21.10.2009 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Unschärfe ist das neue Schwarz

Was die Farbe Brombeere zu dieser Jahreszeit für den Mode-Herbst ist, ist für mich die Unschärfe – nämlich ein Trend. Die Idee, etwas zu defokussieren und dadurch noch eindringlicher darzustellen, ist in der Geschichte der Fotografie sicherlich kein neuer Ansatz – ich habe es aber neu für mich entdeckt.
Seit knappen zwei Jahren fotografiere ich jetzt mit Leidenschaft und bin dabei durch allerlei Hochs und Tiefs gegangen. Vor ein paar Monaten habe ich eine Szene das erste Mal bewusst unscharf dargestellt und Gefallen daran gefunden.



Kettenkarussell

Es ist ja nicht so, dass sich dieses Mittel für jede Szene eignet, aber als ich vor ein paar Tagen über die Kirmes gegangen bin und die Sonne gerade unterging, dachte ich mir: In den Lichtern ist doch viel mehr drin, wenn ich sie unscharf stelle.
Und das ist gar nicht so leicht. Ich habe den Fokusring des 50mm etliche Male um wenige Millimeter gedreht, bis ich die richtige Kombination aus Detailreichtum und Unschärfe heraus hatte.



Der Musik Express

Zuhause kam mir dann die Idee, Zitate in die Fotos zu packen, die das, was die Fotos ausstrahlen, noch mal unterstreichen – eine Technik, an der mir seit diesen Fotos sehr viel liegt.

Sind wir nicht alle ein bisschen psycho?

Aber wie siehst Du das?
Ist Unschärfe ein Stilmittel?
Wird Schärfe überbewertet?
Oder ist Unschärfe einfach nur ein Zeugnis von Unvermögen?

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Kategorie: Fotogeschichten

Kommentare

Ben sagt:

Die Fotos gefallen mir sehr gut, besonders die kräftigen Farben. Knallt schön.
Finde auch, dass Unschärfe (natürlich!) ein Stilmittel ist. Außerdem hast Du ja selbst geschrieben, dass Du einige Zeit gebraucht hast den richtigen Unschärfe-Grad zu finden – was sollte das also mit Unvermögen zu tun haben? Ich wage die These, dass gute Unschärfe schwieriger zu machen ist, als eine komplette Schärfe.
Wobei ich ehrlich sagen muss, dass mir im zweiten Bild schon ein scharfes Objekt fehlt. Dadurch das alles verschwommen ist, kann man sich kaum auf etwas konzentrieren sondern irrt nur mit den Augen darauf herum.
Grüße!

mahom sagt:

Unschärfe als Stillmittel. Ja! Was soll es sonst sein?

Die Idee mit den Zitaten erleichtert das eindringen in das Bild. Ohen würde enfach etws fehlen und ich würde meinen, dein Objektiv sei kaputt.

Im Richtigen Bild und mit der richtien Aussage kannst du machen was du willst: scharf, überschärfen, Unscharf, schwarz, weiß, …. Alles erlaubt!

Sahne sagt:

Ich finde auch, dass ein Motiv nicht immer scharf sein muss. Gerade wenn man von dem „normalen“ abweicht, dann kann das Bild seinen eigenen Charme entwickeln. Von deinen Bilder gefällt mir das erste sehr sehr gut! In scharf wäre diese Wirkung einfach nicht zustande gekommen. Das zweite ist ganz in Ordnung.
Das letzte ist aber nicht so ganz mein Fall. Ich finde das sieht in dem Fall eher nach nicht richtig scharf gestellt, oder beim belichten verwackelt aus.

Ich glaube generell muss ich mal mehr mit der gesamten Unschärfe arbeiten. Bisher habe ich da noch nicht viel probiert.

basti sagt:

Konnts ja auf flickr schon bewundern. Ich finds klasse. Hab auch schon mal damit rumprobiert und eigentlich gute Ergebnisse erzielt. Wär eigentlich mal wieder was.

Unschärfe ist klar ein Stilmittel. Sie passt aber auch wie jedes Stilmittel nicht immer und irgendwie muss man auch das Auge dafür haben, was du definitiv hast. Denn ich denke auch, dass gute Unschärfe viel schwerer zu machen ist, als Schärfe. Man kann nun mal nicht so einfach unscharf sehen.
Zu den Zitaten auf den Fotos: Find ich normalerweise nicht gut. Sie zerstören meistens den Bildeindruck. Andererseits können sie – gut gemacht – dem Bild auch noch einiges hinzufügen Hier passen Sie. Man hat den Eindruck, du hast extra Platz dafür gelassen 😉

Ansonsten sind die Farben auf allen Bilder klasse. Beim letzten muss ich aber meinem Vorredner Recht geben. Hier ist die Leuchtschrift fast zu scharf 😉

Steffen sagt:

Besims Fotos gefallen mir gut. Ich habe sowas selber noch nicht probiert. Was ich aber auch sehr gut finde, wenn ein kleiner Teil des Bildes scharf ist, so wie bei den Fotos von Siebe Warmoeskerken.

