15.06.2010 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Von der DSLR zur Leica M9



Vor kurzem habe ich unseren Leser Tobias Gaulke (Flickr) etwas näher kennen gelernt. Er findet unsere Lightroom-Filmvorgaben so gut, dass er uns eine kleine Spende zukommen lassen hat. Als ich hörte, dass er gerade seine DSLR gegen eine Leica M9 getauscht hat, wurde ich hellhörig. Ich bat ihn, zu berichten, was ihn dazu bewogen hat und wie seine Erfahrungen sind. Im Folgenden könnt ihr lesen, was Tobias dazu sagt.

Leica M9 (camera porn)



Auch wenn die Fotografie für mich eine künstlerische Ausdrucksform ist und das kreative Schaffen mir immer sehr wichtig war, sind die technischen Aspekte nicht zu unterschätzen. Das beginnt mit dem Beherrschen der grundlegenden Parameter wie Blende und Brennweite, geht über Motivwahl und Bildkomposition bis hin zum passenden Equipment, das mich idealerweise beim Fotografieren unterstützt und mir nicht im Wege steht.

Ich konnte mit der Zeit von der kompakten Kamera über analoge Kameras unterschiedlichster Couleur bis hin zur professionellen DSLR alles ausprobieren, mit mehr oder weniger zufriedenstellenden Ergebnissen. Seit 2006 verfolge ich mein Hobby etwas seriöser und fotografiere seitdem ausschliesslich mit Canon DSLRs, zunächst mit der Canon EOS 400D, danach folgte der Umstieg auf die Canon EOS 5D Mark II.
Mit beiden Kameras und den eingesetzten Linsen war ich bezüglich der kreativen Möglichkeiten sehr zufrieden, aber ich sehe, je länger ich mit DSLRs fotografierte, mehrere Probleme:

– Oft habe ich oft das Gefühl, die Kamera übernimmt für mich zuviele Details beim Entstehen eines Bildes, gleichtzeitig bin ich z.B. auf den Autofokus angewiesen, da das manuelle Fokussieren selbst im grossen Sucher der 5D Mark II nicht wirklich praktikabel ist.
– DSLRs bieten mir viel zu viele Optionen, die ich nie nutze (mein Lieblingsbeispiel: Video. Was soll ich als Fotograf mit einer Videofunktion?) – von den gefühlten 101 Menüs und Untermenüs ganz zu schweigen, deren Sinn sich mir nie erschlossen hat, obwohl ich bestimmt kein Technikmuffel bin.
– Bei der Landschaftsfotografie z.B. in den Bergen ist das DSLR Equipment oft zu sperrig und zu schwer, um es auf längere Touren bequem mitnehmen zu können. Die 5D Mark II kommt in Kombination mit meinem bevorzugten Objektiv, dem Canon EF 24-70mm f/2.8 auf gute 1.8kg. Das ist für längere Gebirgstouren nicht sehr angenehm.
– Beim Fotografieren auf der Strasse ist eine große DSLR wie die 5D Mark II alles andere als unauffällig und das letzte, was ich beim Fotografieren brauchen kann, sind „Gaffer“. Zugleich wirkt die wuchtige Kamera auf manche Leute regelrecht abschreckend.

magic light

So kam bei mir der Wunsch auf, eine Kamera zu finden, die sich auf das Wesentliche beschränkt, wobei sie in Sachen Bildqualität und Bedienkomfort einer DSLR ebenbürtig und dabei nach Möglichkeit kleiner, leichter und unauffälliger sein sollte.

Über Erfahrungen mit den Kameras befreundeter Fotografen und durch ausgiebiges Nachlesen im Internet verdichtete sich meine Idee, dass eine Leica M9 vielleicht das Richtige wäre. Sie erfüllte meine wichtigsten Ansprüche – sie ist klein, leicht und leise – verfügt über einen Vollformatsensor und der angebotene Objektivpark gilt als exzellent. Und zugegeben, ich fand die M9 auch eine recht sexy Kamera, die von einer Aura der langen Fotografie-Tradition umgeben ist.

