06.10.2010 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Reise durch eine (un)bekannte Welt

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“, heißt es in Goethes Faust. So ergeht es mir seit 30 Jahren. Nur sehnt sich die eine Seele nicht nach derber Liebeslust und hebt die andere sich nicht nach Gefilden hoher Ahnen – meine zwei Seelen schlagen für ein- und dasselbe: Die Heimat. Die habe ich seit jeher sowohl in Deutschland als auch im Kosovo. Vor zehn Jahren, kurz nach dem Kosovo-Krieg, stattete ich meiner großen Verwandtschaft, die in der geteilten Stadt Mitrovica lebt, meinen letzten Besuch ab. Jetzt komme ich gerade von meiner kleinen Reise in die Vergangenheit wieder und weiß noch nicht, wie ich die Worte finden soll, die mein Seelenleben widerspiegeln können. Deswegen habe ich viele Fotos mitgebracht, um das Leben in der Stadt, ihre Menschen und ihre Eigenheiten während meines einwöchigen Aufenthalts festzuhalten. Mit dabei hatte ich zwei Objektive des Online-Miet-Dienstes LensAvenue.com, von dem ihr am Freitag in einem eigenen Artikel ein paar Neuigkeiten erfahrt.

Unterwegs war ich mit meiner D700, dem Nikkor 24-70/2.8 und dem Nikkor 85/1.4 – eine Kombination, die sich als perfekt für die Reise herausgestellt hat. Vor allem das 24-70er hat sich perfekt als Reportage-Begleiter gemacht. An einem Tag bin ich ausschließlich durch die Geschäfte gelaufen. Das kaum vorhandene Arbeitsleben – alle tun etwas, aber es gibt keine Beschäftigung in Firmen etc. – hat mich besonders interessiert. Ob Bäcker, Fleischer, Gemüse-, Holz- oder Imbissverkäufer – jeder Kosovare versucht, ein paar Euro für sich und seine Familie zusammen zu kriegen. Bei den Löhnen muss an jeder Ecke gespart werden. Meine Cousins und Cousinen arbeiten bis zu zehn Stunden am Tag. Fünf Euro bekommen sie dafür. Am Ende des Monats verdienen die meisten nicht mehr als 180 Euro.

Vieles ist seit meinem letzten Besuch so geblieben, wie es immer war. Eine Menge Hunde und Katzen laufen frei herum – Haustierhaltung, wie sie bei uns üblich ist, kennen dort nur wenige – und suchen sich ihr Futter im Abfall, von dem genug an den Gehwegen liegt. Ein französischer Soldat erzählte: „Wenn die Kosovaren ihre Straßen genauso sauber halten würden, wie ihre Häuser, wäre Mitrovica eine der schönsten Städte.“ Er hat Recht. Überall wird geraucht. Als ich das Foto des Fleischers vor seinen Würsten machte, wurde ich plötzlich nach hinten gebeten. „Komm mal mit. Wir zeigen Dir, was Du fotografieren kannst“, hieß es stolz. Der Fleischer zerteilte Rindfleisch, die Zigarette nahm er aus dem Mund und legte sie selbstverständlich auf den Tisch neben das Fleisch. Nirgends gibt es eine richtig asphaltierte Straße. Gullideckel sucht man vergeblich. Bei jedem Schritt ist Vorsicht angesagt. Es gibt Ampeln, aber auf der Straße folgt jeder seinen eigenen Regeln. Kein Wunder, denn Führerscheine gibt es für 300 bis 500 Euro zu kaufen – je nachdem, wie gut man handelt. Selbst die Polizisten fahren mit dem Handy am Ohr Auto, wollen Dir aber 35 Euro abknüpfen, wenn Du die Straße nicht beim Zebrastreifen überquerst.

Da meine andere Seele noch über 2.000 Kilometer entfernt weilt, lasse ich jetzt noch ein paar Bilder sprechen, auch wenn noch so viel zu erzählen wäre. Auf jeden Fall habe ich ein neues Projekt für mich gefunden, das mich wohl mein ganzes Leben begleiten wird: (Mein) Kosovo.
Mehr über die Bildbearbeitung der Fotos erzähle ich euch morgen.




















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Kategorie: Fotogeschichten
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