, beeindruckt vor der Beharrlichkeit, die diese ausstrahlten, während sie durch absolut widriges Wetter (Regen, Kälte und Wind ) marschierten. Ich erinnerte mich, dass der Schützenverein in meiner Kindheit und Jugend in unserem Dorf stets eine große soziale Rolle gespielt hatte.
Davon inspiriert wollte ich mich an die Reportage-Fotografie machen, bisher hatte ich keinen Schimmer, wie ich vor gehen würde, da mich diese nie besonders gereizt hat. Sie war mir immer zu subjektiv.

Kurzerhand nahm ich Kontakt auf zu einer Bruderschaft in unserer Nähe, ich wurde herzlichst empfangen, auch wenn man sich bestimmt insgeheim über meinen Wunsch wunderte, die Bruderschaft ein ganzes Jahr lang zu begleiten. Mit so viel Freundlichkeit und so wenig Scheu hatte ich gar nicht gerechnet !
Ich begleitete die Schiesswettkämpfe, das Training der verschiedenen Altersklassen, lernte Jung und Alt und deren Beweggründe kennen.
Mir ging es dabei nicht vordergründig um „Glaube, Sitte und Heimat“, sondern vielmehr um die Umsetzung meiner Vorstellungen, wie ich mittels der Fotografie den Sinn des Schützenwesens in die „Außenwelt“ transportieren kann.

Das Erlebte und Gesehene hat mich beeindruckt und hinterlässt bei mir eine große Genugtuung bezüglich meiner Arbeit, die ich sehr gerne gemacht habe.
Dies hat meine künstlerische Sicht nicht beeinflusst und ich glaube, meine Vorstellung und Ideen mit den mir damals (2009) zur Verfügung stehenden Mitteln gut umgesetzt zu haben.

Am Ende des Jahres Stand ein großes Schützenfest, das bildete den optimalen Schlusspunkt für meine Arbeit. Ich plante ein Buch zu erstellen, doch sah ich mich einer unmöglich großen Menge Fotos gegenüber und hatte auch plötzlich keine Lust mehr. Ich ließ es also ruhen.
1 Jahre später, rechtzeitig zum nächsten Schützenfest stellte ich mich der Arbeit, wählte aus, bearbeitete, wählte wieder aus usw.

Das Fotobuch habe ich mit der Software von Saal Digital erstellt, da ich dort auch meine Fotos ausbelichten lasse und diese als einzige mein Wunschformat und echtes Fotopapier anbieten, zu einem annehmbaren Preis (21×21, hardcover, 56 Seiten -39,90 Euro)
Die Quallität ist wirklich ausgesprochen gut, ich habe schon einige Fotobücher machen lassen, aber dieses hier ist mit Abstand das Beste.
Ich bestellte an einem Mittwochabend vor einem Feiertag und samstags hatte ich die Bücher bereits in der Hand. Die Schützen haben direkt mal 10 bestellt, ohne das Buch vorher gesehen zu haben!

Es sollte eine Überraschung werden, doch brauchte ich den Brudermeister, um zu die Namen zu redigieren.
Beim Schützenfest selber (welches ich besuchen MUSSTE) wurde ich von allen Seiten angesprochen und bekam einen riesen Blumenstraus und einen tollen Restaurantgutschein für zwei.
Es war mir unangenehm, so im Mittelpunkt zu stehen und ich denke gern an die Zeit zurück, in der ich hinter Stativ und Kamera unsichtbar für die Schützen wurde.
Ich kann jeden nur ermutigen solch ein Langzeitprojekt einmal anzugehen, es schult ungemein die eigene Disziplin und man bekommt tolle Einblicke, die einem als Außenstehenden sonst verborgen bleiben.

Bei Google empfehlen:

Kategorie: Fotogeschichten
%d Bloggern gefällt das:
© 2007 - 2018 lens-flare.de – Fotografie Blog is proudly powered by WordPress.