Meine Recherchen im Internet ergaben aber auch, dass der Unterschied zur Spiegelreflexkamera nicht zu unterschätzen war: kein Autofokus, hochwertigere aber auch teurere Linsen und bei den Bodies ein Preisniveau bei dem mir schwindelig wurde. Zudem berichten viele Fotografen nach ihren ersten Erfahrungen mit Messsucherkameras von einem mühsamen Weg, bis sie sich mit einer Leica zurechtfinden.

nothing to lose

Trotzdem wollte ich den Umstieg wagen und nachdem ich das nötige Geld angespart hatte, musste ich zunächst feststellen, dass man eine Leica nicht einfach im nächsten Elektromarkt kaufen geht. Selbst die gut sortierten Leica-Fachhändler konnten auf Anhieb nicht mit der M9 dienen. Die Kameras werden in einer Manufaktur in Deutschland hergestellt und es werden für den gesamten Weltmarkt (je nach Angabe) nur 30 bis 50 Stück pro Tag gefertigt. Für manche der Objektive gilt das Gleiche. So musste ich mich, nachdem ich mir meine Entscheidung schon nicht leicht gemacht hatte, weiter in Geduld üben.

Eines schönen Tages konnte dann endlich einer der von mir angeschriebenen Händler, und bei dem ich auf der Warteliste stand, die Kamera liefern und ich war bereit, meine ersten Erfahrungen mit der M9 zu sammeln. Für den Start habe ich mir ein Leica Summicron 50mm f/2.0 dazu gekauft, das ich durch ein 24er oder 35 ergänzen werde.

Die Leica M9
Ein paar Worte zur Kamera selbst: die Leica M9 ist kompakt und vergleichsweise leicht – mit dem Leica Summicron 50mm f/2.0 kommt das Set auf ca. 800g. Wer die Leica mit einer Kompakten vergleicht wird sie als schwer empfinden, das liegt am massiven Metallbody und der insgesamt extrem robusten Qualität – der Maßstab war für mich jedoch die o.g. Canon 5D Mark II.
Die hohe Verarbeitungsqualität der Leica ist auffallend, alles fühlt sich sehr hochwertig und stabil an, nichts wackelt, klappert oder macht sonst einen minderwertigen Eindruck. Optisch ist die M9 sehr unauffällig und wer sich nicht explitzit damit befasst hat, wird sie für eine alte Analogkamera aus den 1960er-Jahren halten. Keiner fühlt sich von dieser Kamera beobachtet oder bedroht – dagegen wirkt die 5D sehr wuchtig, die grossen Linsen kommen für manch einen beängstigend daher. Insofern erfüllt die Leica M9 genau meine Ansprüche.

sit and think

Die M9 im Einsatz
Die M9 ist eine Messsucherkamera. (Wikipedia: „eine Kamera, deren optischer Sucher mit einer Scharfeinstellhilfe ausgestattet ist, die mit der Entfernungseinstellung des Objektivs gekoppelt ist. Dieser Entfernungsmesser ist meist als Schnittbildentfernungsmesser oder Mischbildentfernungsmesser ausgeführt.“) Das Handling sowie der gesamte Aufbau der Kamera unterscheiden sich also wesentlich von einer DSLR. Bauartbedingt können allerdings die von mir erstrebten Vorteile erreicht werden: kleine, leichte Kameras die keinerlei Einbussen bei der Bildqualität haben. Die dazu passenden Objektive sind ebenfalls klein und leicht, bieten dazu jedoch fast keine Verzeichnungen und sind über die gesamte Palette hinweg sehr lichtstark.