Tobias sagt:

Wow! Richtig tolle Bilder. Genau mein Geschmack.

> Ist Unschärfe ein Stilmittel?
Solange sie gewollt ist, klar.

> Wird Schärfe überbewertet?
Ja, eindeutig. Ein von vorne bis hinten scharfes Bild spricht mich nicht so sehr an.

> Oder ist Unschärfe einfach nur ein Zeugnis von Unvermögen?
Auch das, aber der Unterschied zwischen gewollter, als Stilmittel eingesetzter, Unschärfe und Unvermögen oder Ausrutscher etc. ist ja zum Glück oft sichtbar.

Marc sagt:

Ich persönlich mag das erste sehr… das zweite nich so und das dritte is wieder ganz ok.
Ist eben schwierig wegen den Schriftzügen. Das mit den Zitaten ist eine tolle Idee!
Auf jeden Fall mal einen Versuch wert, auch wenn ich eher auf knackscharfe Bilder stehe 😉

Renee sagt:

eine bloggerfreundin meinerseits hat vor kurzen zu einer fotoaktion aufgerufen …
http://freidenkerin.com/2009/10/07/peng-startschus-fur/
das deine erfahrung deckt 😉
eigentlich war es ein jux und mittlerweile sind soviel interessante unsharpbilder entstanden, dass ich es sogar als kunst-(stil)-mittel bezeichne.

Zippo sagt:

Normalerweise wertet hinzugefügter Text ein Foto eher ab, da er vom Bild ablenkt. In diesem Fall ist der Text jedoch sehr wertvoll, weil er Orientierung für das Auge bietet, sozusagen ein künstlich hinzugefügter Fokuspunkt. Das Endergebnis sind jedenfalls Bilder mit überraschender und eindringlicher Wirkung.

Viele Grüße von Zippo

Jan sagt:

Ein komplettes Foto unscharf zu machen ist für mich fragwürdig. Es gibt definitiv Situationen, in denen das gewollt ist und Sinn ergibt, aber das sind doch überwiegend Fälle, in denen man mit dem unscharfen Foto irgendetwas größeres illustrieren will, z.B. einen Artikel (die Fotos oben würden z.B. hervorragend in Artikel über Rummelplätze, Glühlampen, Lichtorgeln oder Unschärfe passen oder als Illustration auf Kirmesbeleuchtungsherstellerwebseiten gut aussehen). Ich finde, so für sich allein sind die Fotos oben ganz nett, aber völlig ohne Aussage – außer die Aussage ist: „Wo ist meine verdammte Brille hin?“
Unschärfe als Stilmittel wird doch eigentlich eher dafür verwendet, um auf etwas spezielles hinzuweisen, den Blick des Beobachters auf etwas zu lenken. Hätte man, wie Steffen vorschlägt, einen kleinen Bereich scharf gelassen, wäre viel mehr Potential drin und mehr Spannung und etwas zum ansehen.
Wenn ich die Bilder oben sehe, denke ich an Fielmann-Werbung oder eine Bundeskampagne gegen übermäßigen Alkoholgenuß, wofür diese Fotos ausgezeichnet geeignet wären, keine Frage. Aber eigentlich bin ich geneigt die Augen zu kneifen, um schärfer zu sehen und nach einer Weile gebe ich auf, denn es ist einfach nichts konkretes zu erkennen und damit auf den Fotos auch nichts zu erkunden und zu entdecken.
Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung.

Ab und zu bearbeite ich Fotos mit Photoshop und wenn ich dann das Scharfzeichen nutze, gefällt mir das Bild irgendwie besser. Ich mag allgemein kontrastreiche Bilder, wobei diesen extrem unscharfen Grafiken auch etwas für sich haben.

Daniel sagt:

Schärfe wird überbewertet. Klar gibt es Fotos, die knackscharf sein sollten (z.B. Portraits, Tiermakros…) aber in erster Linie muß ein Foto „knallen“, es muss wirken, und dabei ist es doch sekundär, warum es wirkt (und sei es durch absolute Unschärfe)…

manuel sagt:

für mich nicht nur ein trend. es ist ein stilmittel.
die ersten beiden fotos finde ich sehr gut, das letzte ist zu „scharf“, das sieht mehr nach unvermögen aus.
zu den zitaten: gehören auf KEINEN fall ins bild. bei werbung wäre das ok, bzw normal. ansonsten gibts sowas nur bei esotherikquatsch. das soll nicht heißen, das es nicht sinnvoll ist, die bilder durch eine weitere aussage aufzuwerten. gerade bei unschärfe, da es viel schwerer ist eine botschaft zu transportieren, aber darunter ist auch noch platz!

