16.01.2009 | Artikel von   Facebook flickr Twitter

Wie denkt ihr denn darüber?

Letztes Wochenende habe ich ein Reh fotografiert und heute möchte ich euch eine Frage dazu stellen. Aber fangen wir von vorne an…



Ich wohne in einem Ort mit dem schönen Namen Rehfelde. Der Name ist wirklich passend, denn Rehe und Felder gibt es zur Genüge. Die Tiere halten sich meist im Schutz bietenden Wald auf. Zum Fressen laufen sie auf die Felder. Eine Straße in der Nähe unseres Hauses kreuzt den Übergang zwischen Feld und Wald. Deswegen kommt es leider oft zu Wildunfällen. So auch am Anfang dieses Jahres. Das Reh lag erst am Straßenrand und dann irgendwann etwas abseits auf dem Feld. Ich denke das war der Förster, der genau weiß, was dann passiert. Für Bussarde, Raben und auch Füchse war das Fleisch des Rehes die Rettung in der Not. Bei dieser strengen Kälte finden sie nur wenig zu fressen.

Wenn ich Zeit hatte, hab ich immer auf den Kadaver geachtet, da ich gerne einen Bussard dort erwischen wollte. Letzten Sonntag früh war ich mit der Kamera unterwegs. Vögel traf ich keine an, deswegen betrachtete ich das tote Reh etwas näher. Es waren eigentlich nur noch Knochen und Fell übrig. Meine Gefühle waren gemischt. Zum einen war das tote Tier traurig anzusehen, zum anderen fand ich das Geschehene richtig und natürlich. Das Aufzehren des Rehs stellt eine Art Reinigung der Umgebung dar und dabei wurde gleichzeitig den Hunger leidenden, gesunden Tieren geholfen.



Nun habe ich diese Aufnahme von dem Reh und bin mir unschlüssig, ob ich diese zeigen kann. Auch wenn in diesem Foto etwas sehr natürliches festgehlaten ist, kann es oberflächlich betrachtet, eher geschmacklos wirken. Vielleicht hängt es einfach vom Kontext ab? Wie denkt ihr denn darüber?

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Kategorie: Fotografie

Kommentare

manne sagt:

mhm. schwere frage. ich würde sagen es hängt davon ab, wie es aussieht. eher blutig oder eher wie ein gerippe. wenn jemand knochen in einer wüste fotografiert ist das eine geschichte die jeder nachvollziehen kann und keiner nimmt anstoss. ich denke hier verhällt es sich ähnlich …

Denny sagt:

Ich denke auch es kommt auf den Kontext an. Trotzdem ist es etwas schwierig deine Frage zu beantworten wenn ich das Bild nicht kenne …

fswerk sagt:

ich sehe ehrlich gesagt das problem nicht

Gunnar Ries sagt:

Für mich wäre es nicht geschmacklos, das Bild zu zeigen. Es handelt sich um einen vollkommen natürlichen Vorgang, und vollkommen natürliche Vorgänge können eigentlich nicht geschmacklos sein. Vielleicht sollte man sich aber nicht allzu weit von der reinen Dokumentation entfernen und den Vorgang entsprechend beschreiben, um zartbesaiteteren Zeitgenossen einen einfacheren Zugang zu verschaffen, ohne zu schockieren.

Susann sagt:

schwierige Frage. Natürlich gehört der Tod zum Leben und alles zum ewigen Kreislauf.
Von daher kannst du solche Bilder natürlich hier auch zeigen.
Es kommt jedoch trotzdem immer darauf an. Nur den Kadaver zu zeigen, um des Kadavers willen, fände ich jetzt nicht so toll. Aber bei den Bildern, die ich bis jetzt von dir kennengelernt habe, habe ich auch keine Sorgen, dass es ein entsprechend reisserisches Bild sein würde.

andreas sagt:

Ich finde ja, sobald man das eigene Bedürfnis hat etwas zu zeigen, so sollte man das auch tun. Es ist aus meiner Sich ist irrelevant, ob es Stimmen gibt, denen es mi?fällt. Die gibt es immer und überall. Du hast das Bild wahrscheinlich nicht aus Spaß an der Freude gemacht, sondern weil die Szene etwas in Dir bewegt hat. Also zeig uns was Du gesehen hast.