Es bedarf am Anfang ein bisschen Übung, mit einer Leica zurechtzukommen. Das manuelle Fokussieren ist gewöhnungsbedürftig, wenn man lange Zeit nur mit einem schnellen Autofokus gearbeitet hat. Jedoch wird duch den „Mischbildentfernungsmesser“ das manuelle Fokussieren optimal untersützt und ich komme erstaunlich schnell damit zurecht – was ich durch den Messsucher sehen kann, lässt sich auch Fokussieren. Durch die am Objektiv angebrachten Entfernungsmarken kann ich meist für ein Sujet bereits eine Voreinstellung treffen und muss diese nur noch durch den Messsucher verfeinern. Das sehe ich als Vorteil gegenüber einem Autofokus, der auch oft mal danebenliegt.

you can tell it to everybody

Das Einstellen der Blende erfolgt am Objektiv selbst an einem Blendenwahlring, was ich sehr praktisch finde. Auch blind lässt sich treffsicher eine passende Blende wählen. Bislang habe ich meist die Belichtungszeitautomatik vorgewählt, dies möchte ich aber mittelfristig auch ändern und auch die Belichtungszeit manuell vorwählen. Auch hier ist durch das feine Einrasten am Belichtungszeitrad eine Bedienung ohne hinzusehen möglich.

Nach meinen ersten kleinen Ausflügen mit der Leica habe ich einen sehr guten Eindruck, ich kann damit in den meisten Situationen Bilder machen, die meinen Erwartungen entsprechen. Die mittebetonte Belichtungsmessung kommt mir dabei entgegen, macht jedoch komplexe Lichtsituationen bei extremen Sonnenschein mit starken Kontrasten nicht sehr einfach.

Da ich immer mit meiner einzigen Linse, dem Summicron 50mm f/2.0, unterwegs bin, musste ich mich auch dabei umstellen. Kein Zoom bedeutet, meine Bildkompostion erfolgt zu Fuß. Ein paar Schritte nach vorne oder hinten, verändern den Bildaufbau wesentlich. Aber auch das gelingt erstaunlich gut und ich bin über die Vielseitigkeit des 50mm erstaunt, sowohl bei der Street Photgraphy als auch bei Landschaftsaufnahmen leistet es hervorragende Dienste.

Nach dem Motto „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ empfehle ich mein flickr-Album mit meinen Bildern, die ich mit der M9 gemacht habe und machen werde.

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Kategorie: Fotogeschichten

Kommentare

Jo sagt:

Träume muss man leben! Und die M9 ist eine Traumkamera, keine Frage. Auch für mich gehört sie in diese Kategorie – schon allein deshalb, weil sie einen reduzierten Funktionsumfang mit Topbildqualität paart. Ganz nach dem Motto: Less is more!

Nur leider, leider teilt mein Bankberater diese Ansicht nicht mit mir…! 😉

Bartoffel sagt:

Wirklich guter Artikel. Die M9 wurde mir nun endlich mal ein wenig verständlicher rübergebracht.

Leider bleibt so eine Kamera reine Wunschvorstellung für mich.

Aber trotzdem toller Flickr-Stream von gato-gato-gato 😉

Martin Wolf sagt:

Schöner Artikel!
Diesen Gedanken habe ich auch immer wieder. Würde die M9 einfach gerne mal für ein paar Tage testen können. Das Risiko alles zu verkaufen und nur noch eine M9 zu haben, die dann vielleicht doch nicht das Richtige ist, ist mir (noch) zu groß. Und selbst beim Verkauf meines Equipments, könnte ich mir die M9 mit Objektiv noch nicht leisten. 😀

Sebastian sagt:

Sehr interessanter Artikel … und schön, Bilder aus meiner alten Heimat zu sehen 🙂

Jan sagt:

Sehr ähnlich sind auch meine Erfahrungen bei der Rückkehr zu den Wurzeln. Allerdings gehe ich noch weiter und bleibe standhaft bei echtem Film anstelle eines Sensors. Ich kann mir auch nur schwer vorstellen, auf den Spiegelreflex zu verzichten, trotz Mischbildentfernungsmesser (in Anführungsstrichen?). Mit einer mechanischen Spiegelreflexkamera, besonders älteren Modellen, hat man ähnliche Vorzüge. Man begnügt sich meist mit drei Festbrennweitenobjektiven für die grobe Entfernung und macht den rest zu Fuß. Natürlich sind auch ISO, Blende und Belichtungszeit an Ringen und Rädchen einzustellen und der Filmtransport erfolgt durch Handarbeit. Alte Modelle sind außerdem auch erheblich kleiner als moderne. Man trägt keine schweren Akkumulatoren mit sich herum und braucht nie Angst zu haben, daß plötzlich kein Strom mehr da ist. Ein Riesenvorteil ist auch die schier unendliche Auswahl an guten und vor allem sehr sehr günstigen Objektiven und Zubehör.
Und das beste: Defekte an Gehäuse und Objektiven kann man selbst beheben. Die lassen sich nämlich leicht komplett zerlegen und wieder zusammensetzen, was bei aktuellen Modellen ausgeschlossen ist.

pixelboogie sagt:

sehr schöner artikel. ich hätt so ein teil auch sehr gern aus den gleichen gründen. ich mag zwar auch grosse und schwere kameras, aber ich habe auch sehr oft das gefühl, dass eine moderne dslr viel zu viele funktionen hat

Laie sagt:

„Seit 2006 verfolge ich mein Hobby etwas seriöser und fotografiere seitdem ausschliesslich mit Canon DSLRs“

Was Deiner Meinung nach impliziert, dass alle anderen DSLRs unseriös anzusehen sind. Eine sehr verwegene Aussage, die ich nicht unkommentiert lassen möchte, ohne der Absicht einen Glaubenskrieg anzuzetteln.

„Nach dem Motto “ein Bild sagt mehr als 1000 Worte” empfehle ich mein flickr-Album mit meinen Bildern, die ich mit der M9 gemacht habe und machen werde.“

Solche Kamera-spezifischen Hinweise entbehren jeder Grundlage, da Du uns den Nachweis schuldest, welche Fotos tatsächlich nativ Out-of-the-Camera gekommen sind und wie viel Aufwand Du ins PostProcessing gesteckt hast. Deswegem und bei allem Respekt vor Deinem fotografischen Können und der Tatsache, dass Du Dir eine M9 leisten konntest, behaupte ich schlicht und ergreifend, dass ich durchaus vergleichbare Fotos mit meiner Ricoh GX-200 machen kann.

Nichts für ungut und weiterhin viel Spaß beim Fotografieren.

Steffen sagt:

@Laie: Kritische Äußerungen finde ich einen Tick authentischer, wenn man sich nicht hinter einem Pseudonym versteckt. Ich habe den ersten Satz übrigens nicht so wie du interpretiert und ich glaube auch nicht, dass Tobias sowas implizieren wollte.

Besim sagt:

@Laie: Kritische Kommentare sind immer gerne willkommen. Wir wollen uns ja austauschen und nicht nur gegenseitig den Bauch pinseln. Ich glaube aber nicht, dass Tobias die Absicht hatte, andere DSLRs als unseriös zu titulieren. Das ist ein Missverständnis. Genauso sehe ich es auch mit der anderen Aussage, die Du kritisierst.

Da nichts entlarvender ist, als das eigene Tun, wie Du schreibst, bekommt der unvoreingenommene Leser schnell den Eindruck, dass Du stänkern möchtest – wahrscheinlich auch gerade deswegen, weil Du keinen richtigen Namen angibst. Hat man ja schon oft genug erlebt. Du musst wissen: Wir haben immer die besten Absichten und sind offen für jede angebrachte und sachliche Kritik.