Frau Doktor sagt:

Ich finde die Fotos sehr schön. Nun da ich gerne Fotos bearbeite, ja ich weiss nicht alle halten etwas davon 🙂 halte ich gerade Unschärfe für ein ganz wichtiges Stilmittel. Tiefenschärfe, Schärfeverlauf bestimmen oft die Wirkung eines Fotos. Hier natürlich auch noch die Farben, sehr genial und man muss es sicher gut können dies so passend zu fotografieren 🙂
Aber immer muss es zum Motiv passen, denke ich. Die Texte sind auch sehr passend, sehr zurückhaltend, beeinflussen das Motiv nicht. Nun hier würde ich vermutlich mit Rahmen arbeiten und den betexten. Aber hier gefällt mir das so sehr. Danke für den Beitrag 🙂

Besim sagt:

Wow, Eure Meinungen zum Thema Unschärfe sind wirklich breit gefächert – egal, ob positiv oder negativ. Das Thema sollte man mit diesem Artikel auf keinen Fall abtun, glaube ich. Ich überlege mir mal, wie man das Thema noch mal auffrischen und eventuell mit Euch zusammen auf irgendeine Weise umsetzen kann.
Vielen Dank für die zahlreichen Meinungen!

Peter Stenzel sagt:

Hallo Besim,
auch ich habe in letzter Zeit versucht Unschärfe bewußt als Stilmittel einzusetzen. Ganz schön schwer! Dabei habe ich zwei Techniken eingesetzt: einmal durch Drehen am Zoom einen unscharfen bis scharfen Bereich erzeugen, zum anderen in Verbindung Drehen am Zoom unscharfe Bilder erzeugen und durch Blitzen auf den zweiten Vorhang scharfe Bilder dazu erzeugen. Bei allen Bildern waren diejenigen mit kräftigen Farben die Besten.
Lieder weiß ich nicht wie ich Beispiele hochladen kann.
Ich freue mich, das Unschärfe auch andere Liebhaber findet.

Gruß aus Achim von Peter

Martin Wolf sagt:

Bilder sind großartig und ich mag das Stilmittel sehr. Werde ich selbst auch bei passender Gelegenheit mal anwenden.

Ulli sagt:

Ich finds auch klasse. Die Farben knallen und man sieht also schon, dass die Unschärfe Absicht (=Stilmittel) war. Wäre sicher auch was tolles für Weihnachtskarten 🙂

Shockmotion sagt:

Mir gefallen die Fotos extrem gut! Die Unschärfe als Stilmittel ist immer so eine Sache. Aber hier passt es wirklich hervorragend. Die Zitate passen bei Bild 1 und 2 auch sehr gut. Nur beim 3. Bild stört es mich, da es vom dem eigentlichen Text vom Bild ablenkt. Schöner Artikel und gelungener Einstand!! 🙂

Florian sagt:

Ich muss wieder meckern, denn mir gefällt ehrlich gesagt keines der Bilder.

> Ist Unschärfe ein Stilmittel?

Ganz klar: ja.

> Wird Schärfe überbewertet?

Meiner Meinung nach nicht. Das Bild muss nicht vollkommen scharf sein. Im Gegenteil. Ich liebe unscharfe Bereiche in Fotos, aber ich brauche zumindest irgend einen scharfen Punkt.

> Oder ist Unschärfe einfach nur ein Zeugnis von Unvermögen?

Das nicht, aber für mich ein verzweifelter versuch ein sonst langweiliges Bild irgendwie zu retten. Wie gesagt, nur meine persönliche Meinung und nicht böse gemeint. 🙂

freidenkerin sagt:

Unschärfe kann in jedem Fall ein Stilmittel sein, mit welchem die Aussage eines Fotos noch unterstrichen werden kann, z. B. durch das Hervorheben von Bewegung und Dynamik…
Nachdem ich vor Kurzem meine Cam-Unsharp-Aktion gestartet hatte, die ja nur als Scherz gedacht gewesen war und ihren Ursprung in einer flappsigen Bemerkung hatte, bin ich überrascht, wie viele dieser Fotos nun mittels Links alleine auf meinem Blog zum Vorschein gekommen sind.
Auch wenn man als blutiger Amateur unbeabsichtigt ein Bild „verwackelt“ bzw. unscharf einstellt, man sollte es ich in jedem Falle reiflich überlegen, ob man dieses wirklich löschen möchte/sollte.
Liebe Grüße!

Benni sagt:

> Meiner Meinung nach nicht. Das Bild muss nicht vollkommen scharf sein. Im Gegenteil. > Ich liebe unscharfe Bereiche in Fotos, aber ich brauche zumindest irgend einen scharfen > Punkt.

So gehts mit auch. Ist denke ich ein großer Unterschied und von der Herangehensweise nicht zu vergleichen, wenn man bewusst mit scharfen und unscharfen Elementen arbeitet oder einfach per Zufall ein „gutes“ unscharfes Bild macht.

Wie sagt Nietzsche: „Zufall ist selber nur das Aufeinanderstoßen der schaffenden Impulse.“

1fips sagt:

Hallo!
Ich finde die Bilder sehr gut. Die vollständige Unschärfe unterstützt die wunderbare Farbigkeit, die hier ja eindeutig die wichtigste Rolle im Bild spielt. Außerdem übermittelt sie für mich genau dieses überwältigende Gefühl von Reizüberflutung und Orientierungslosigkeit auf einem Rummel.
Die Zitate sind nur ein Zugeständnis an die „Lesbarkeit“ und sollten deshalb maximal unter dem Bild stehen.
glückwunsch!

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