Außerdem hast Du es so spannend gemacht, dass Du es eigentlich zeigen musst! 😉

Uwe Mayer sagt:

Da wird naturgemäß wohl jeder unterschiedlich drüber denken. Meine Meinung: Menschen fotografieren was sie umgibt, was sie beschäftigt, was sie mögen, was sie nicht mögen. Ihr Leben eben.
Der Tod gehört dazu, für manche auch fotografisch. Aus meiner Sicht verbieten sich da ‚Beweisfotos‘ die zur Schau gestellt werden. Sorgsam und einfühlsam umgesetzt kann aber auch eine solche Szene ein Foto liefern, mit dem man sich beschäftigt (es ist schwierig Worte wie ‚ansprechend‘, ‚interessant‘, ‚reizvoll‘ o.a. hier zu verwenden).

In Deiner Situation wäre es das folgende was mir durch den Kopf ginge: wurde mit der Situation sensibel und würdevoll umgegangen?

Als Fotograf und Podcaster haben sich übrigens Martin Baily (Martin Baily Photography Podcast) und Jeff Curto (History of Photography) sehr sensibel mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Basti sagt:

ich finde, dass man nicht immer nur schöne Sachen fotografieren muss. Kriegsfotografen gibt es auch zur Genüge und die zeigen auch nicht nur die schönen Seiten. Fotografie ist was wir meinen, festhalten zu müssen.
Fotografie kann meines ERachtens auch sehr gut Schocken…vielleicht möchtest du das mit diesem Bild…
ich finde zeig es!!

zoomyboy sagt:

Du hast ja schon auf den Auslöser gedrückt, dh. du musst dir in diesem Moment ja schon dabei etwas gedacht haben. Warum dann jetzt die Zweifel?

Meine Persönliche Meinung: Ich Fotografiere keine toten Lebewesen. Denn ich bin kein Kriegsfotograf und auch habe keine Dokumentarischen Ambitionen. Auch sehe ich mir keine Bilder an die in diese Richtung gehen. Ich weis auch ohne Bildbeweis das viele Rehe und Hasen von Autos überfahren werden und ebenfalls weis ich auch das danach der Verwesungsprozess beginnt – Warum man das Fotografisch festhalten muss bleibt mir ein Rätsel.

Jörg sagt:

Ich würde nicht fragen ob man etwas zeigen darf, sondern welcher Zweck damit erreicht werden soll. Würden wir alle unschönen Bilder verbannen, müsste man das wohl Zensur nennen. Ohne direktes „Draufhalten“ hätte es Bilder wie das berühmte Foto des Napalm-Opfers Kim Phuc nicht gegeben. Sensibel und würdevoll ist das Foto bestimmt nicht.

Über die Zustände in der Tierhaltung wären wir zum Beispiel auch nicht im Bilde. Ich finde es totes Lebewesen ist ein Motiv, mit dem sehr viel gesagt werden kann. Was du daraus gemacht hast, werden wir dann ja sehen.

Guido sagt:

Das sehe ich völlig unproblematisch. Durch ein Auto zu sterben, ist zwar nicht gerade natürlich – fressen und gefressen werden dagegen schon. Fahr einmal durch das südliche Afrika und schaue Löwen, Leoparden und Geparden in wirklich unberührter Natur bei der Jagd zu. Das wirkt teilweise unerträglich roh und brutal und teilweise wirkt das Töten und gefressen werden fast friedlich und einvernehmlich.

Man muss nicht eine ganze Website mit Bildern von den Überresten tierischen Lebens zusammen stellen, aber man muss solche Bilder auch nicht verstecken. Sowas ist einfach Natur. Sowas ist einfach Realität. Warum sollte man nur schöne oder süße Bilder (Stichwort Knut!) zeigen?
siehe beispielsweise
http://de.youtube.com/watch?v=U9oJUdpgqYU

Steffen sagt:

Klasse, dass ihr euch so zahlreich zu Wort gemeldet habt. Finde echt interessant, wie jeder einzelne darüber denkt!

Von dem Unfall war schon vorher nix zu sehen und nach dem Verzehr des Fleisches durch die Raubvögel sowieso nicht. An Verwesung ist bei den Minusgraden auch nicht zu denken…

Wenn ichs schaffe gibts morgen das Foto mit ein paar erklärenden Worten.

Schon mal herzlichen Dank für euer Feedback.

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