Laie sagt:

@Steffen: Ich bin etwas erschrocken wie Du hier „kritische“ Kommentarschreiber ansprichst. Ich kann Dir aber versichern, dass ich mich nicht hinter einem Pseudonym verstecke, wenn man einmal von der Tatsache absieht, dass ich nicht mit meinem Realnamen hier schreibe. Sollte es in Deinen Augen eine wichtige Rolle spielen, dass ich bei Facebook und Konsorten vertreten sein muss, um meine Identität zu belegen, so muss ich Dich enttäuschen, da ich weder ein eigenes Blog besitze noch bei diesen Social Irgendwas 2.0 Geschichten angemeldet bin.

Ich hoffe trotzdem, dass Du weiterhin kritische Kommentare zulässt.

BTW, nichts ist entlarvender, als das eigene Tun. 😉

Steffen sagt:

@Laie: Wollte dich nicht erschrecken 🙂 Aber wenn du jemanden kritisierst und nicht deinen Namen nennst, bekommt man das Gefühl dass du eher allgemein auf Stunk aus bist.

Kritische Kommentare sind allerdings kein Grund, diese nicht zuzulassen.

Jo sagt:

@ Laie: Aber Deine Ricoh GX-200-Bilder wirst Du doch irgendwo hochgeladen haben? 🙂

manne sagt:

schicke bilder und top story!
trozdem ist es nichts für mich. ich bleibe da lieber bei meinem „geliebten“ autofokus 😉

Tobias sagt:

Zu den Anmerkungen von „Laie“ kurz noch Folgendes:

„Seit 2006 verfolge ich mein Hobby etwas seriöser und fotografiere seitdem ausschliesslich mit Canon DSLRs“

Stimmt, ist etwas unglücklich/missverständlich formuliert. Ich wollte damit sagen, dass ich seitdem mein Hobby ernster nehme, d.h. mich mehr mit der Sache befasse und mehr Zeit und Aufwand investiere als zuvor. Die Canon DSLRs haben nichts damit zu tun, es hätte eine Nikon/Pentax/Sony genauso gut ihren Dienst getan. Ich habe mich damals nunmal für Canon entschieden.

„Nach dem Motto “ein Bild sagt mehr als 1000 Worte” empfehle ich mein flickr-Album mit meinen Bildern, die ich mit der M9 gemacht habe und machen werde.“

Die digitale Nachbearbeitung ist für mich ein elementarer Bestandteil meines Workflows, zumal ich Raw-Bilder immer durch irgendeine Software jagen muss um überhaupt zu Bildern zu kommen. Meine Bilder auf flickr sind freilich bearbeitet, aber nach meinem Empfinden eben bearbeitet und nicht verfälscht. Der Aufwand der Nachbearbeitung hält sich in Grenzen.

Bilder „out of the cam“, wie man sie in vielen Testberichten findet, sind nach meinem Empfinden auch nicht aussagekräftig, weil kein Fotograf unter Laborbedingungen irgendwelche Mess-Charts fotografiert – das tun nur Leute, für die die Technik und nicht die Kreativität im Vordergrund steht (und die gerne ein schlechtes Bild mit einer schlechten Kamera begründen).

Insofern gebe ich Dir Recht – Du hättest „vergleichbare Bilder“ auch mit Deiner Ricoh machen können, die Kamera ist ja nur Mittel zum Zweck. Der Fotograf, seine Bildidee, die Komposition und auch die Bearbeitung oder Entwicklung beeinflussen das Ergebnis viel stärker als die Kamera selbst.

Steffen sagt:

@Tobias: Prima, dass du noch mal so ausführlich geantwortet hast.

Der „Laie“ hatte sich bereits vorher schon mal zu Wort gemeldet und mit dem Inhalt seines Kommentars bestätigt, dass ich mit meinem ersten Eindruck gar nicht so falsch lag. Da er unter anderem auch beleidigend wurde, hab ich mir die Freiheit genommen den Kommentar zu löschen.

Ich bin der Meinung, dass wir uns hier über unser Hobby austauschen wollen. Lust auf Streit habe ich keinen.

Tobias sagt:

@Steffen: Man muss sich ja zum Glück nicht auf jede Provokation einlassen. 😉
Den bösen Kommentar würde ich aber auch gerne lesen – wäre cool, per Mail?! 🙂

Schöner persönlicher Eindruck der M9 und des „Warum“. Ein Satz macht mich aber etwas stutzig:

„Nach meinen ersten kleinen Ausflügen mit der Leica habe ich einen sehr guten Eindruck, ich kann damit in den meisten Situationen Bilder machen, die meinen Erwartungen entsprechen.“

Mmh, so ganz überzeugend klingt das für mich nicht. Heißt also, dass in manchen Situationen nichts Gutes rauskommt. Wie war das denn mit der DSLR? Entsprachen da die Bilder häufiger den Erwartungen, oder seltener? Ist es bei der M9 noch eine Sache der Übung oder Mangel der kameraeigenen Möglicheiten?

Tobias sagt:

@Martin Hülle:

Überlegungen hinter dem von Dir zitierten Satz: die M9 kommt, wie auch schon meine DSLR, in manchen Situationen an ihre Grenzen, z.B. bei sehr krassem Sonnenlicht.
Das ist bestimmt vor allem eine Frage der Übung – ich muss noch viel Erfahrung sammeln, wie die M9 sich wann verhält.
Ich würde aber behaupten, dass die Bilder aus der Leica öfter meinen Erwartungen entsprechen, gemessen an der wenigen Übung die ich bis jetzt habe.
Die kameraeigenen Möglichkeiten sind, wie im Artikel beschrieben, auf das Wesentliche beschränkt, aber es fehlt nichts Wesentliches. 🙂

Georg sagt:

Da darf eigentlich der Hinweis auf dieses schoene Projekt nicht fehlen:
http://www.skt1.de/
„Man nehme eine Leica, eine Festbrennweite und einen SW-Film seiner Wahl. Keinen Farbfilm, keine weiteren Kameras oder Objektive. Die Leica wird jeden Tag mitgenommen und in der Woche sollten sechs Filme belichtet werden (mindestens aber zwei). Es sollte möglichst viel Zeit mit Fotografieren verbracht werden. Also üben, üben und nochmals üben. Von den Filmen werden jede Woche einige Arbeitsabzüge erstellt (ca. ein bis sechs Abzüge pro Film) und ab und zu auch mal ein größeres Format. Dabei sollen die Bilder nicht verändert, sondern so wie sie aus der Kamera kommen abgezogen werden. Das Ganze dauert ein Jahr! Nach einem Jahr kann man ein Resümee ziehen. Hat sich der Stil verbessert? „

stefan sagt:

Ein oft und gern gesehener Teilnehmer bei unseren Photowalks hat sich auch die LEICA M9 geholt und darüber berichtet – die zwei Artikel findet Ihr auf unseren Seiten unter folgenden URLs:

http://photowalkingmunich.de/2010/03/leica-m9-emotionen-pur/

und

http://photowalkingmunich.de/2010/04/leica-m9-suchtgefahr/

czoczo sagt:

Seit gewisse Zeit auch ich überlege meinen DSLR zu ersätzen .
Wen man dein Bericht liest und mit den gedanken sich befast , erkänne ich noch stärker was mich zu so einen Schriet bewegt . Früher hat man mit Zenith & Practica Manuel alles eingestellt , und jeder einzelen Bild musste durchdachts ein , nicht nur dem Aufbau aber auch die einstellungen . Heute verlässt man sich zu stark auf die Automatic funktionen .
Ob ich mich aber wagen werde auf solschen system wechsel … bin gespannt

Bananafishbone sagt:

Glückwunsch zur M9.
Ich bin den umgekehrten Weg gegangen, von der M8 zur Canon EOS 5D Mark II.
Bereut habe ich es bis jetzt noch nicht, mir bietet die DSLR mehr Möglichkeiten meine Bildideen zu verwirklichen.
Die M8 war sicherlich eine feine Kamera, hat sehr viel Spass gemacht und machmal weine ich ihr auch die eine oder andere Träne nach.
Sowas wie eine Emotionale Bindung hatte ich bisher nur bei der M8 erlebt.
Die Bildqualität war schon bei der M8 (mit 35er Summilux) überragend und irgendwann, wenn ich im Lotto gewinne, werde ich mir sicherlich eine M9 zulegen.
Wenn ich NUR Street und Landschaft knipsen würde, hätte ich die M8 behalten.
Zudem braucht man (ich zumindest) mindestens drei Festbrennweiten, um etwas Spielraum zu haben. Ein 35er, ein 50er und nochwas um die 75 oder 90mm.
Beim Preis der (sehr guten) Leica Objektive kommt man da schnell auf Fünfstellige Beträge.
Also schleppe ich die Canon mit mir rum und spiele fleißig Lotto.

Danke Tobias, das ist ein sehr ehrlicher und gut geschriebener Erfahrungsbericht – finde ich gut, dass Du hier die Argumente abwägst und andere daran teilhaben lässt… Die Leica ist eine superschöne Kamera, die ich hin und wieder auch gerne dabei hätte, gerade auf Straßenspaziergängen und so…

Jérome sagt:

Also den manuellen Fokus sehe ich als Nachteil an, nur wenige Bilder bei Dir (flickr) sind wirklich knackig scharf, deswegen ist mit eine 5D allemal lieber… wobei ich es mir eh nicht auf die Größe ankommt.

Ich kann den Artikel nur bestätigen.
Vor einem Vierteljahr bin ich direkt von meiner ersten DSLR (Nikon D40) den großen Schritt zur (gebrauchten) Leica M8 und einem 50mm Summicron gegangen und habe ihn in keinster Weise bereut. Ok, selbst gebraucht war das die absolute Schmerzgrenze für mein studentisches Budget… 🙂

Haptik und Verabeitungsqualität sind ein Genuss, es macht einfach Spaß die eingebaute Streulichtblende herauszuziehen, die Blende am Blendenring und die Verschlusszeit am kleinen Rädchen manuell einzustellen und beim Auslösen mit einem satten „plong“ belohnt zu werden 🙂

Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass die Leuchtrahmen den Bildausschnitt zeigen und nicht einfach der ganze Sucher = fertiges Bild ist. Inzwischen sehe ich die
Leuchtrahmen aber gar nicht mehr und empfinde es als Vorteil auch das zu Sehen, was links und rechts neben dem eigentlichen Motiv passiert. Manuelles Fokussieren geht hervorragend und scheint mir inzwischen präziser als an der DSLR (ok, dauert dafür auch deutlich länger). Schwierig wird es allerdings wenn man, wie ich gerne mal, direkt ins Licht fotografiert. Dann sieht man im Mischbildentfernungsmesser nämlich kaum noch was. Die „Kornblume im Wind bei Gegenlicht“ ist also eine echte Herausforderung, aber machbar 🙂

Über die Bildqualität muss man eigentlich nicht viel sagen. Das 50mm/f2 Summicron produziert ein wunderbares Bokeh, chromatische Abberationen gibt es quasi nicht und die Schärfe ist ein Traum.

Die Leica hat mich gelehrt viel genauer hinzuschauen. Ich fotografiere jetzt weniger (also Anzahl der Bilder), aber auch viel bewusster. Und genau das war für mich der Grund für die Leica: Entschleunigung und Bewusstsein. Klar geht das auch mit jeder anderen Kamera – aber die Leica macht es einem einfach viel leichter.

Wem also der Leica-Brennweitenbereich reicht (kein Tele, kein echtes Makro), dem sei das Experiment Leica wärmstens ans Herz gelegt, eure Fotos werden es euch danken 🙂 Und mich lockt inzwischen der nächste Schritt, nämlich eine gute alte Film-Leica.

hAnnes sagt:

Netter Erfahrungsbericht, klingt aber so, als wären Dslr-Kameras unübersichtliche Technikmonster mit zuviel Funktion. Dem kann ich nicht zustimmen. Deine Beispielbilder sind nett anzusehen, hätten jedoch auch mit jeder anderen Dslr aufgenommen werden können. 😉 Unbearbeitete Bilder würden mich auch interessieren.

„- DSLRs bieten mir viel zu viele Optionen, die ich nie nutze (mein Lieblingsbeispiel: Video. Was soll ich als Fotograf mit einer Videofunktion?) – von den gefühlten 101 Menüs und Untermenüs ganz zu schweigen, deren Sinn sich mir nie erschlossen hat, obwohl ich bestimmt kein Technikmuffel bin.“

Man wird dem Wandel der Zeit nicht entkommen können, die wichtigsten Funktionen sind immernoch am Body schnell erreichbar, ein Blick ins Handbuch zeigt auch auf, wie man z.B. unnütze Menüs abschalten kann. Der „Sinn“ von bestimmten Menüs liegt wohl im Anwendungsbereich. Ein Landschaftsfotograf wird sich im seltensen Fall mit einer Blitzbelichtungskorrektur, CLS/AWL-Gruppen oder anderen Spezialgebieten befassen.

„- Beim Fotografieren auf der Strasse ist eine große DSLR wie die 5D Mark II alles andere als unauffällig und das letzte, was ich beim Fotografieren brauchen kann, sind “Gaffer”. Zugleich wirkt die wuchtige Kamera auf manche Leute regelrecht abschreckend.“

Damit hast du vollkommen Recht.

Kurzum: ich gratuliere dir zur Leica, neidisch bin ich nicht, ich schätze den Autofokus und vollen Funktionsumfang meiner Dslr. Ich sehe eine Leica als Luxusapparat für Stillleben und leichte Reportagezwecke. Wo es auf Geschwindigkeit (Sport) oder Lichtdinge (Portrait im Studio, Werbefotografie etc.) ankommt, wird wohl eher eine Dslr oder digitale Mittelformatkamera zum Einsatz kommen.

Viele Grüße,
Hannes

dirk sagt:

Auch ich bin begeistert von der M9. Es entstehen wirklich andere Bilder mit einer solchen Kamera zu fotografieren. Was mich selbst ein wenig stört, ist das schnelle Ausbrechen in den hellen Bereichen. Mann muß wirklich genau wissen was man tut bei einer Leica M9 und lieber einen tick unterbelichten. Ganz im Gegensatz zu einer canon 5DII verzeiht die M9 nichts! Selbst in Räumen kann eine Lampe zum Problem werden und erzeugt auf Haut oder Haar nicht wieder zu rettende überbelichtete Bereiche. Also – die nächste M10 bitte mit etwas mehr Dynamikumfang, vor allem im Spitzenbereich, Canon hat das schließlich auch hinbekommen. Wir haben einige Wochen mit Leica fotografiert und das war der einzige Grund der uns am Ende vor einer Anschaffung abgehalten hat. Ich bin jedoch noch heute sehr traurig über den Verlust und vielleicht … na, mal sehen. Vielen Dank für den tollen Erfahrungsbericht und ein lieber Gruß aus Köln, dirk

Hendrik sagt:

Messsucherkameras sind genial. Aber die Umstellung ist nicht ganz ohne. Aber die Fotografie ist so viel bewusster!

Jöran Herr sagt:

Für mich tut´s auch eine second hand M 6 mit Voigtländer Nokton..auf die kann ich sparen! Servus!

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